Auf Messers Schneide

Zentrum für Umwelt und Kultur hält sich mit Spenden und Soforthilfen über Wasser

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Spannen schon einmal einen Rettungsschirm auf in der Hoffnung, dass das ZUK nicht vom Regen in die Traufe kommt: Konstantin Kahler, der ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, und ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger.

Benediktbeuern – Im Februar hatten die Bildungsreferenten des ZUK noch ihr neues Programm mit dem Schwerpunkt „Aktiv für morgen“ vorgestellt. Dann kam Corona und aus Aktivität wurde Stillstand. „Uns trifft es wie alle Bildungsstätten sehr hart“, stellt ZUK-Rektor Karl Geißinger fest. Alleine 18.000 Kinder und Jugendliche kommen in normalen Jahren mit ihrer Schulklasse in den Maierhof. Diese fielen in den vergangenen Wochen völlig weg, ebenso Tagungsgäste und Besucher von Open-Air-Konzerten oder Märkten. Durch Spenden und Soforthilfen kann die Zeit bis Sommer überbrückt werden, ab Herbst aber ist der Fortbestand der vor 32 Jahren gegründeten gemeinnützigen Einrichtung keineswegs sichergestellt.

„Unsere Einnahmen generieren wir größtenteils über Großveranstaltungen und Beleggruppen“, erklärt Pater Geißinger. Diese fallen nun weg, genau wie über 100 geplante Bildungsangebote. Dabei hätte das Bildungszentrum durchaus geeignete Räumlichkeiten, in denen die erforderlichen Abstands- und Hygienebestimmungen umgesetzt werden könnten. Im Allianzsaal bringe man mit Abstand locker 30 Leute unter, und draußen hätten sie sowieso kein Problem, erläutert Geißinger. „Aber die Bestimmungen von Seiten der Regierung sind noch nicht trennscharf da“, bedauert er. Für jeden Workshop und jede Kräuterwanderung brauche es detaillierte Vorgaben, wo bislang nur grobe Richtlinien existieren. Bei allem Verständnis hält Geißinger vor allem in der Jugendbildung ein klares Vorgehen für dringend notwendig. Denn neben den finanziellen Problemen beschäftige die Mitarbeiter hauptsächlich der ganzjährige Ausfall der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der es um den Klimawandel und einen umweltschonenden, nachhaltigen Lebensstil gehen sollte. 

Von den rund 30 Mitarbeitern sind bis Ende August fast alle in Kurzarbeit. „Wir lassen den Kopf nicht hängen“, meint Geißinger, „aber wir fahren auf Messers Schneide.“ In den ersten Monaten nach dem Lockdown waren die Einnahmen gleich Null, denn Zuschüsse von staatlichen und kirchlichen Stellen fließen nur zweckgebunden für konkrete Projekte. „Über diese Zeit haben uns private Spenden des ZUK-Fördervereins unter dem Vorsitz des ehemaligen Umweltministers Marcel Huber gerettet“, erzählt der Pater dankbar. Später habe man 15.000 Euro Corona-Soforthilfe erhalten. „Wir halten bis Juli gut durch, vielleicht auch bis Mitte August“, hat der Rektor ausgerechnet. Spätestens im Herbst aber „schauen wir in ein großes Loch“, sagt er. Auch wenn er hoffe, dass der Bildungsbetrieb im Sommer wieder anlaufen könne, seien die Herbst- und Wintermonate nicht abgesichert. „Im Winter haben wir ganz wenige Belegungen, aber die höchsten laufenden Kosten“, weiß Geißinger. Man habe noch keine Idee, wie man diese Zeit überwinden könne. „Wir hoffen da auf neue Möglichkeiten, die wir noch gar nicht sehen“, meint er zuversichtlich. 

Für den Sommer haben die Umweltpädagogen bereits neue Konzepte ausgearbeitet. „Wenn die Schulen nicht zu uns kommen, gehen wir eben in die Schulen“, erläutert Geißinger. Ab Juni biete man daher Schulen in der Region Unterstützung in naturwissenschaftlichen Fächern an. Der im Lehrplan vorgesehene Unterrichtsstoff wurde dazu erlebnispädagogisch aufgearbeitet und soll sich über die reine Wissensvermittlung hinaus auf den Lebensalltag beziehen. „Damit entlasten wir die Schulen und setzen Kapazitäten bei Lehrkräften frei“, wirbt er. Derzeit arbeiten Kloster, Aktionszentrum, ZUK und Jugendherberge zusammen mit der Gästeinformation der Gemeinde an neuen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen. Gemeinsam will man Familien, Jugendlichen und Senioren „Erlebnisaufenthalte bieten und die Augen öffnen für die Schönheit der Natur“, erläutert Geißinger. Neben einheimischen Interessierten hofft er nun auf viele Feriengäste aus ganz Deutschland, die in ihrem Sommer­urlaub heuer „Berge, Seen und Kultur in Oberbayern statt Gardasee und Malediven“ erleben wollen. 

Für einen Hoffnungsschimmer sorgen derweil über 150 ehemalige ZUKler, die einst im Maierhof ihren Zivildienst, ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr oder ihren Bundesfreiwilligendienst ableisteten. Sie sind ihrer ehemaligen Wirkungsstätte weiterhin eng verbunden und haben auf einer Internetplattform eine Spendensammlung ins Leben gerufen. „Ich setze sehr auf die Spendenaktion der jungen Leute und das Echo in sozialen Medien“, gibt Geißinger zu, denn jede Spende trage dazu bei, „dass das Geld uns im Winter nicht ausgeht.“ Wer dem ZUK beim Überlebenskampf helfen möchte, kann dies unter www.zuk-tagen-und-wohnen.de/spende tun. cw

In dieser Woche meldet sich das ZUK nun mit einem umfangreichen Ferienprogramm zurück, dessen Veranstaltungen zum Großteil kostenlos sind. Weitere Informationen dazu gibt es auf der ZUK-Homepage unter www.zuk-bb.de.

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