Flüchtlingsunterkunft in Penzberg

Kein Bedarf für die Rutsche

+

Penzberg - Noch vor zwei Wochen hieß es von Seiten der Regierung von Oberbayern, dass in die zweite Asylbewerberunterkunft in Penzberg Familien und Kindern ziehen. Doch seit Donnerstag steht fest: Unter den Neuankömmlingen waren diese Woche lediglich Männer, 48 an der Zahl.

Der Blick aus dem Fenster, vor wenigen Tagen beim Tag der offenen Tür in der zweiten Unterkunft für Asylbewerber an der Nonnenwaldstraße, war für viele Penzberger, die sich die Gelegenheit zur Besichtigung nicht entgehen ließen, verheißungsvoll: eine Rutsche. „Die haben wir nicht umsonst aufgestellt“, sagte Maximilian Bair von der Regierung von Oberbayern beruhigend. Seine Botschaft sollte heißen: Nachdem im ersten Gebäude ausschließlich allein stehende junge Männer untergebracht sind, werden nun auch Familien folgen. Doch die Realität sieht anders aus, und mit ihr wächst das Unbehagen.

Insgesamt 48 Asylbewerber wurden Mitte der Woche aus dem Landkreis Miesbach mit dem Bus an die Nonnenwaldstraße gebracht, nachdem die Traglufthalle, in der sie in Holzkirchen untergebracht waren, geschlossen wurde. Frauen und Kinder waren nicht darunter. Bair, der sich persönlich um die Aufnahme der Neuankömmlinge kümmerte, sprach davon, dass er lediglich „die Zuteilung der Flüchtlinge“ erhalten habe. Will heißen: Einfluss darauf, welcher Asylbewerber wo untergebracht wird, habe er keinen. Und der Spielplatz mit Rutsche sei weder eine Vorwegfestlegung noch ein Zeichen für die Belegung mit Familien, sondern eine Planung des Landratsamts in Weilheim gewesen. „Wir haben keine Handhabe, wer ankommt“, verwies Bair. Im Übrigen berge es nicht weniger Konfliktpotenzial, wenn Familien mit Kindern in den Unterkünften wohnten. „Das weiß ich aus Erfahrung“, sagte er.

Statt Familien verlegte die Regierung von Oberbayern also wieder nur Männer zwischen 20 und 40 Jahren nach Penzberg. Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Männer bereits bei der Polizei aktenkundig sind. Am Mittwoch und Donnerstag jedenfalls wurde der Bus mit rund 50 Männern von jenem Sicherheitsdienst bis nach Penzberg eskortiert, der auch die Halle in Holzkirchen bewachte. Für die beiden Gebäude an der Nonnenwaldstraße ist ein Sicherheitsdienst bisher aber nicht vorgesehen.

„Ich würde dies absolut befürworten“, sagt der Penzberger Polizeichef Jan Pfeil. Er war sowohl am Mittwoch wie auch am Donnerstag an der Nonnenwaldstraße vor Ort und wies die neuen Asylbewerber auf die Penzberger Spielregeln hin: „Ich bin euer Freund, wenn ihr Probleme habt. Wenn ihr aber mit Drogen rummacht, werden wir das mit allen Mitteln verfolgen, die uns zur Verfügung stehen.“ Er sehe die Anwesenheit der Polizei bei der Ankunft der Asylbewerber als „rein präventive Aktion, durch die keine Verunsicherung entstehen soll". Und Pfeil beruhigt: „In Penzberg ist keine Räuberbande eingezogen.“ Die Polizei werde deshalb auch „keinen Standposten“ an den beiden Unterkünften an der Nonnenwaldstraße einrichten. akr/la (mehr dazu in der Printausgabe am Samstag)

Auch interessant

Meistgelesen

Ein besonderes Jahr
Ein besonderes Jahr
Weiter verhärtete Fronten
Weiter verhärtete Fronten
Käfer und Bienen
Käfer und Bienen
Ein Geschenk vor dem Fest?
Ein Geschenk vor dem Fest?

Kommentare