Gelege in Gefahr

Verbote in den Loisach-Kochelsee-Mooren

+
Um Wiesenbrüter zu schützen, wurden einige Wege in den Loisach-Kochelsee-Mooren mit Stop-Schildern für Spaziergänger und Wanderer gesperrt.

Loisachtal – Wege durch die Loisach-Kochelsee-Moore gibt es einige, doch manche von diesen sind verboten, zumindest von Ende März bis Mitte Juli. Damit die zwischen hohen Halmen brütenden Vögel nicht durch Spaziergänger und Wanderer gestört werden, hat die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen in der Wiesenbrüterverordnung geregelt, welche Pfade in den Mooren vorerst nicht mehr betreten werden dürfen.

Wenn Franz Steger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, auf den Großen Brachvogel blickt, dann mit Sorge, denn in den Achtzigerjahren waren es noch 18 Brutpaare in den Lois­ach-Kochelsee-Mooren, im vergangenen Jahr nur noch ein Drittel davon. Ein drastischer Rückgang. Beim Blick auf die jetzige Lage wird Stegers Stirn aber nicht von Falten befreit, denn heuer „konnten bislang nur zwei brütende Brachvögel festgestellt werden, davon kam es leider bei einem zum Verlust des Geleges“, bedauert der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. 

Der Große Brachvogel brütet in bayerischen Wiesen, zumindest hat er das stets, doch das Tier ist in seiner Heimat akut vom Aussterben bedroht. Und ist damit nicht allein, „aktuell sind alle wiesenbrütenden Vogelarten im Bestand stark rückläufig, zu ihnen gehören auch der Wiesenpieper oder das Braunkehlchen“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. 

Da hilft es den Vögeln auch nichts, dass sie ihr Gelege inmitten hoher Halme tarnen, denn sobald sie sich gestört fühlen, fliegen die Altvögel auf und es besteht die Gefahr, dass die Gelege auskühlen. Spaziergänger merken dabei oft gar nicht, dass sie einen Vogel aufgescheucht haben, denn die Fluchtdistanzen können beispielsweise beim Brachvogel bei bis zu einem halben Kilometer liegen. Um die wiesenbrütenden Vogelarten während der Brut- und Aufzuchtzeit zu schützen, gibt es bereits seit 1993 die Verordnung des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen über die Beschränkung und Regelung des Betretungsrechts in dem Wiesenbrütergebiet Loisach-Kochelsee-Moore in den Gemeinden Benediktbeuern, Bichl, Kochel und Schlehdorf, kurz: die Wiesenbrüterverordnung. In dieser wird geregelt, welche Wege in den Loisach-Kochelsee-Mooren im Zeitraum von 20. März bis 15. Juli nicht betreten werden dürfen. In einem Lageplan, der auch auf großen Infotafeln im Gebiet und auf einem Faltblatt abgedruckt ist, sind die Wege gekennzeichnet, die begangen und keinesfalls verlassen werden dürfen, weder von Mensch noch von Hund, der ohnehin angeleint sein sollte. Spaziergänger und Wanderer, die keinen Blick auf Informationstafeln, in die Verordnung oder auf Faltblätter geworfen haben, werden von auffälligen Stop-Schildern davon abgehalten, bestimmte Wege einzuschlagen. 

Hiesige Landwirte und Jäger zeigen bereits, wie Rücksichtnahme funktioniert. „Sie waren letztes Jahr bereit, aus Rücksicht auf die noch nicht flüggen Jungvögel ihre Mahd später durchzuführen. Jagdpächter passen ihre Jagdausübung auf die Notwendigkeiten der Jungvögel an, um Störungen zu vermeiden“, sagt Steger. Das Resultat dieser Anpassungen: Ein Jungvogel wurde flügge. Eine erfreuliche Tatsache, aber auch eine traurige Zahl: „Leider ist mit einem einzigen Jungvogel pro Jahr der Fortbestand nicht gesichert“, betont Steger. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Der Projektentwickler Küblböck erntet nichts als Lob für seine Edeka-Pläne
Der Projektentwickler Küblböck erntet nichts als Lob für seine Edeka-Pläne
Keine Aussicht auf Erfolg: Petition gegen Abriss des Verstärkeramtes zurückgezogen
Keine Aussicht auf Erfolg: Petition gegen Abriss des Verstärkeramtes zurückgezogen
Wangenknochen und Jochbein gebrochen: Unbekannter schlägt Penzberger ins Gesicht
Wangenknochen und Jochbein gebrochen: Unbekannter schlägt Penzberger ins Gesicht
Mann verliert auf der A95 bei Tempo 180 die Kontrolle über sein Fahrzeug
Mann verliert auf der A95 bei Tempo 180 die Kontrolle über sein Fahrzeug

Kommentare