Ernsthaft oder nicht?

Zweite Podiumsdiskussion der Kandidaten: Viel Gleichklang, nur wenig Konturen

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Komm mit mir in die Stichwahl: Elke Zehetner (3. von rechts) scheint für Stefan Korpan (2. von rechts) ein ganz besonderes Faible zu haben, obwohl sie der CSU-Mann immer wieder in die Bredouille bringt. Armin Jabs (rechts) sowie Michael Kühberger, Markus Bocksberger und Kerstin Engel (von links) scheinen da außen vor zu sein.

Penzberg – Wer gedacht hatte, dass er nach der zweiten Podiumsdiskussion der sechs Bürgermeisterkandidaten schlauer sein würde und mehr wüsste, wem er am 15. März seine Stimme guten Gewissens geben könne, der musste sich enttäuscht nach Hause trollen.

Drei Wochen nach der Süddeutschen Zeitung unternahm diesmal der Penzberger Merkur den Versuch, den Menschen in der Stadt eine Hilfestellung für das persönliche Auswahlverfahren zu geben. Und die einen wie die anderen sind an dieser Aufgabe grandios gescheitert, was aber nicht an der Art der Fragestellung lag, sondern einfach dem Umstand zu schulden ist, dass sich das halbe Dutzend an Kandidaten inhaltlich nur in Nuancen unterscheidet und deshalb eine verlässliche Prognose nicht möglich ist. Unter diesem Aspekt gehört Michael Kühberger, der für die FLP das Rathaus erobern möchte, der Satz des Abends: „Ich glaube, der 15. März wird spannend.“ 

Es war interessant zu beobachten, wie sich vor allem zwei Kandidaten die Reaktionen nach der ersten Diskussion zu Herzen genommen hatten. Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) agierte diesmal viel volksnäher, bodenständiger, und Armin Jabs gab sich erfolgreich Mühe seine ohnehin meist sehr nachvollziehbaren Aussagen auch so transportieren, dass man sich nicht fürchten muss. Die übrigen vier blieben sich weitgehend treu: Da waren der hemdsärmelige Kühberger, die bisweilen angriffslustige, bisweilen witzige Kerstin Engel (Grüne), der gewiefte Stefan Korpan (CSU) und Amtsinhaberin Elke Zehetner, der diesmal zwar kein Fauxpas über Teile ihrer Belegschaft unterlief, die aber doch in zwei Situationen, von denen noch zu berichten sein wird, unter Beweis stellte, dass man sie in Gesprächsrunden wie diesen immer wieder zu unbedachten Äußerungen hinreißen kann. 

Natürlich kam an diesem Abend auch wieder die Rede auf Zehetners Führungsstil und ihren Umgang mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, der nach dem ersten Durchgang zu viel Kritik, aber keinerlei Selbstkritik bei der Verursacherin geführt hatte. Auch diesmal meinte Zehetner lapidar, dass die Mitarbeiterführung in einer Podiumsdiskussion nichts verloren habe, was an sich vielleicht gar nicht mal so falsch ist, aber halt nicht durchzuhalten ist, wenn sich daraus längst ein Politikum entwickelt hat. Und als die Bürgermeisterin dann noch fragte, woher man denn bitte die Erkenntnis habe, dass wegen ihr im Rathaus schlechte Stimmung herrsche, lieferte sie eine Steilvorlage für Markus Bocksberger, der offenbar ganz genau nachgezählt hat. „In den vergangenen knapp sechs Jahren haben von den 55 Mitarbeitern, die direkt im Rathaus arbeiten, 40 Prozent gekündigt“, sagte er. Das war dann wieder einer jener Momente, in denen Zehetner eine beeindruckende Kostprobe ihres Mienenspiels gab. Gerade noch strahlend lächelnd, blickt sie nun drein, als sei der Jüngste Tag angebrochen. 

Im weiteren Verlauf der Debatte entsponnen sich dann immer wieder Passagen des wechselseitigen Schulterklopfens, vor allem als es um die Pläne für das HAP-Areal, die Kinderbetreuung und ein Verkehrskonzept für das Stadtgebiet ging: Kühberger gab Zehetner Recht, wofür sie die FLP würdigte, ohne die es in der Stadt noch immer keinen kostenlos Stadtbus für Schüler geben würde. Bocksberger wiederum bestätigte Engel, die sich ihrerseits Korpan anschloss, der sich natürlich mit Jabs völlig einig war. Hätte man die Kandidaten nicht an der Stimme erkannt, wären keine Unterschiede zu erkennen gewesen. Fast konnte man glauben, dass jeder am liebsten den anderen wählen würde, wenn er nicht selbst gerade kandidieren müsste. 

Auch durfte jeder erzählen, weshalb er sich als geeignet für das Amt des Bürgermeisters erachtet, was Elke Zehetner unter Verweis auf ihre über 25 Jahre währende Tätigkeit im Bereich einer kommunalen Verwaltung natürlich besonders nachhaltig tat. Markus Bocksberger konterte postwendend: „Man muss nicht in einer Verwaltung groß geworden sein, um ein guter Bürgermeister zu sein.“ 

In der auf Bewahrung der Etikette bedachten Runde fiel auf, dass sich ausgerechnet die beiden Frauen duzten. Und das auch dann noch, nachdem Kerstin Engel ihre Kandidatur vor allem damit begründete: „Vor sechs Jahren haben wir Grünen noch die Elke unterstützt, weil sie ja durchaus eine kompetente Frau ist.Aber mittlerweile gibt es doch einige zwischenmenschliche Differenzen.“ Die Elke sagte darauf nichts. Dafür rannte nach dem Ende der Diskussion Ludwig Schmuck mosernd und meckernd durch die Stadthalle, weil Engel zuvor die Notwendigkeit eines 3. Bürgermeisters in Zweifel gezogen hatte, weil der ja eigentlich doch nur zum Gratulieren da sei, was den Saal zu einem kollektiven Schmunzeln veranlasste. 

Als es dann thematisch um den Wohnungsbau ging, kam erstmals etwas Farbe in den Diskurs. Armin Jabs etwa kritisierte, dass Stadtverwaltung und Stadtrat privaten Investoren bei der Schaffung dringend benötigter Wohnungen „zu viele Steine in den Weg legen“. Und Michael Kühberger, dem viele eine zu große zu Zehetner vorwerfen, wurde für seine Verhältnisse richtig frech. Er kritisierte offen die SPD, die im Wahlkampf mit einer Wohnungsoffensive werbe, in Stadtrat und Bauausschuss aber regelmäßig Bauanträge ablehne oder für Veränderungssperren votiere. Einig waren sich dann wieder alle darin, dass Penzberg dem Wohnungsmangel nur mit Verdichtung begegnen könne. 

Nun war der Moment gekommen, wo man über Elke Zehetner das erste Mal den Kopf schütteln musste: Als Stefan Korpan darauf hinwies, dass aus den Reihen der CSU eine neue Wohnbaugenossenschaft gegründet werde, bezeichnete sie dies als völlig überflüssig, weil die Stadt bereits mit anderen Genossenschaften, vor allem der Wohnbau Weilheim, zusammenarbeite. „Da brauchen wir keine weitere“, sagte sie, während der Saal buhte und Korpan listig fragte: „Ist das der Sozialgedanke der SPD?“ Kerstin Engel jedenfalls wünschte der CSU mit ihren Plänen viel Glück und meinte unter dem Applaus des Publikums: „Eine weitere Genossenschaft schadet überhaupt nicht, denn je mehr wir davon haben, desto mehr Wohnungsbau gibt es.“

Irgendwann war man dann beim Bahnhof angelangt, den keiner auf dem Podium verkaufen möchte, was aber vor noch gar nicht so langer Zeit anders ausgesehen hat. Bocksberger erinnerte Zehetner jedenfalls daran, dass sie das Bahnhofsgebäude schon zweimal an einen Gastronomen aus Lenggries verkaufen wollte, aber jedes Mal vom Stadtrat eingebremst wurde. Jetzt sagte Zehetner, dass dieses Thema ein sehr emotionales sei, weshalb man es aus dem Wahlkampf heraushalten wolle. Nach der Wahl, sagte sie und fiel schon wieder auf ihre eigene Wortwahl herein, wolle man über die Zukunft des Bahnhofs entscheiden, „wenn wieder Sachverstand vorherrscht“. Dem aufmerksamen Herrn Korpan entging dies natürlich nicht, weshalb er sich bemüßigt fühlte festzustellen, dass es doch wohl nicht angehe, dem amtierenden Stadtrat wie auch den Bürgermeisterkandidaten jeglichen Sachverstand abzusprechen. „Wir bei der CSU gehen jedenfalls schon mit Sachverstand an die Themen ran“, sagte Korpan. 

Das bewahrte den CSU-Mann übrigens nicht davor, dass sich Zehetner ihn und keinen anderen als Gegner in einer Stichwahl wünschen würde. Korpan lächelte nur, sagte, auch er würde am liebsten gegen Zehetner antreten und meinte obendrein mit Blick auf die Geschichte der Sozialdemokratie in Penzberg: „100 Jahre SPD sind gut, dabei kann man es aber auch belassen.“ Auch Kühberger und Bocksberger rechnen damit, in einer Stichwahl auf Zehetner zu treffen, während Jabs auf Bocksberger hofft. Das tut auch Engel, weil sie bei Bocksberger die größten politischen Übereinstimmungen erkennt. Und sie meinte: „Bei ihm würde nicht so viel schief gehen, wenn die Stichwahl nicht zu meinen Gunsten ausgehen würde.“ la

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