Schneearmer Winter erwartet

„Die Königskerze lügt nicht“

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Geht es nach dem, was der Haslinger Sepp aus den Blüten der Königskerze liest, wird der kommende Winter wie der vergangene war: Es gibt wenig Schnee.

Einen schneearmen Winter erwartet der Wetterprophet aus Benediktbeuern. Er hat sich den Blütenstand der kleinblütigen Königskerze genau angeschaut und ist sich sicher: „Der Schnee wird nur die Autofahrer ärgern, das wird nichts Besonderes.“

Seit Jahrzehnten beherrscht der Haslinger Sepp die Technik, die Schneemenge des kommenden Winters anhand der Thapsuskerze vorauszusagen. Gibt es wieder wenig Schnee wie in den vergangenen beiden Wintern? „Ja, aber es könnte sein, dass es Ende November saut, ein Wintereinbrauch wird das sicher nicht“, erklärt der ehemalige Almwirt. Anschließend wird es keinen Schnee geben, nach der Wintersonnwende am 22. Dezember wird es durchwachsen. Haslinger blickt auf den mittleren Teil der Kerze - die Blüten sind nicht aufgegangen. Im Januar gibt es ein bisschen Schnee, der aber wieder abschmilzt, das gleiche Szenario sagt Haslinger auch für den Februar voraus. Im März ist der Winter vorbei, „der Osterschnee fällt aus“, ist sich der Wetterprophet sicher, „keine Blüten, kein Schnee“.

Geirrt hat sich der 72-Jährige noch nie. „Die Königskerze lügt nicht.“ Er könne sich nicht erinnern, grundverkehrt gelegen zu haben, vielleicht habe sich mal die vorausgesagte Schneemenge um ein paar Tage verschoben. Woran es liegt, dass die genauen Prophezeiungen stets eintreffen, kann Haslinger nicht erklären. Gelernt, das Naturphänomen vorherzusagen, hat er als junger Bursch am Stammtisch und auf dem Feld. „Schon als Bua hab ich mit den alten Bauern und mit meinem Großvater über die Wetterkerze geredet“, erinnert er sich. Und die alten Bauern und der Großvater hatten es wiederum von ihren Großvätern gelernt, so dass es sich wohl um ein seit Jahrhunderten weitergegebenes Vermächtnis handelt. Haslinger sagt, er könne behaupten, dass sich das, was die Alten gesagt haben, über 300 Jahre bewahrheitet hat.

Wissenschaftlich begründet ist das Interpretieren aus dem Blütenstand der Königskerze nicht. „Die Wetterexperten drücken sich vor einer Aussage“, erklärt der Haslinger Sepp dazu. Soviel ist sicher: Lesen kann der Haslinger Sepp nur aus ausgewachsenen Königskerzen. Und ganz wichtig: Die Vorhersagen gelten nur für den „Umkreis“ der Königskerze. Wie genau der Umkreis definiert ist, will Haslinger nicht sagen, aber die Vorhersagen für Benediktbeuern könnten nicht für Garmisch, Bad Tölz oder Weilheim zutreffen.

Der Haslinger Sepp nimmt an, dass das Phänomen, die Schneemenge anhand des Blütenstands der Königskerze vorherzusagen, in einem Kloster erkannt worden ist. Eventuell waren es Nonnen, die sich den Blütenstand der Heilpflanze aufgeschrieben haben und daraus einen Zusammenhang zum Schnee hergestellt haben. „Die Bauern haben keine Zeit dafür gehabt, die haben arbeiten müssen“, sagt Haslinger. akr (mehr in der Printausgabe)

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