Wie in Einsiedl

Wohnmobile sorgen für Chaos am Kirnbergsee: Stadt will verstärkt kontrollieren

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Alles zugeparkt: Viel mehr Wohnmobile als zugelassen blockieren den Parkplatz am Kirnbergsee, mit Strafzetteln will die Stadt hier nun für Ordnung sorgen.

Penzberg – Helga Spitzhüttl-Schäfer engagiert sich sehr für Tiere, auch für solche, die nicht aufs Wort folgen. Alleine deshalb kann man guten Gewissens behaupten, dass sie eine geduldige Frau ist. Doch am vergangenen Wochenende war es um ihren Langmut geschehen: Was sie auf dem Parkplatz am Kirnbergsee sah, trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht: Insgesamt 16 Wohnmobile, obwohl dort eigentlich nur acht stehen dürfen, haben alles zugeparkt. In einem Schreiben an Bürgermeister Stefan Korpan machte Spitzhüttl-Schäfer ihrem Unmut Luft. Jetzt, so kündigt Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann an, werde man entsprechende Schilder aufstellen und vermehrt kontrollieren.

Während der Pfingstferien sprach die halbe Welt vom unvorstellbaren Verkehrschaos am Walchensee. „Verhältnisse wie dort haben wir auch“, sagt Spitzhüttl-Schäfer. Und nicht nur sie: Peter Holzmann bestätigt, dass sich eine ganze Reihe von Penz­bergern über die Zustände am Kirnbergsee im Rathaus beklagt hätten. Spitzhüttl-Schäfer jedenfalls hat vergangenes Wochenende 16 Wohnmobile auf dem Parkplatz gezählt – doppelt so viele, wie dort erlaubt sind. „Bereits um 10 Uhr war kein Parkplatz mehr frei“, beklagt sie und fragt: „Wo sollen denn die Einheimischen hier noch parken?“ Dabei hatte man im Rathaus gedacht, dass eigentlich alles ganz klar geregelt sei: acht ausgewiesene Stellplätze für Wohnmobile, die gebührenfrei für maximal 48 Stunden genutzt werden dürfen. Mit dieser Regelung wollte der Stadtrat zumindest einen kleinen Anreiz schaffen, um den in Penzberg ohnehin bescheidenen Tourismus etwas anzukurbeln. 

Was man nicht bedacht hat, ist, wie frech manche Wohnmobilkapitäne diesen Freiraum ausnutzen. Dass die mächtigen Fahrzeuge oft so abgestellt werden, dass sie bis zu drei Parkplätze benötigen, um auch Tische und Stühle ganz bequem aufstellen zu können, ist für Helga Spitzhüttl-Schäfer nur das geringste Übel. Viel Schlimmer sei das: „Nachdem die Toiletten am Kirnbergsee nur tagsüber geöffnet sind, haben wir mit anderen Penzbergern miterlebt, wie im See die Körperpflege mit Seife und Shampoo betrieben wird. Die Waschbecken in den Toiletten werden zum Reinigen des Geschirrs benutzt. Und da keine Entsorgungsmöglichkeit für die Chemietoiletten der Wohnmobile vorhanden ist, werden die Baumreihe und der See nach der Schließung der Toiletten zur Notdurft verwendet.“ Verschärft werde die Situation am Kirnbergsee noch dadurch, so Spitzhüttl-Schäfer, dass der Parkplatz ganz offenbar auch zum dauerhaften Abstellen missbraucht werde. „Ein Wohnwagen ohne Kennzeichen sowie je ein Wohnmobil und ein Anhänger mit Tölzer Kennzeichen stehen dort schon seit vielen Tagen“, hat sie beobachtet. 

Im Rathaus hat man auf diese Kritik zumindest in Teilbereichen umgehend reagiert. „Wir werden dort jetzt Schilder anbringen, die darauf hinweisen, dass Wohnmobile nur auf den für sie ausgewiesenen Flächen für maximal 48 Stunden abgestellt werden dürfen. Andernfalls droht ein Bußgeld“, kündigt Ordnungsamtsleiter Holzmann an. Er rechnet damit, dass die Schilder bereits in der kommenden Woche angebracht werden können. Und man werde die Kontrollen am Kirnbergsee durch die kommunale Verkehrsüberwachung und die Polizei verstärken. „Das ist die einzige Lösung, die wir im Augenblick parat haben“, räumt Holzmann ein. Auch er verweist auf die Walchenseeregion und den Landkreis Garmisch-Partenkirchen, wo sich die Situation mit Wildparkern ebenso darstellt, seit im Zuge der Corona-Pandemie die Menschen ihren Urlaub verstärkt innerhalb der Grenzen verbringen. 

Dass die Schilder und die verstärkten Kontrollen etwas bewirken, wird von Helga Spitzhüttl-Schäfer allerdings stark bezweifelt: „Ein Strafzettel über 15 Euro ist doch fiel günstiger als ein gebührenpflichtiger Wohnmobilstellplatz etwa auf einem Campingplatz“, stellt sie fest. Diese Argumentation kennt man auch vom Walchensee, wo man der Problematik schon seit längerem hilflos gegenübersteht. la

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