Türsteher am Gotteshaus

In Penzbergs evangelischer Kirche bleibt es weitestgehend still, während einige Meter weiter die Orgel ertönt

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Bei zwei Meter Abstand zwischen den Besuchern hätte pro Bank eine Person Platz. Pfarrer Lademann hat in seiner kleinen leeren Kirche nachgemessen.

Penzberg – Maximal ein Dutzend Besucher sitzen auf den Kirchenbänken, nicht nah beieinander, sondern voneinander weggerückt, als ob man die Anwesenheit der anderen nicht ertragen könnte. Ein Bild, das dem evangelischen Pfarrer Julian Lademann alles andere als behagt, aber auch ein Bild, dass es nur in seiner Vorstellung gibt. Denn Gottesdienste werden in der evangelischen Kirche weiterhin nicht gefeiert. Anders sieht es wenige hundert Meter davon entfernt aus: In der katholischen Christkönig-Kirche wurden vergangenes Wochenende Wortgottesfeiern zelebriert. Doch auch dort sah der katholische Pfarrer Bernhard Holz ein anderes Bild als das gewohnte, vertraute, lieb gewonnene.

 Einen Türsteher am Eingang der Kirche, das wollte Julian Lademann auf keinen Fall, doch einen solchen hätte es wohl gebraucht, wenn er zum Gottesdienst geladen hätte. Denn laut den Bestimmungen, wie der Pfarrer sagt, müssten die Besucher zwei Meter Abstand voneinander wahren. Infolgedessen könnten maximal zehn bis zwölf Menschen in die Kirche gelassen werden. Bei der Vorstellung, jemanden an der Pforte abweisen zu müssen, gruselt es Lademann, denn schließlich sei nicht er „der Gastgeber“, wie er mit einem Schmunzeln anmerkt. Auch wolle er keinen „reduzierten Gesang“ hinter Mundnasenmasken hören, der am „besten noch gesummt“ werde. Lademann möchte richtige Gottesdienste feiern, mit allem Drum und Dran und vor allem mit allen Menschen, die zur Kirche kommen, was derzeit nun einmal nicht möglich ist. Bis Pfingsten habe man sich daher entscheiden, keine Gottesdienste zu feiern. Stattdessen setzt der Pfarrer weiterhin auf Online-Präsenz, also Kurzfilme und Audio-Andachten auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde und natürlich auf Telefonate mit den Gläubigen. 

Ab Pfingsten wird Lademann beim Predigten dann wieder in Augen schauen können, in streng geregelten Kurz­andachten die „20, 30 Minuten dauern“ und draußen stattfinden werden, „vermutlich auch bei schlechten Wetter“, lacht der Pfarrer. Für diejenigen, „die es gar nicht mehr aushalten“, so Lademann, plant er schon jetzt zweimal in der Woche Abendgebete, doch auch zu diesen können nur maximal ein Dutzend Besucher in die Kirche kommen, nach vorheriger schriftlicher Anmeldung im Pfarramt, damit niemand am Eingang vom Türsteher Lademann abgewiesen werden muss. Seine Gemeindemitglieder sollen nicht dem Druck ausgesetzt werden, in dieser Zeit trotz Vorbehalte oder Ängste in den Gottesdienst gehen zu müssen, nur damit „der Pfarrer nicht traurig ist“, sagt Lademann augenzwinkernd, der zu seinen Predigten stets viele Senioren als Zuhörer begrüßt, und damit die Corona-Risikogruppe. 

Besagte Bestimmungen, die es Lademann madig machen, zu predigen, betreffen auch die katholische Kirche, die am vergangenen Samstag die Gottesdienste wieder aufnahm. Unter der Woche steht Pfarrer Bernhard Holz noch nicht am Altar, jedoch samstags und sonntags unter Einhaltung strenger Regeln. So mussten sich die Gottesdienstbesucher telefonisch anmelden sowie vor und in der Kirche Masken tragen. Helfer begleiteten sie zu den Bänken, auf welchen zwei Meter Abstand einzuhalten war. „Natürlich war es anders“, sagt Holz nach dem Wochenende, an dem in den beiden Kirchen wieder Leben einzog, nicht bei Gottesdiensten, sondern bei Wortgottesfeiern. 60 Plätze konnten in der Christkönig-Kirche besetzt werden, 48 im Steigenberger Gotteshaus. Kein Gesang erklang, nur die Orgel ertönte. „Es waren nicht alle Plätze besetzt“, sagt Holz. 

Doch darum ging es auch nicht, vielmehr wollte man nach der „Vollbremsung“ vor ein paar Wochen „in kleinen Schritten“ starten. Noch vor der ersten Feier hätten einige Gläubige bedauert, „dass das nicht ihre Art ist, Gottesdienst zu feiern“, erinnert sich der Pfarrer, der dafür Verständnis zeigt. Dennoch lächelt er, wenn er an diejenigen denkt, die trotz der ungewohnten Situation gekommen waren und die Einschränkungen in Kauf genommen hatten. Einschränkungen, die unumgänglich sind, denn oberste Priorität haben für Holz nach wie vor „der Schutz und die Gesundheit der Menschen“. ra

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