Jubiläumsausstellung der Kunstzeche: Fortsetzung mit spannenden Ergebnissen

In einen anderen Kopf klettern

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„Koffer im Kopf“: Das Motto der Ausstellung hat in vielfältiger Weise inspiriert, während Bodo Rott mit seinem Metallfolienkegel den Blick auf das Schlafzimmer der Bergarbeiterwohnung verzerrt, will Dorothea Reese-Heim mit ihren Zeitungsausschnitten verdeutlichen, dass alles mit allem verbunden ist.

Penzberg – Sehnsucht nach der Ferne, auf der Leinwand oder in Plastik gepackt: Das Museum Penzberg beherbergt nun die zweite Fuhre künstlerischen Reisegepäcks und lässt die Besucher in der Fortsetzung der Sonderausstellung der Kunstzeche in fremde Koffer und Köpfe blicken.

„Es war keine leichte Geburt, sich auf ein gemeinsames Motto für die Ausstellung zu einigen“, sagt Gisela Geiger von der Kunstzeche. Über die Themen Sehnsucht, Aufbruch, Flucht, kam man schließlich zu dem Gedanken des Koffers im Kopf. Mehrere Monate haben sich die Mitglieder der Kunstzeche und ihr nahestehende Künstler dann ihren Kopf über dem Motto zerbrochen. Dabei ist letztlich so viel herausgekommen, dass die Kunstzeche die Ausstellung zu ihrem 20-jährigen Bestehen zweiteilen musste. Nachdem die zum Auftakt über den Jahreswechsel gezeigten Arbeiten wieder das Museum Penzberg verlassen hatten, wurde nun Teil zwei der Öffentlichkeit präsentiert. 

Im Altbau des Museums gewähren einem die rund 20 Künstler durch Zeichnungen, Gemälde und Installationen einen Einblick in ihren ganz persönlichen Koffer im Kopf. So empfangen einen im Erdgeschoß die strahlenden Gemälde von David John Flynn, deren klare Formen und farbliche Überdeckungen verschwimmen und sogleich den Betrachter beinahe auch körperlich ins Bild ziehen. „Sie sind konkrete Repräsentationen meiner inneren Dialoge“, so Flynn. Mitten im Raum trifft man auf Hubert Sanktjohan­sers variable Raumkonstruktion aus Holz. Der Uffinger Schreiner erzielt mit seinen Stellwänden eine immer andere Wirkung, lädt zu neuen Perspektiven ein und macht das Element Raum erlebbar. Auf einer seiner angegliederten Holzbänke fand ein mit Büchern gefüllter Koffer neben dem Deckel einer Hutschachtel seinen Platz. 

„Was ich nicht auf eine Insel mitzunehmen brauche“, lautet wiederum das Motto der Künstlerin LUX. „Meinen Koffer im Kopf haben Bücher gefüllt. Das ist nicht alles, aber ein wesentlicher Inhalt und sicher kein Ballast“, betont sie. Und auch Schinae Kims Zeichnungen haben sich mit Sanktjohansers Konstruktion verbündet und hängen an einer Seitenwand. „Für mich prallten im Moment der Überlegung zum Thema unterschiedliche Informationen aufeinander, was ich mit den Zeichnungen zum Ausdruck brachte“, so Schinae Kim. 

In der alten Bergarbeiterwohnung im oberen Stockwerk hat Bodo Rott seine Installation eines Metallfolienkegels so auf dem Bett drapiert, dass er einen verzerrten Blick auf das Schlafzimmer wiedergibt. Die farbigen Papierstücke an den Wänden zeigen verschiedene Szenen und Objekte. „Ich möchte den Betrachter dazu bringen, in eines anderen Menschen Kopf zu klettern und dessen Erinnerungen nachzureisen“, so Rott. Auf eine Reise in galaktische Gefilde nimmt hingegen Christine Heinisch die Besucher mit. „Ich begebe mich in Welten, die man jetzt noch nicht erreichen kann, aber in der Phantasie schon“, berichtet sie. Es sind Träume die Erde zu verlassen und im Universum nach neuen Räumen zu suchen. 

Und so bieten auch die weiteren Räume des Museums noch eine Vielzahl an Entdeckungen, die erlebt werden wollen und zum Nachdenken anregen, was sich wohl im eigenen Koffer im Kopf so alles verbirgt. Die inneren Vorstellungswelten an die Oberfläche und nach außen treten zu lassen, ist nämlich nicht nur äußerst interessant, sondern auch ein zutiefst künstlerischer Prozess, an dessen Ende, wie diese Ausstellung zeigt, ebenso vielfältige wie spannende Ergebnisse stehen. au

Die Sonderausstellung „Koffer im Kopf“ ist bis 3. März im Museum Penzberg zu besichtigen; der Eintritt kostet 7 Euro, das Tagesticket mit Führung 12 Euro.

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