Akuter Handlungsbedarf

ZUK-Bildungsprogramm widmet sich schwerpunktmäßig der Artenvielfalt

+
Putzige Handpuppen verweisen auf die Schwerpunkte: Die Bildungsreferenten Martin Malkmus, Doris Linke, Andrew Blackwell und Martin Blösl (von links) stellen das neue ZUK-Programm vor.

Benediktbeuern – Vom Anfang bis zum Ende der Nahrungskette, von der Gegenwart bis zur Zukunft: Das Zentrum für Umwelt und Kultur setzt in seinem neuen Bildungsprogramm einen klaren Fokus auf den Erhalt der Artenvielfalt, mit Ausflügen zu Fledermäusen, ökologischen Battles und Insektenhotels.

Dass das ZUK mit seinen Angeboten den Nerv der Zeit trifft, können die Verantwortlichen an den stetig steigenden Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre ablesen, die inzwischen bei über 17.000 Kindern und Jugendlichen sowie 8.000 Erwachsenen liegen. Das neue Bildungsprogramm greift unter dem Titel „Vielfalt hat Vorfahrt“ erneut einen aktuellen Themenbereich auf und bietet über 80 offene Veranstaltungen rund um Natur und Kultur, nachhaltige Lebensstile sowie praktische Schöpfungsverantwortung. 

Den Schwerpunkt des neuen Programms legten die ZUK-Bildungsreferenten bereits vor Bekanntwerden des Volksbegehrens zur Artenvielfalt fest, das im Nachhinein freilich zeigt, dass sie damit goldrichtig lagen, was auch der Zuschuss durch das bayerische Umweltministerium für alle Module, in denen es um Artenvielfalt geht, bestätigt. „Wir sehen akuten Handlungsbedarf, denn die biologische Vielfalt ist existenziell für das menschliche Überleben“, stellt Martin Malkmus fest, bevor er die wissenschaftlichen Zahlen zitiert, nach denen 70 Prozent der Biomasse der Insekten und rund 12 Millionen Vogelbrutpaare bereits verschwunden sind. 

Mit vielfältigen Angeboten will das ZUK die Menschen in der Region erreichen und sie dafür sensibilisieren, was sie selbst für den Erhalt der Artenvielfalt tun können. Dabei geht es nicht nur um Insekten, jedoch haben diese eine Schlüsselfunktion in der biologischen Vielfalt, etwa als Nahrung für andere Tiere. „Bei der beliebten Fledermausexkursion merkt man sofort, dass die Fledermäuse von Insekten abhängig sind“, erklärt Martin Blösl. In verschiedenen Formaten wird dabei Wert gelegt auf einen kooperativen Naturschutz, der gemeinsam mit der Landwirtschaft gestaltet wird. „Jeder kann etwas tun für Bienen“, betont Malkmus, „nicht nur die Landwirte.“ Auch Kleingärten und Schulgärten können bienenfreundlich bewirtschaftet werden, wie man im Workshop „Wir tun was für Wildbienen“ am 27. März oder bei der Fachtagung „Gärten – Quellen der Vielfalt“ Mitte Mai lernen kann. 

Um nachhaltige Lebensstile geht es auf kurzweilige Weise in der neuen Seminarreihe „Enkeltauglich leben“. In einer Art „Battle“ erspielen die Gruppenteilnehmer Punkte, in dem sie sich von Termin zu Termin jeweils einer Herausforderung stellen und beispielsweise sechs Wochen auf ihr Auto verzichten. Auch die vor drei Jahren entwickelten Live-Krimis gibt es wieder: Auf dem Klostergelände gibt es einen Fall aufzudecken, in dem ZUK-Mitarbeiter verschiedene Rollen spielen. Während die meist jungen Teilnehmer einen Kriminalfall lösen, lernen sie gleichzeitig etwas über die Herstellungsbedingungen von Smartphones und negative Auswirkungen, wenn zum Beispiel Kleinbauern durch „Land Grabbing“ ihre Anbauflächen verlieren. 

Beliebt bei Kindern und Jugendlichen sind auch die Ferienprogramme, so die Freizeit „Unterwegs mit Raumschiff Erde“, die schon ins dritte Jahr geht. Unter Leitung von Andrew Blackwell werden Sieben- bis Dreizehnjährige in der zweiten Augustwoche wieder fünf Tage vollbetreut. Mit einem gemeinsamen Frühstück wird in den Tag gestartet, an dem sich alles um Vielfalt, Biodiversität und Insekten dreht und zu dem auch ein gemeinsam gekochtes Mittagessen sowie ein Nachmittagssnack gehört. Schon vor den Sommerferien, in der letzten Juliwoche, können sich Schüler zu einem Klima-Camp anmelden, sie müssen dafür allerdings vom Unterricht befreit werden. Die von der Jugendbildungsstätte Königsdorf organisierte Veranstaltung widmet sich dem Zusammenhang zwischen Lebensstil, Klimawandel und Umweltschutz. Für ganze Schulklassen gibt es wieder geschlossene Angebote, etwa die Energiewerkstatt für Grundschüler und die Klimawerkstatt für Unter- und Mittelstufenschüler, die dort sogar Solarthermieanlagen im Kleinen nachbauen. 

Ein neues Format entwickelt derzeit Doris Link mit „Quo vadis Biene, Schmetterling und Heuschrecke?“, in dem Kinder spielerisch entdecken, was sie selbst für den Artenschutz tun können, etwa Insektenhotels bauen oder im heimischen Garten etwas Wildnis stehen lassen. 

Die praktizierte Schöpfungsverantwortung liegt Martin Blösl am Herzen, ist sie doch seit über 30 Jahren ein zentrales Anliegen des ZUK. In Veranstaltungen mit spirituellem und religiösem Bezug geht es um die Bewahrung der Schöpfung, etwa Ende März im Seminar „Bodenlos“, Mitte Mai beim Vortrag „Kirche braucht keinen Schöpfungs-Einsatz – oder doch?“ oder bei den Pilgerangeboten, die Blösl selbst begleitet. 

Neben der biologischen steht auch die kulturelle Vielfalt nach wie vor im Fokus. So kochen Asylbewerber erneut im meist ausgebuchten „Restaurant International“ für Einheimische verschiedene Spezialitäten aus ihren Heimatländern, wofür ein Termin im Herbst noch festgelegt wird. Am 6. Juni wird es zudem eine zweite Auflage des im letzten Jahr so erfolgreich gestarteten Festivals „Bene Culture“ geben, bei dem Groß und Klein an Aktionsständen und Bühnen lokale Bands sowie kulturelle und biologische Vielfalt erleben können. Natürlich finden sich auch so beliebte Veranstaltungen wie die Tümpelsafari, Bienenführungen mit dem Imker, die Schwammerlsuche oder die Sensenmähkurse wieder im neuen Bildungsprogramm, das im Kloster, im ZUK sowie in den Tourist-Informationen, Sparkassen und Raiffeisen-Banken ausliegt und im Internet unter www.zuk-bb.de zu finden ist. cw

Auch interessant

Meistgelesen

Beim Starkbieranstich wird klar, dass Penzbergs Zukunft in der Vergangenheit liegt
Beim Starkbieranstich wird klar, dass Penzbergs Zukunft in der Vergangenheit liegt
Erinnerungen an Benediktbeuerns verstorbenen Hans Kiefersauer
Erinnerungen an Benediktbeuerns verstorbenen Hans Kiefersauer
Klimafrühling Oberland eröffnet: 114 Veranstaltungen bis zum 7. April
Klimafrühling Oberland eröffnet: 114 Veranstaltungen bis zum 7. April
Unbekannter überholt trotz Gegenverkehr auf Bichler Straße
Unbekannter überholt trotz Gegenverkehr auf Bichler Straße

Kommentare