Leprastation auf der Berghalde

Beim Zipfelbob-Benefizwettstreit wagen sich nur zwei an Andreas Vetter heran

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Wenigstens sie hatten ihren Spaß: Wolfgang Sacher (orangefarbener Helm), Andreas Vetter (weißes Trikot) und Markus Braun.

Penzberg – Nach der Burgerstunde nun eine Benefizaktion: SPD-Bürgermeisterkandidat-Kandidat Andreas Vetter wollte für einen guten Zweck bekannte Gesichter aus dem Stadtrat, der Stadtverwaltung und den Stadtwerken die Berghalde herunterrutschen lassen. Doch kaum jemand setzte sich auf den Zipfelbob.

Genauso gut hätte sich ein Leprakranker auf die Berghalde stellen und fragen können, wer mit ihm für einen guten Zweck gerne ein wenig rodeln möchte. Andreas Vetter leidet aber nicht an einer ansteckenden Krankheit, er möchte bloß Bürgermeisterkandidat der SPD werden. Offenbar Grund genug, in ihm einen Aussätzigen zu sehen, dem man bloß nicht zu nahe kommen sollte. Als Vetter nun das Zipfelbobrennen nutzte, um zu einem Benefiz-Wettstreit den gesamten Stadtrat, Rathauschefin Elke Zehetner, die vier Hauptabteilungsleiter der Stadtverwaltung sowie Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer herauszufordern, erging es ihm wie einst Albert Schweitzer in Lambarene: Kaum einer suchte seine Nähe. 

Was war das doch für ein Hype, als Gott und die Welt sich bei der Coldwater-Grill-Challenge im vergangenen Jahr in die Fluten stürzten und nebenbei einen Halsgrat auf den Rost warfen, auch das für einen guten Zweck. Halb Penzberg grillte, das Rathaus war mit dabei, und im Stadtrat nutzte man diese willkommene Gelegenheit gerne, um sich, garniert von hübschen Bildern, zu profilieren. Das war jetzt anders: So gut konnte der gute Zweck gar nicht sein, für den Vetter den Einsatz – 100 Euro pro Mann und Nase wegen des 100-jährigen Stadtjubiläums – spenden wollte: Nur zwei wagten sich heran an den Kandidaten aus der Leprastation der örtlichen Sozialdemokratie: Wolfgang Sacher und Markus Braun (er vertrat Stadtrat Manfred Reitmeier) von der BfP. Statt der möglichen 3.100 Euro kamen auf diese sparsame Weise nur 300 Euro an Startgeld zusammen. 

Lag es vielleicht an dem etwas komplizierten Modus, den sich Vetter für die Verteilung der Spenden ausgedacht hatte? Ein Drittel sollte fix der Jugendarbeit der DJK Penzberg zukommen, als dessen Vorsitzender der SPD-Bürgermeisterkandidaten-Kandidat einst fungierte. Ein weiteres Drittel sollte der Sieger nach Gutdünken vergeben dürfen, und das letzte Drittel sollten sich der Zweit- und Drittplatzierte für ihre Ziele aufteilen. Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass daran das Desinteresse nicht gelegen haben kann. Vielmehr war es doch wohl so, dass keiner (außer Sacher und Braun) Vetter eine Bühne geben wollte, um sich zu profilieren. Wahlkampf auf der Berghalde mit einem Ende, das eines gezeigt hat: Wohltätigkeit hört in Penzbergs Kommunalpolitik da auf, wo man Profit für einen möglichen Gegner wittert. Die im Stadtrat immer wieder postulierte Solidarität? Nichts als Geschwafel. Was hätten sich die Vertreter von CSU, Grünen und FLP vergeben, die Berghalde herunter zu rutschen? Nichts. Sie wollen eh einen anderen Rathauschef. Und die Solidaritätsweltmeister von der SPD? Taten so, als sei Vetter, immerhin Mitglied im hiesigen Ortsverein, zu lange in Lambarene gewesen. Lepra? Man weiß ja nie. 

Vetter jedenfalls wollte sich davon nicht beeindrucken lassen: „Nächstes Jahr werden es mehr Teilnehmer“, sagte er. Wolfgang Sacher zeigte sich weniger euphorisch: „Wenigstens hätten die Stadtratskollegen das Startgeld entrichten können, es geht doch schließlich um die gute Sache“, grummelte er. 

Vetter hatte bis zuletzt auf mehr Starter gehofft, zumal sich „nur sieben Stadträte aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet hatten“. Dieser Traum aber zerstob: Sport verbindet, zumal in Zeiten des Wahlkampfes, doch nicht so sehr. Bürgermeisterin Elke Zehetner hatte – zuvor beim DJK-Zipfelbobrennen – ihren Mann sowie ihre Tochter an den Start geschickt. „Ich selbst fahre ja Schlitten, Zipfelbobfahren aber ist wieder etwas ganz anderes“, flötete sie ins Mikrophon. Vom Stadtrat war übrigens keiner da im Zielraum, wenn man mal von Manfred Reitmeier (BfP) und Christine Geiger (CSU) absieht. 

Sacher, Vetter und Braun hatten jedenfalls viel Spaß bei ihren drei Durchgängen im Parallel-Vergleich. Am Ende hatte Sacher gewonnen, sein Preisgeld stiftet er nun der Selbsthilfegruppe „Spaßvögel“ für Menschen mit und ohne Behinderung. Der zweitplatzierte Markus Braun will seinen Anteil über die BfP-Facebookseite verlosen, und Vetter verdoppelte seinen 100-Euro-Einsatz für die DJK-Jugend. arr/la

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