Stadträte, Denkmalschützer und Einzelhändler diskutieren über das Penzberger Bahnhofsareal

Reine Gedankenspiele

Ein Modell zur Orientierung: Hinten diskutieren Einzelhändler Rainer Lampka, Bauträger Johann Thierer und Architekt Stefan Jocher (von links), über die mögliche Entwicklung des Areals rund um den Bahnhof.

Penzberg – Der funktionslose Bahnhof: Justus Klement hat sich schon so seine Gedanken gemacht, was mit dem Penzberger Bahnhofsareal passieren könnte. Anstehende Projekte und seine eigenen Ideen präsentierte der Stadtbaumeister nun denjenigen, die da ein Wörtchen mitreden wollen.

Alle Interessensgruppen auf denselben Wissensstand zu bringen, war das Ziel von Stadtbaumeister Justus Klement, der in einer Gesprächsrunde mit Stadträten, Mitgliedern des Denkmalvereins und Vertretern des Gewerbevereins Pro Innenstadt die laufenden Projekte rund um das Bahnhofsareal vorstellte. Doch nicht nur das: Auch seinen eigenen Ideen ließ Klement freien Lauf. Und um potenziellen Kritikern prophylaktisch den Wind aus den Segeln zu nehmen, sagte er: Bei seinen Gedankenspielereien handele es sich nicht um vom Stadtrat beschlossene Planungen, sondern um Gestaltungsmöglichkeiten aus der Sicht eines Stadtbaumeisters. 

Dass das Bahnhofsgebäude seine Funktion verloren hat, ist längstens bekannt. Am Ticketschalter wartet kein Verkäufer mehr, stattdessen hängt ein provisorisches Schild an der Scheibe: „Geschlossen“. Die Wartehalle wirkt verlassen. Doch bewahrenswert ist das fast 100 Jahre alte Gebäude für Klement dennoch. Schließlich „gehört es in die Mitte der Bahnhofssituation“ und ist „stadtbildprägend“, betonte er. „Viele Details“ seien hierbei aber noch zu besprechen, meinte der Stadtbaumeister. Klar ist jedoch, dass es bereits einen Interessenten mit einem Nutzungskonzept gibt. Doch an diesem Abend sollte sich nicht alles um das Bahnhofsgebäude drehen, sondern auch und vor allem um das Areal drumherum. 

Da wäre das Haus an der Philipp­straße 30 mit vier Mietparteien. Im Gegensatz zum Bahnhofsgebäude erscheint Klement dieser Bau weniger erhaltenswert. An der Stelle könne er sich stattdessen eine „Park­raumlösung vorstellen – um den Parkdruck“ zu reduzieren. Doch er weiß auch: „Da muss ich mich gegen den Denkmalverein wappnen.“ In der Tat meldete sich wenige Minuten später Max Kapfer vom besagten Verein zu Wort und erinnerte den Stadtbaumeister an seine Worte aus dem Jahr 2017, als Klement das Haus noch als den Bestandteil „eines besonderen Ensembles“ beschrieben und dafür plädiert hatte, „möglichst viel Bausubstanz“ zu erhalten. Deshalb habe der Verein bereits im Oktober beim Denkmalrat einen Antrag eingereicht, um das Haus vor dem Abriss zu bewahren: „Wir sind hartnäckig“, schmunzelte Kapfer. Klement wiederum entgegnete, dass die Möglichkeit mit dem Parken in keinem Bebauungsplan verankert sei. Er wolle lediglich die Sache aus seiner Sicht darstellen. Und dass der Denkmalverein bei den künftigen Planungen miteinbezogen werde, stehe für ihn darüber hinaus „außer Frage“. 

Kapfers Vereinskollegin Barbara Kaulbarsch hatte dagegen Bedenken bezüglich eines anderen Projekts: das Grundstück gegenüber dem Busbahnhof, das der Günzburger Bauträger Johann Thierer entwickeln möchte. „Ein Projekt, das uns sehr groß erscheint“, so Kaulbarsch. In unmittelbarer Umgebung stehen nämlich Gebäude aus den 1920er Jahren, die nicht beeinträchtigt werden dürften. Hinzu komme, dass das Haus an der Philippstraße 35 sogar denkmalgeschützt sei. 

Dieter Conrad wanderte derweil gedanklich bereits über das Bahngleis, auf den Bereich zwischen dem Schienenstrang und dem Aldi-Gelände. Nach einer Mitgliederversammlung von Pro Innenstadt habe sich deutlich herauskristallisiert, dass die Einzelhändler dort gerne mehr sähen als einen Discounter, schließlich „geht im Stadtzentrum ein Vollsortimenter ab“, erklärte Conrad. Und auch was Parkplätze anbelangt, war man sich unter den Einzelhändlern einig: „Es müssen mehr werden“, fasste Conrad zusammen. Auch Architekt Stephan Jocher sieht Bedarf an einem Parkhaus in Bahnhofsnähe, jedoch „muss es „hell und bequem sein“, damit es angenommen und genutzt werde. Für Pro Innenstadt gilt aber prinzipiell: „Wir unterstützen jeden neuen Plan“, sagte Conrad. 

Die Forderung nach einem Vollsortimenter konnte der Stadtbaumeister nachvollziehen. Jedoch merkte Justus Klement an, dass die Realisierung eines solchen „die meisten Pkw-Bewegungen mit sich bringen würde“. Die Folge: An der Einfahrt zum Aldi-Parkplatz müsste eine „Ampellösung für die Spitzenstunden“ realisiert werden. Für das von Conrad angesprochene Gebiet gebe es jedenfalls bereits zwei Bewerber. Nummer eins plane die Ansiedlung eines Drogeriemarktes mit einer Verkaufsfläche von 1.200 Quadratmetern und eines Biomarktes mit 600 Quadratmetern sowie ein darüber liegendes Parkhaus mit circa 218 Stellplätzen. Nummer zwei möchte dort hingegen einen Supermarkt auf 1.400 Quadratmetern ansiedeln und außerdem ein danebenliegendes Parkhaus mit etwa 300 Stellplätzen errichten. Im Januar, so Klement, könnte „ein klar geregeltes Verfahren“ und die Auswahl der Bewerber im Stadtrat erfolgen, zumal sowohl das Bodengutachten schon aktualisiert wurde und ein Verkehrsgutachten bereits erstellt ist. (mehr dazu in der Printausgabe) ra

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