Bebauung an der Bahnlinie: Gemeinderat Benediktbeuern hält an den Plänen fest

Keine Chance für Einwände

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Im schwarz umrandeten Baugebiet „Westlich der Bahn“ sollen zehn Doppelhaushälften und drei Reihenhäuser (auf grün markierter Fläche) entstehen. Benachbarte Hauseigentümer befürchten nun massive Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität.

Benediktbeuern – Die Wände ziehen sich sechs Meter nach oben. Sie rücken nah an die benachbarten Häuser. Die Sonne scheint, einige Vorgärten versinken im Schatten, geworfen von besagten Wänden: Anwohner „Westlich der Bahn“ fürchten mit Blick auf die geplanten Neubauten um ihre Lebensqualität.

Als „Filetgrundstück“ wird es wohl niemand bezeichnen, das direkt an der Bahnlinie gelegene Baugebiet „Westlich der Bahn“. Um dennoch dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, folgen Gemeinderat und Bürgermeister des Klosterdorfs allen behördlichen Vorgaben, was die Sanierung des Grundstücks und die Bauausführung der geplanten Gebäude angeht. Lag bislang der Fokus in Sachen Wohnqualität ausschließlich auf den zukünftigen Bewohnern der Neubauten, meldeten sich nun erstmals Nachbarn, die eine massive Beeinträchtigung ihrer eigenen Lebensqualität befürchten. 

Erschütterung, Lärm und Schadstoffe im Boden – was das Gelände neben der Bahnlinie betrifft, war die Abwägung der öffentlichen Stellungnahmen für die Gemeinderäte von Anfang an kein Zuckerschlecken. So herausfordernd die Probleme auch sind, als unlösbar werden sie weder vom Kommunalparlament noch von den zuständigen Behörden angesehen. Die Planung wurde mittlerweile entsprechend verändert und setzt nun ergänzende Regelungen zum Schallschutz sowie zur Entsorgung von gesundheitsschädlichem Aushubmaterial fest. Durch eine entsprechende Bauausführung und geschickte Grundrissorientierung ist sowohl die Problematik der Erschütterung als auch jene der Lärm­emission in den Griff zu kriegen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls ein entsprechendes Gutachten, dessen vorgeschlagene Maßnahmen sich der Gemeinderat bereits nach der ersten Auslegung zu eigen machte. 

Auch eine Lösung für das schadstoffhaltige Erdreich, welches aus Auffüllungen mit Gleisschotter und Schlackenresten resultiert, ist in Sicht: Der unter anderem mit PAK und Glyphosat belastete Oberboden soll bis zu einer Tiefe von 35 Zentimetern, bei Nutzgärten bis 60 Zentimetern, ausgetauscht und anschließend analysiert werden. Da die ursprünglich vorgesehenen Container für die zu erwartenden großen Aushubmengen nicht ausreichen werden, sollen stattdessen Haufwerke bis 300 Quadratmeter gelegt und mit Folien gegen Witterungseinflüsse geschützt werden. 

Zurücklehnen konnten sich die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung dennoch nicht. Denn nach erneuter öffentlicher Auslegung vor Jahresende äußerten sich erstmals mehrere betroffene Bürger und konfrontierten das Gremium mit Einwänden bezüglich der Größe und Lage der geplanten Neubauten. Die erlaubte Wandhöhe, die mit 6,40 Metern die bestehende Wohnbebauung um fast zwei Meter überrage, würde ebenso wie der geringe Abstand zu einer „bedrückenden Nähe“, einem „Gefühl der Enge“ und zu „unzumutbaren Belästigungen und Störungen wie unerwünschte Einblicknahmen in das Privatleben“ führen, hieß es etwa. Ferner wurde moniert, dass die hohen Häuser zwangsläufig zur Beschattung der östlich gelegenen Vorgärten der bestehenden Gebäude führen und die zusätzliche Bodenversiegelung eine offenbar jetzt schon problematische Regenwasserversickerung noch schwieriger machen würde. Allen Stellungnahmen gemeinsam war die Forderung nach einer deutlichen Reduzierung der Wandhöhe und Vergrößerung des Abstandes. Während die einen die Gemeinde um Rücksichtnahme baten, gaben sich andere kämpferisch und kündigten an, „die Klotzbebauung in keinem Fall hinzunehmen“. 

Rudi Mühlhans (FBM) zeigte zwar durchaus Verständnis für die Bedenken, erinnerte aber zugleich daran, dass die Betroffenen vor einiger Zeit selbst gebaut haben und deren Nachbarn ebenfalls neuen Wohnraum hinnehmen mussten. Aussicht auf Erfolg werden die Einwände ohnehin kaum haben, denn bei den Baugrenzen wurden die Abstandsflächen gemäß der Bayerischen Bauordnung eingehalten. Darauf wies der Gemeinderat in seiner Stellungnahme ebenso hin wie darauf, dass die maximal zulässige Wandhöhe „für allgemeine Wohngebiete üblich“ sei und zudem die Wirkung der Gebäudehöhe auf die Umgebungsbebauung durch die Bodenabtragung reduziert werde. Abschließend beschloss das Gremium einstimmig den Bebauungsplan, und Bürgermeister Hans Kiefersauer wies darauf hin, das mit dem Bauträger ein Vorkaufrecht für Einheimische vereinbart sei. cw

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