Über früher, heute und morgen

Mühlhans beginnt Wahlkampf mit einem Abend, der Historie mit dem Jetzt verknüpft

+
Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Rudi Mühlhans (links) stellte fest: „Viele der heute akuten Themen haben die Menschen früher schon beschäftigt.“

Benediktbeuern – Der Bürgermeisterwahlkampf in Benediktbeuern ist in vollem Gange. Hanns-Frank Seller und Toni Ortlieb haben die heiße Phase schon eingeläutet. Nun zog Rudi Mühlhans von der Freien Bürgerliste Miteinander (FBM) mit dem Heimatabend „Zukunft Heimat – gestern, heute, morgen“ nach.

Die Idee, die sich hinter dem Heimatabend verbarg, war, Historisches aus Benediktbeuern mit der kommunalpolitischen Gegenwart zu verknüpfen. Etwa 50 Benediktbeurer waren in den Gasthof Herzogstand gekommen, um Geschichten aus drei Jahrhunderten, die Hobbyhistorikerin Maria Eckl zusammengetragen und zu Papier gebracht hatte, auf sich wirken zu lassen. Dabei war das Zuhören ein besonderer Genuss, denn die Texte wurden von Peter Weiß, Schauspieler und Sprecher beim Bayerischen Rundfunk, vorgetragen. Weiß, der seine Kindheit und Jugend in Benediktbeuern verbracht hatte, gelang es, die alten Geschichten lebendig werden zu lassen und mit Episoden aus seinem eigenen Erleben zu bereichern. Umrahmt wurden die Texte virtuos von Martin Regnat auf seiner Steirischen Harmonika. 

Der Rückblick in die Historie Benediktbeuerns brachte drei heute wieder hochaktuelle Themen zum Vorschein: die Wohnungsnot, das Gewerbe und die Arbeitsplätze im Ort sowie die besondere Stellung des Klosters. Der Ortsteil Gschwendt etwa war im 17. Jahrhundert entstanden, als wegen der großen Wohnungsnot auf Geheiß von Abt Eliland Öttl dort zehn „Gütl“ gebaut wurden, quasi Benediktbeuerns erstes Einheimischenmodell. Im 19. Jahrhundert wiederum herrschte wegen der Säkularisation, in deren Zuge das Kloster als Arbeitgeber aufgelöst worden war, plötzlich große Arbeitslosigkeit. Mit dem Kauf des Klosters durch den Münchner Fabrikanten Joseph von Utzschneider entstanden neue Wirtschaftsbetriebe mit einem großen Bedarf an Arbeitskräften, die überwiegend von außerhalb angeworben werden mussten, wie etwa Glasschleifer, -schmelzer und -schneider mit ihren Familien aus Böhmen. Auch die Flüchtlingsthematik ist für das Klosterdorf nicht neu: 1946 kamen knapp 4.500 vertriebene Sudetendeutsche im Landkreis an, in Benediktbeuern hatten sich 1951 immerhin 617 Vertriebene und aus den Ostzonen zugewanderte Personen angesiedelt. Auch damals musste bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, weshalb die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lenggries die Siedlungshäuser am Angerfeldweg errichtete. 

Auf der kurzweiligen Reise in die Vergangenheit kam auch das Publikum zu Wort. So erfuhr man einiges über das Kloster und einstige Arbeitgeber wie dem Bademoden- und Bekleidungshersteller Ludwig Finz, der Anfang der 1950er Jahre viele Näherinnen und Heimarbeiterinnen in Lohn und Brot brachte, die jedoch nach der Betriebsschließung Mitte der 1970er Jahre „stempeln gehen“ mussten. Hans Klett wiederum hat als Sohn egerländischer Flüchtlinge die Integration und den Neuanfang selbst erlebt, heute gibt er als Vermieter einer Flüchtlingsfamilie ein Dach über dem Kopf. 

Anhand der Beispiele aus der Vergangenheit zeigte Rudi Mühlhans auf, dass sich aus einer Krise immer etwas Neues entwickelte und das Gemeindeleben durch Solidarität und Zusammenhalt unter den Menschen weiterging. „Wichtige kommunale Themen wiederholen sich über die Jahrhunderte immer wieder“, verdeutlichte er und begründete, wo deshalb die heutigen und künftigen Schwerpunkte in der Kommunalpolitik liegen müssten: in der Schaffung von Möglichkeiten für Arbeit und Gewerbe, im kommunalen Wohnungsbau und der Förderung verschiedenster Wohnmodelle sowie im Verkauf von gemeindlichen Flächen nur mit städtebaulichem Vertrag, in welchem Bebauung, Zeitpunkt und Zweck festgelegt sind. Auch die nach wie vor außerordentlich hohe Bedeutung des Klosters für das Wohl Benediktbeuerns betonte Mühlhans. 

Am 30. Juni wählen die Benedikt­beurer ihren neuen Bürgermeister. Als Grundsätze für seine Arbeit in diesem Amt gab Mühlhans den Besuchern dieses Heimatabends mit auf den Weg: „Benediktbeurer ist jeder, der in Benediktbeuern lebt, egal wie lang oder kurz. In jeder Krise steckt eine Chance und das einzig Beständige ist der Wandel. Ihn gilt es zu gestalten.“ cw

Auch interessant

Meistgelesen

Rund 1.600 Teilnehmer lassen sich im Dauerregen den Spaß am Festzug nicht nehmen
Rund 1.600 Teilnehmer lassen sich im Dauerregen den Spaß am Festzug nicht nehmen
Einblicke in das künftige Heimatmuseum: Großes Interesse am alten Schusterhaus
Einblicke in das künftige Heimatmuseum: Großes Interesse am alten Schusterhaus
Kurz vor dem Abriss: Ungekannte Stille im Penzberger Wellenbad
Kurz vor dem Abriss: Ungekannte Stille im Penzberger Wellenbad
„Penzberg Miteinander“: Stadtrat Markus Bocksberger gründet eigene Liste
„Penzberg Miteinander“: Stadtrat Markus Bocksberger gründet eigene Liste

Kommentare