Kopfüber im Abfalleimer

„Wunderwelt Bernried“: Buchheim Museum und Gemeinde wollen zusammenwachsen

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Freuen sich über die gelungene Zusammenarbeit: Museumsdirektor Daniel Schreiber, Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger, Ethelbert Babl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Elisabeth Gutmann von der Lokalen Leader-Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel (von links).

Bernried – Wenn schon bald menschliche Skulpturen ihre Köpfe in Müllbehältnisse stecken, Treppen kein Ende nehmen oder Bänke zugleich Rutschen sind, dann hat Daniel Schreiber, der Direktor des Buchheim Museums, genau das erreicht, was er wollte: Überraschungen am Wegesrand.

Wirklich einladend ist der Weg zwischen dem Museum und der Schiffsanlegestelle nicht. Hie und da ziemlich abschüssig, hie und da sammelt sich Wasser und entsteht Matsch, hie und da ist die Wegführung alles andere als logisch. „Die Wegstrecke macht uns schon lange Schwierigkeiten“, meint Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger und blickt auf Fotos, welche an die Wand projiziert werden. Hinter ihm scheint die Sonne durch die Glasfronten ins Erdgeschoß des Museums. Steigenberger lächelt, denn schon bald bekommt der Weg ein neues Gesicht: er wird für viel Geld instandgesetzt, unter anderem mit Drainageleitungen, die das Wasser ableiten und den „Baatz“, so der Rathauschef, verabschieden sollen. Doch nicht allein die Instandsetzung ist der Grund für das Lächeln im Gesicht des Bürgermeisters, auch das, was sich zu dem Weg gesellen soll: Kunst. In welcher Form, das ist noch völlig offen. Eine „Wunderwelt Bernried“ soll geschaffen werden, so auch der Name des Unterfangens, indem fußläufige Strecken in der Gemeinde nicht allein infrastrukturell, sondern auch optisch optimiert werden. 

Und als erster Weg darf sich die Verbindung zwischen Anleger und Museum über eine solche Optimierung freuen. Mit einem klaren Ziel: Mit jedem Schritt auf dem Kies soll der Hunger auf Kunst größer werden. Der Weg soll von „künstlerischen Attraktionen geleitet werden“, sagt Daniel Schreiber und lässt erste Ideen auf die Wand projizieren. Ein Bild zeigt einen Menschen, der kopfüber in einem Abfalleimer steckt, eine „One Minute Sculpture“ des Künstlers Erwin Wurm, die im Falle Bernrieds länger als eine Minute und in Stein oder einem anderen Material gemeißelt am Wegesrand einen Platz finden könnte. Schreiber zeigt weitere Bilder, Schaukeln, die wie Musikinstrumente bespielt werden können, eine Treppe, deren Anfang zugleich das Ende ist, und eine Bank, deren Sitzfläche sich auch hervorragend als Rutschfläche eignet. Welche Kunst nun aber nach Bernried kommt, soll in einem Ideenwettbewerb geklärt werden. Insgesamt 16 Künstler, „von denen acht aus Bayern kommen sollen“, so Schreiber, werden dazu eingeladen. Eine Jury, in der unter anderem Vertreter der Gemeinde, des Landratsamtes, des Tourismusverbandes und ein Kunstkritiker sitzen, entscheidet schließlich, welcher Entwurf der beste ist oder auch welche Entwürfe die besten sind. Denn auch die Anzahl der Objekte steht noch nicht fest. Doch ein einzelnes Objekt, das allein auf weiter Flur steht, soll es auf keinen Fall werden, schließlich soll die Kunst „wegbegleitend und spielerisch aktiv“ sein, sagt Schreiber, der sich durchaus vorstellen kann, dass sich ein längliches Kunstwerk am Weg entlangschlängelt oder mehrere hohe Objekte, die von jeder Stelle des Weges aus sichtbar sind, Neugier auf das Museum wecken. 

Der Wettbewerb ist jedoch ein Procedere, das eine Menge Geld kostet, rund 20.000 Euro. Die Gesamtsumme beläuft sich auf 200.000 Euro. Davon werden rund 84.000 Euro aus Leader-Mitteln der EU und des Freistaats Bayern bereitgestellt, die Ethelbert Babl, Leader-Koordinator beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten, sowie Elisabeth Gutmann von der Lokalen Leader-Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwinkel Steigenberger und Schreiber nun symbolisch überreichten. Einen nicht unerheblichen Teil, rund 60.000 Euro, übernimmt die Gemeinde, gut 40.000 Euro das Museum. Beachtliche Summen, mit denen Fußgängern Steine in beziehungsweise an den Weg gelegt werden, über welche sie, rein optisch versteht sich, stolpern sollen. Kunst, die Aufmerksamkeit fordert, zum Nachdenken anregt und amüsiert. ra

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