Ein wenig wildes Wuchern

Naturnahe Grünflächen: In Penzberg wird mit Rücksicht auf die Bienen gemäht

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Mähen in Maßen: Die Bauhofmitarbeiter Nico Burger kümmert sich um die Grünflächen, die nicht allein Menschen, sondern auch und vor allem der Natur mit ihren Insekten und anderen Kleinstlebewesen gefallen sollen.

Penzberg – In langen Halmen strecken sich die Gräser der Sonne entgegen und sammeln Licht für die Photosynthese. Viele Zentimeter misst das Grün an Länge, dort neben dem ehemaligen Schlachthof, am Säubach nahe dem Spielplatz. Nicht die einzige Fläche in Penzberg, die munter wuchert.

Da steht er nun, der Sitzrasenmäher. Neben ihm liegt ein Freischneider, bereit zum Einsatz auf dem Gehweg. Es soll gemäht werden, dort vor dem Naturspielplatz zwischen Bichler Straße und Gustavstraße. Dass dort das Gras nun schon eine Weile lang nicht mehr gestutzt wurde, hat nichts mit Nachlässigkeit oder Desinteresse zu tun, der Bauhof und auch die für die Grünordnung der Stadt zuständigen Leute haben die Fläche durchaus auf dem Schirm, ganz genau sogar. „Es findet ein Umdenken statt“, betont Baumpfle­gerin Anita Suttner. Die Stadt lässt nun hier und da Halme und Sträucher in Ruhe wachsen und gedeihen, um Tieren einen Lebensraum zu bieten. „Naturnahes Stadtgrün“, nennt Suttner das Ergebnis, das sich nicht allein nahe dem ehemaligen Schlachthofareal zeigt, sondern an zahlreichen weiteren Bereichen in der Stadt. Dass da der ein oder andere Penzberger kritisch auf die langen Stängel und die vielen Blätter blickt, überrascht die Baumpflegerin nicht, schließlich dauere es, „bis das Umdenken auch bis in die letzte Ecke in Penzberg durchgedrungen ist“. 

Dagegen dürfen nicht, auch nicht in der letzten Ecke Penzbergs, lange Halme unmittelbar an den Gehwegen und Straßen nach Belieben sprießen, denn das „Straßenbegleitgrün“, so Bauhofleiter Christian Eberl, müsse aus Verkehrssicherheitsgründen regelmäßig gemäht werden, so dass die Übergänge zwischen Gehweg beziehungsweise Fahrbahn und Wiese deutlich zu erkennen sind. 

Zu erkennen sein muss der Säubach, der nahe dem Spielplatz fließt, dagegen nicht unbedingt, eigentlich ist es sogar von Vorteil, wenn Gräser und Sträucher das Plätschern umhüllen, „denn dort haben Kleinsttiere eine wunderbare Möglichkeit, sich zurückzuziehen“, erklärt Suttner. Lediglich die Sträucher, die anderes Grün massiv am Gedeihen hindern, werden entfernt. Wilde Beeren habe man beispielsweise herausgenommen, um anderen „wertvollen Sträuchern“ wie dem Weißdorf etwas Luft zu verschaffen. 

Weißdorn wäre auf dem angrenzenden Spielplatz kein Problem, viel Gras mit Blumen dagegen schon. Zwar möchte man in der Stadt durchaus mehr Blühflächen für Insekten sehen, an Orten, an denen Kinder spielen aber nicht. Dass Wes­pen und Bienen die Kinder stechen oder Zecken sich an ihren Körpern festbeißen, wolle man durch regelmäßiges Mähen verhindern, wie Bauhofchef Eberl, auch mit Blick auf Kindergarten-Gärten, erläutert. 

Wiesen, auf denen Wildblumen getrost Sonne tanken können, habe Penzberg dem städtischen Klimaschutzbeauftragten Andreas Wowra zufolge durchaus im Blick: Die Stadt besitze zum Beispiel einige Hektar Ausgleichsflächen in Habach, Frauenrain und Holzhausen. Und auch in der Stadt könnten schon bald die Kreisverkehre naturnah begrünt werden, dafür müsse der Boden ausgehoben und unter anderem mit Kompost gefüllt werden, ehe die heimischen Samen in die Erde finden, so Wowra. Der Vorteil solcher Flächen: Der Pflegeaufwand sei gering, die Fläche wachse Jahr für Jahr und verändere sich von selbst, wie Wowra erklärt, nur „Unkraut wie Löwenzahn“ müsse ausgestochen werden. Die sonnengelbe Blume verbreitet sich bekanntlich rasend schnell und würde die Inseln vermutlich im Gelb untergehen lassen. Andererseits ist Löwenzahn ein beliebtes Anflugs­ziel von Bienen, und die sollen in der Stadt doch eigentlich fleißig Nektar sammeln können. ra

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