Zirkus Montelli vorerst gerettet: Große Spendenbereitschaft und ein neuer Platz in Garmisch-Partenkirchen

Hilfe ja, aber nicht per Briefwahl

Sind dankbar für die Unterstützung: Kevin und Dominique Montelli (2. und 3. von links) mit ihren Neffen Ricardo und Jordan sowie Schwägerin Alex.

Kochel/Penzberg – Der Zirkuswelt haftet seit jeher ein besonderer Zauber an, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Die Corona-Pandemie bereitete allerdings dem Zauber ein jähes Ende, weshalb nun zahlreiche Zirkusse in Notlage geraten. So auch ein kleiner Familienzirkus, der in Kochel strandete, was eine Welle von Hilfsbereitschaft auslöste. Ein recht pragmatischer Hilfeaufruf kursiert derzeit in Penzberg, wo Wahlberechtigte als Spende einen Euro in den Briefwahlumschlag stecken sollen. Die milde Gabe mag zwar die Not der Zirkusfamilie lindern, nicht aber jene, ein neues Stadtoberhaupt zu bestimmen. Denn die Beigabe macht den Wahlbrief und damit die abgegebene Stimme ungültig, wie das Rathaus erklärt.

Penzbergs amtierende Bürgermeisterin ist ja so manchen Zirkus gewohnt, sei es im Stadtrat, im Rathaus oder im Wahlkampf. Am Sonntag wird die Stichwahl das Duell um das oberste Amt der Stadt nun entscheiden. Und ausgerechnet jetzt bekommt Elke Zehetner es mit einem leibhaftigen Zirkus zu tun. Dieser gastierte zwar noch nie in Penzberg, rührt aber mit seiner Notlage die Herzen der Bürger. Wegen der Corona-Bestimmungen darf der Circus Montelli nämlich nicht mehr auftreten und strandete auf der Wiese eines Landwirts in Kochel. Dort konnte er nicht bleiben, die Gemeinde fand auf die Schnelle keine alternative Fläche, und auch die nachfolgenden Stationen Obersöchering und Ohlstadt erteilten eine Absage. Ein Zeitungsbericht über die Notlage des kleinen Familienzirkus‘ löste inzwischen immerhin die Suche nach einem Standplatz. Am vergangenen Mittwoch zogen die Montellis mit ihrer siebenköpfigen Familie und rund 20 Tieren auf den Parkplatz der Garmischer Hausbergbahn, was Tessy Lödermann, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und deren guten Kontakten zur dortigen Bürgermeisterin zu verdanken ist. Mit Platz, Wasser und Strom ist die Zirkusfamilie nun versorgt. Was bleibt, ist die finanzielle Not, denn die Kosten laufen trotz fehlender Einnahmen weiter. Alleine bei den Versicherungen komme einiges zusammen, erklärt Zirkuschefin Dominique Montelli. „Der Platzwechsel hat uns eine Riesensorge genommen“, sagt die 34-Jährige. Dankbar ist die Familie auch über hilfsbereite Menschen, die in den letzten Tagen Tierfutter, Lebensmittel oder Spenden vorbeigebracht haben. „Wir bedanken uns riesig bei der Bevölkerung, die uns so toll unterstützt hat“, sagt die Zirkusartistin. Hilfe kam zum Teil aus Kochel, wo Altbürgermeister Werner Englert der Familie eine private Spende überreichte, eine Bürgerin eine Online-Spendenaktion initiierte und ein Pessenbacher Landwirt regelmäßig den 800-Liter-Wassertank der Zirkusfamilie auffüllte. Aber auch Bürger aus Nachbargemeinden bewiesen Nächstenliebe, so überreichte Benediktbeuerns Bürgermeister Toni Ortlieb eine Geldspende, sein Königsdorfer Amtskollege Toni Demmel brachte zwei Ballen Heu vorbei und der Unterammergauer Hotelier Christian Zott bot der Familie einen Platz auf seiner Wiese an, bevor es grünes Licht für den befestigten Platz in Garmisch gab. Die Zirkusleute hoffen nun, die Unterstützung möge nach dem Ortswechsel nicht abreißen. Futterspenden wie Heu, Zuckerrüben, Karotten und Kraftfutter holt Kevin Montelli gerne vor Ort ab, und auch Geldspenden helfen der Familie in ihrer Not. Statt Münzen in Briefwahlumschläge zu stecken, sollte man aber besser an der Hausbergbahn vorbeischauen oder Kevin Montelli unter Tel: 0174/4016643 anrufen.    cw

Auch interessant

Meistgelesen

FDP spricht sich in der Stichwahl für CSU-Mann Stefan Korpan aus und appelliert an die Grünen
FDP spricht sich in der Stichwahl für CSU-Mann Stefan Korpan aus und appelliert an die Grünen
Trachtenstube Inge fertigt Atemschutzmasken für das Klinikum Penzberg
Trachtenstube Inge fertigt Atemschutzmasken für das Klinikum Penzberg
Corona-Krise: Plötzlich werden nicht nur die Regale leer, sondern auch die Straße
Corona-Krise: Plötzlich werden nicht nur die Regale leer, sondern auch die Straße
Stefan Korpan: Mut schöpfen in Zeiten der Krise
Stefan Korpan: Mut schöpfen in Zeiten der Krise

Kommentare