Längere Hälse, weniger Zwetschgen

Neue Wolle im Steigenberger Hof: Nach Schafen grasen nun Alpakas im Garten

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Sie sind scheu, aber bei Löwenzahn machen sie eine Ausnahme: Rosalie, eines der Alpakas des Steigenberger Hofs, kann bei frischem Grün nicht widerstehen.

Penzberg – In diesem Herbst reicht es nur für einen Zwetschgendatschi. In den vergangenen Jahren hingen stets reichlich Früchte an dem Obstbaum in der Grünanlage des Seniorenheims Steigenberger Hof. Doch nun sind Rosalie und Max eingezogen, und den beiden schmecken die Zwetschgen ganz hervorragend.

Eigentlich ist Rosalie ja strahlend weiß, doch allzu gern suhlt sich die Alpakadame mit den strahlend blauen Augen in nasser Erde. Auch Alpakahengst Max wälzt sich mit Vorliebe im Matsch, doch seinem brauen Fell ist das nicht anzusehen. Wolle, an der an jedem einzelnen Haar Dreck klebt, lädt nicht gerade zum Streicheln ein. Doch das wollen die Tiere, die seit ein paar Monaten nun schon im Garten des Steigenberger Hofs grasen, ohnehin nicht, noch nicht. „Sie sind sehr ängstlich“, so Sibylle Pichler. 

Die Leiterin des Seniorenheims weiß, wovon sie spricht. Seit Mai kümmert sie sich gemeinsam mit dem Hausmeister um die beiden Paarhufer. Im Mai holte Pichler die beiden wolligen Genossen von einem Alpakahof in Riegsee nach Penzberg. Tiere im Garten einer Einrichtung für Senioren? Nichts Neues an der Seeshaupter Straße 73. Zuletzt grasten einige Schafe auf dem eingezäunten Terrain, das den Mittelpunkt der Grünanlage bildet. Zahlreiche Fenster sind auf diesen Bereich ausgerichtet, so dass viele Bewohner einen Blick auf die Tiere werfen können. Die Schafe gehören ihrem Mann, sind aber wenig kontaktfreudig gewesen. „Man konnte sie nicht streicheln“, so Pichler. 

Nun wurden also die wolligen Tiere durch andere wollige Tiere ersetzt, und die wollen bislang genauso wenig schmusen wie ihre Vorgänger. Denn Alpakas sind von Natur aus sehr misstrauisch, sie brauchen Zeit, um mit Menschen warm zu werden, viel Zeit. Daher dreht Sibylle Pichler immer wieder kleine Runden mit Max und Rosalie, die dann im Geschirr und an der Leine mehr oder weniger bei Fuß gehen. Als sehr zutraulich erweisen sich die beiden Alpakas, wenn Pichler mit einem Bottich Körner oder einem Schwung Heu am Zaun steht. Da „kommen sie im Galopp“, lacht sie. Rosalie muss sich dabei vor allem auf ihr Sehvermögen verlassen, den die Alpakadame hört nicht sonderlich gut. Ängstlicher macht sie dieses Handicap aber nicht, sie sei sogar zutraulicher als der Hengst, lächelt Pichler. Das Heu hat sie gemeinsam mit dem Hausmeister auf dem Gelände des Steigenberger Hofs eigenhändig gemäht und gewendet. „Hoffentlich genug für den Winter“, so Pichler. Gras, frisches oder getrocknetes, ist das einzige Futter, das die Paarhufer benötigen. „Körner dienen nur als Leckerli“, grinst Pichler. 

Die Einrichtungsleiterin mit einer Gabel inmitten von getrocknetem Grashalmen, ein Anblick der die Bewohner amüsiert haben dürfte. Aufmerksamkeit bekommen die Alpakas auch von den Senioren. Die Bänke rund um den Zaun, der für die agilen einjährigen Alpakas extra erhöht wurde, sind nun viel häufiger besetzt als früher, freut sich Pichler. Einen engen Kontakt zu den Bewohnern pflegen die Alpakas aber nicht, Rosalie und Max sind schließlich keine ausgebildeten Therapietiere. Doch bereits der Anblick der Andenbewohner verschafft dem Betrachter Ruhe, lässt ihn unweigerlich lächeln. Mehr Alpakas sollen jedoch nicht an der Seeshaupter Straße einziehen, nicht weil Max und Rosalie Pichler bereits ordentlich auf Trab halten, sondern weil es Vorschriften gibt. Und die besagen, dass rund 1.000 Quadratmeter für zwei Paarhufer zur Verfügung stehen müssen, und diese Fläche kommt gerade so zusammen. An diese Fläche zieht es aber nicht allein die Senioren, auch Schüler und Kindergartenkinder haben bereits vorbeigeschaut, freut sich Pichler. Ein Bild, das der Einrichtungsleiterin behagt, denn so kommen Alt und Jung zusammen, und damit Leben in das Seniorenheim. Und dafür braucht es nicht unbedingt Streicheleinheiten auf Wolle. ra

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