Im Dialog zum Erfolg Arbeitskreis

„Tölzer Moorachse“ ist mit der Renaturierung im Landkreis sehr zufrieden

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Interdisziplinärer Einsatz für die Moore: Josef Niedermaier, Walter Wintersberger, Benedikt Zangl, Elisabeth Pleyl, Veronika Feichtinger, Franz Steger, Pater Karl Geißinger, Achim Rücker und Birgit Weis (von links).

Benediktbeuern – Was vor Jahrzehnten seines Wassers beraubt wurde, soll nun wieder vernässt werden: das Moor. Der Arbeitskreis „Tölzer Moorachse“ (TMA) setzt sich für die Renaturierung dieses Naturraumes ein, weil er für Tier und Mensch von großer Bedeutung ist.

Noch vor wenigen Jahrzehnten hat der Mensch die Bedeutung der Moore völlig unterschätzt und sie zur Brennstoffgewinnung und landwirtschaftlichen Nutzung entwässert. 95 Prozent der Moore in Bayern sind dadurch geschädigt und tragen durch die CO2-Freisetzung direkt zur Klimaerwärmung bei. Dabei übernehmen intakte Moorflächen wertvolle Aufgaben beim Klima- und Hochwasserschutz, Erhalt der Artenvielfalt sowie bei der Qualität des Grundwassers. In seiner jüngsten Sitzung informierte der Arbeitskreis „Tölzer Moorachse“ über abgeschlossene und zukünftig geplante Projekte wie die Wiedervernässung von Hochmooren. 

Grundeigentümer, Landwirte und Naturschützer an einem Tisch

Die Besonderheit des seit 2003 regelmäßig zusammentretenden TMA-Arbeitskreises ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Naturschutzverbänden, Behörden, Gebietsbetreuerinnen und dem Bayerischen Bauernverband (BBV) sowie die Mitwirkung des Landrats. Sein Vorgänger Manfred Nagler habe ihm die Moorachse „schwer ans Herz gelegt“, sagt Josef Niedermaier und ist stolz darauf, dass es gelungen ist, Grundeigentümer, Landwirte, den Bund Naturschutz und den Vogelschutzbund für das Projekt gemeinsam an einen Tisch zu bringen. „Moore sind der Schlüssel zum Einsparen von CO2“, weiß der Landrat. Denn pro Hektar wiedervernässtes Hochmoor werden jährlich 10 bis 15 Tonnen Kohlenstoffäquivalente weniger an die Luft abgegeben, sie bleiben dauerhaft im nassen Torf gespeichert. Der Freistaat bezuschusst die Planung und Umsetzung von Maßnahmen sowie Kauf, Pacht oder dingliche Sicherung von Flächen alleine in Oberbayern in diesem Jahr mit rund 800.000 Euro. Zusätzlich beteiligt sich auch der Landkreis. „Manche Eigentümer stellen ihre Moorgrundstücke aber auch unentgeltlich zur Renaturierung zur Verfügung“, lobt Landrat Niedermaier.

Den Spagat schaffen

„Die Gebietsbetreuerinnen sind unser Schmierstoff“, sagt Walter Wintersberger vom Landesbund für Vogelschutz. Elisabeth Pleyl und Birgit Weis stellen neue Projekte zunächst dem jeweiligen Bürgermeister und BBV-Kreisobmann vor und sprechen mit den Besitzern der Flächen, meist Landwirte, offen darüber, was beim Moorschutz geplant ist. „Dadurch haben wir einen immensen Rückhalt“, freut sich Wintersberger. Benedikt Zangl vom BBV bestätigt die konstruktive Zusammenarbeit und sachlich geführten Dialoge. „Die interessante und zielführende Arbeit macht unwahrscheinlich Freude“, sagt der Landwirt. Er sei stolz, dass die bayerischen Bauern „mit ihrer verantwortungsvollen Arbeit die Moorachse aufrechterhalten können“. Der Spagat zwischen dem Erhalt der aktiven Landwirtschaft und der Neuvernässung der Moore könne gelingen, indem man verschiedene Anliegen detailliert zum Ausdruck bringe und die Ängste und Sorgen der Landwirte ernst nehme. 

Torf im Glas

Auch Bildung gehört zu den Aufgaben der Gebietsbetreuerinnen, was besonders Pater Karl Geißinger am Herzen liegt. Wolle man Moore retten, müsse man die Menschen, vor allem die junge Generation, mit Wissen „darüber füttern“, findet der ZUK-Rektor. Also macht Birgit Weis die Moore erlebbar, in dem sie mit Gruppen durch das Filz geht und zeigt, was Renaturierungsmaßnahmen bewirken. Die Funktion der speicherfähigen Moore als Hochwasserschutz zeigt Elisabeth Pleyl gerne mit einem Stück Torfmoos in einem Glas, in das sie Wasser gießt. 120 Millimeter Wasser können die Torfmoose pro Niederschlagsereignis aufnehmen und über viele Tage und Wochen verteilt wieder abgeben. 

„Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“

Bislang konnten im Rahmen der TMA fünf große Projekte einvernehmlich durchgeführt werden, etwa im Königsdorfer Weidfilz oder dem Eglinger Filz. Aktuell werden im Münsinger Filz Vorbereitungen zur Sanierung der hydrologischen Verhältnisse getroffen. Durch bislang 800 Hektar renaturierte Moore spart der Landkreis jährlich mehr als 6.000 Tonnen CO2 ein. Dabei könnten es noch wesentlich mehr werden, denn Bad Tölz-Wolfratshausen gehört zu den moorreichsten Landkreisen in Oberbayern. „Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“, betont Vroni Feichtinger von der Regierung Oberbayern. Sie sieht Defizite vor allem in Niedermoorbereichen, auf deren fruchtbaren Flächen landwirtschaftliche Nutzung stattfindet. Derzeit werde intensiv daran geforscht, wie man auf Böden mit hohem Wasserstand ertragreiche Landwirtschaft betreiben könne, doch das sei noch Zukunftsmusik. 

„Ein reiner Ausgleich ist zu wenig“

Damit die Landwirte auch in Zukunft bei der Renaturierung von Mooren mitwirken, „ist eine Veränderung der Förderinstrumente notwendig, ein reiner Ausgleich ist zu wenig“, stellt Niedermaier fest und fordert einen höheren Anreiz für die auf Naturschutz ausgerichtete Bewirtschaftung von Flächen. cw

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