Stille Stilllegung

Hörmann Automotive Penzberg verabschiedet sich ohne großes Aufhebens aus der Stadt

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„Ich werde mich beim Abschied noch ein letztes Mal umdrehen“, sagt Bayram Yerli wenige Stunden vor der Schließung des Werks . Seine gute Laune ließ sich derweil der Pförtner, fröhlich winkend auch am letzten Tag, nicht nehmen.

Penzberg – Es war irgendwie ein trauriges Bild, welches das Werk von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) abgibt. Ein Mitarbeiterparkplatz mit nur wenigen Autos, dazu drei Motorroller, ein Motorrad und zwei Fahrräder nebenan. Die Sonne scheint kräftig auf das Gebäude, das riesige Banner mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen“ steht noch immer am Eingang. Freundlich winkt der Pförtner aus seinem Häuschen. Es ist der letzte Tag von HAP in Penzberg. Ganz still und leise verabschiedet sich das Werk aus der Stadt, und Betriebsrat Bayram Yerli wandert noch einmal über das Gelände.

Eigentlich wollte man unter dem Motto „High Noon“ mittags in einer letzten Betriebsversammlung auf dem inneren Parkplatz des Werks gebührend Abschied nehmen, viele Mitarbeiter und Ehemalige hatten sich angekündigt. „Der Betriebsrat von HAP und die IG-Metall wollen diese bittere Stunde nicht einfach so verstreichen lassen“, hieß es noch in der offiziellen Ankündigung. Dann entschied man sich, die Sache wegen Corona abzusagen. Nun steht Yerli am Morgen des Shutdowns an der Eingangspforte und schaut auf das Werk, die Fahnen mit Hörmann-Aufdruck wehen im Wind, idyllischer Sonnenschein trügt das Bild. Kollegen laufen an Yerli vorbei, lachen, scherzen. Den Galgenhumor müsse man bewahren, sagt Yerli, der selbst 33 Jahre lang bei HAP tätig war, „ein ganzes Arbeitsleben“, sinniert er. Kurz zuvor war er die Hallen abgeschritten, dort „ist es so still“, meint er. Produziert wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr, nur noch Lager- und Versandtätigkeiten standen an. 

Drinnen sitzen einige Mitarbeiter in Grüppchen zusammen, „vielleicht 30 bis 50“, sagt Yerli, „sie lassen die vergangenen Jahre Revue passieren“. Ein paar Burschen mit Brotzeit unterm Arm gehen an der Pforte vorbei und marschieren ins Werk. 

Yerli dreht sich immer wieder um und blickt vom Eingang aus auf das Gebäude. Wehmut macht sich breit, nicht nur bei ihm. Bis zum Schluss geblieben sind vor allem schwerbehinderte als auch besonders langjährige Mitarbeiter: „Manche waren 44 Jahre lang dabei und gehen jetzt in Rente“, sagt Yerli. Eben noch lief er an einem Kollegen vorbei, „aus ist‘s, aus ist‘s“, habe dieser ernüchternd festgestellt. Gleich versammelt sich der Betriebsrat noch, „um ein letztes Mal zusammenzukommen und sich zu verabschieden“, schnauft Yerli tief durch. Generell aber bleibt ihm und seinen Kollegen an diesem Tag nur der „individuelle Abschied“, wie es Yerli nennt. In guter Erinnerung, werde er, wie vermutlich viele seiner Kollegen, HAP aber dennoch behalten. Auch wenn sich Bayram Yerli nun sichtlich erleichtert zeigt, dass das sich lang hinziehende Ende nun endlich gekommen ist. Wenn auch ganz geräuschlos. ra

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