Herzblut und Nachdenklichkeit

Neujahrsempfang der SPD: Ein bisschen Wahlkampf, aber nicht zu viel

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„Wir versprechen nichts, was nach der Wahl nicht einzuhalten wäre“: Adrian Leinweber, Markus Kleinen, Elke Zehetner, Regina Bartusch und Bayram Yerli mit den beiden frisch durch den Neujahrsempfang führenden Moderatoren Lukas Bogner und Elias Schlögel (von rechts).

Penzberg – Stehtische mit roten Tischdecken und kleinen, ebenso roten Fähnchen machten schon beim Betreten der Stadthalle klar, wer sich hier nun versammelt: Die SPD hielt in dem großen Saal ihren Neujahrsempfang ab, mit Musik, den Heiligen Drei Königen und ein wenig Wahlkampf.

Die Ökumene, die religiöse, haben die katholischen und evangelischen Pfarrer am Dreikönigstag beim Neujahrsempfang der SPD ihrem islamischen Amtskollegen, Imam Benjamin Idriz, überlassen, was im Saal der Stadthalle aber niemanden verwunderte, da die drei Glaubensgemeinschaften ja schon seit vielen Jahren eine sehr enge Verbindung pflegen. Jetzt ist Penzberg aber auch von der politischen Ökumene erfasst, was sich dergestalt äußerte, dass CSU-Urgestein Ludwig Schmuck bestens gelaunt jeden mit Handschlag begrüßte, der zu den Genossen strömte, wobei Schmuck ja so ein Grenzfall ist, dessen Herz ohnehin eher für die Roten als für die Schwarzen schlägt. 

Für Bayram Yerli, den Ortsvorsitzenden der SPD, hatte dies den unschätzbaren Vorteil, dass er einen als Grüßaugust gefunden hatte und sich selbst ganz auf seine Rede konzen­trieren konnte, die ihm auch sehr ordentlich von der Hand ging. Bürgermeisterin Elke Zehetner rührte derweil die Werbetrommel in eigener Sache, schließlich will sie in einem Jahr an gleicher Steller auch in gleicher Funktion auftreten. Das Wahlprogramm der SPD, das die Genossen zeitgleich ins Internet einstellten, spielte an diesem sonnigen Vormittag so gut wie keine Rolle, was Stadtrat Thomas Keller damit begründete, dass er selbst dann stundenlang reden müsse, wollte er doch nur die Kurzversion wiedergeben, und sich das Programm in vielen Punkten „ohnehin nicht groß von dem der anderen Parteien und Gruppierungen unterscheidet“. Wobei sich Bayram Yerli beeilte zu versichern, „dass wir nichts versprechen, was nach der Wahl nicht einzuhalten wäre“. 

Nett, anders kann man es nicht sagen, war auch der Auftritt des SPD-Landratskandidaten Alexander Maraju, der offenbar versucht, mit seiner Unbedarftheit jene Unbedarftheit zu übertreffen, mit der Andrea Jochner-Weiß vor sechs Jahren ins Amt gespült wurde. Von Maraju weiß man jetzt zumindest, dass er wie Elke Zehetner in Rumänien geboren wurde und dass er nach einer Kochlehre nun als Fahrdienstleiter bei der Bahn arbeitet, woraus sich auch sein politischer Appell ableitete: „Die Bahn vertraut mir die Gesundheit der Fahrgäste an, deshalb vertrauen auch Sie mir die Führung des Landkreises an!“ Angesichts der vielen Verspätungen bei der Bahn ein sicher nicht risiko­freies Unterfangen. 

Bürgermeisterin Zehetner ging nicht näher auf Rumänien ein, sondern beschränkte sich auf das, was während ihrer Amtszeit erreicht wurde und was demnächst in Angriff genommen werden soll. Neben der Stellplatzsatzung, die dringend überarbeitet gehöre, um die Innenstadt für Investoren interessanter zu machen, nannte sie unter anderem das HAP-Areal, das sich die Stadt als Gewerbestandort sichern will, sowie den Bau von Wohnungen auf städtischem Grund, was angesichts staatlicher Förderprogramme und anhaltend niedriger Zinsen heute so günstig wie noch nie sei. Und natürlich machte Zehetner auch Werbung in eigener Sache, als sie ausrief: „Ich bin eine Bürgermeisterin, die mit Fachwissen, Verhandlungsgeschick, Fleiß und manchmal auch Beharrlichkeit das Beste für unsere Stadt herausgeholt hat und ihr weiter Perspektive bietet.“ Mit ihren 51 Jahren sei sie „eine gestandene Frau und Persönlichkeit“, die den stetig steigenden Anforderungen auch gerecht werden könne. „Ich arbeite vorausschauend und zielstrebig, bin kooperationsfähig und halte dabei auch bei sich verändernden Gegebenheiten das Steuer fest in der Hand. Ich bin mit Herzblut dabei und habe immer das Gemeinwohl vor Augen. Und ich halte, was ich verspreche“, sagte sie, begleitet vom Applaus im Saal. 

Beifall, und dies gleich mehrfach, erhielt auch Bayram Yerli, was vor allem daran lag, dass er seinen Blick über Penzberg hinaus übers ganze Land schweifen ließ und Balsam auf die Wunden der zuletzt so arg gebeutelten SPD-Seele träufelte. So sagte er etwa, dass die Sozialdemokraten angesichts der wirtschaftlichen Umbrüche heute mehr denn je gefordert seien, „weil es nicht angeht, dass alles den Regeln von Markt und Kapital unterworfen wird“. Statt dessen müsse der Mensch im Mittelpunkt stehen. Auch deshalb sei auf Druck der SPD die Grundrente eingeführt worden, „schließlich ist es nur anständig, wenn Menschen, die 35 Jahre in die Rente einzahlen, auch mehr als die Grundsicherung erhalten“. So was hören die Mitglieder einer Partei, die bundes- und landespolitisch seit langem taumelt, natürlich gerne. 

Nochmal zurück zu Penzbergs politischer Ökumene: Gegen Ende seiner Rede wurde Yerli sehr nachdenklich und erhielt dafür auch Beifall von jenen im Saal, die nachweislich nicht mit der SPD sympathisieren, als er über den zunehmenden Rechtsradikalismus sagte: „Es macht mir Angst, dass ausgerechnet jene, die unsere Freiheit abschaffen wollen, immer mehr Stimmen bekommen.“ la

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