Urteil am Landgericht München

Wegen Mord: Lebenslänglich für Bad Heilbrunner Raser

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Das Unfallauto im November 2019.

Bad Heilbrunn/München – Ein Bad Heilbrunner flüchtete im November 2019 in München vor der Polizei und fuhr einen Schüler tot. Es ist der erste Raser-Fall in München, der juristisch als Mord gewertet wurde: Lebenslängliche Haft für den Angeklagten.

Als der 36-Jährige den Saal A 101 des Landgerichts betritt, klicken die Auslöser. Etliche Kameras sind auf den Angeklagten gerichtet. Der Angeklagte faltet die Hände und schaut zu Boden. „Bitte erheben Sie sich“, sagt Richterin Elisabeth Ehrl. Dann spricht sie ihr Urteil. Lebenslänglich wegen Mordes.

Der Angeklagte rührt sich nicht. Er weint nicht, wie bei der Verlesung der Anklage, als erstmals in allen Details klar wurde, was er getan hatte. Die Flucht vor der Polizei mit 122 Stundenkilometern auf der Fürstenrieder Straße. 1,8 Kilometer lang war er am 15. November 2019 als Geisterfahrer unterwegs gewesen, abends um 23.20 Uhr. Zwei Gramm Kokain hatte er geschnupft und Bier getrunken. Und war dann in eine Gruppe Schüler gerast, die hinter einem Bus hervorgetreten waren. Der damals 14-jährige Maxi war sofort tot. Eine Freundin von ihm wurde schwer verletzt und ist, wie zwei Mitschüler und Autofahrer, die dem BMW des Rasers ausweichen mussten, bis heute schwer traumatisiert.

Schwer in Worte zu fassen

„Es gibt nur wenige Verfahren, die sich so schwer in Worte fassen lassen“, so Richterin Ehrl in ihrer Urteilsbegründung. „Es sind nur wenige Sekunden, die über Leben und Tod entschieden haben.“ In München hatte der Bad Heilbrunner einen Freund getroffen, dem er seinen 306 PS-starken BMW 135i zeigen wollte. Am Abend wollte er zurück, verfuhr sich aber. Auf der Landsberger Straße hatten Beamte dann versucht, ihn zu kontrollieren, weil er im Koks-Rausch illegal gewendet hatte. Danach raste der Angeklagte Richtung Süden. Mehrere Autos mussten ihm ausweichen. Doch der Heilbrunner gab erneut Gas.

Eine fatale Entscheidung des BMW-Fahrers, denn genau darauf basiert jetzt das Mordurteil: Er hätte auch nach mehreren überfahrenen roten Ampeln oder Beinahe-Crashs noch stoppen können, um einen tödlichen Ausgang zu verhindern. Doch er beschleunigte – und nahm so den Tod von anderen in Kauf. Auch den von Maxi: 0,8 Sekunden vor dem Aufprall hatte der BMW-Fahrer ihn gesehen. 0,3 Sekunden vorher bremste er ab. Die rechte Flanke des BMW 135i traf den Schüler erst am linken Bein, lud ihn dann auf die Motorhaube. Sein Körper wurde noch 51 Meter weit geschleudert, bis er auf der Parallelfahrbahn liegen blieb. Danach kam jede ärztliche Hilfe zu spät.

Bus fast verpasst

„Wie durch ein Wunder“, sagt die Richterin, hätten die anderen Jugendlichen überlebt. „Viele Kleinigkeiten haben sich in diesem Fall summiert“, sagt Ehrl. So war die Gruppe auf einer Party, die nicht geplant war. Die Jugendlichen nahmen den Bus zurück, verpassten ihn fast, doch Maxi habe ihn aufgehalten. Nach dem Aussteigen blieben die Schüler für Sekunden noch stehen – zum Ratschen. Dann erst traten sie auf die Fürstenrieder Straße. Den schwarzen BMW des Angeklagten konnten sie nicht sehen. Andreas Thieme

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