Wie steht es um Gesundheit der Kanzlerin?

Angela Merkel: Mehrheit sieht Zitteranfälle als Privatsache

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Die Zitteranfälle sind Privatangelegenheit von Angela Merkel, denkt eine Mehrheit der Deutschen.

Der dritte Zitteranfall von Angela Merkel löste erneut Besorgnis aus. Die meisten Deutschen finden aber nicht, dass die Kanzlerin Details nennen muss.

  • Merkel hatte bei in den letzten Wochen bei zwei öffentlichen Auftritten einen Zitteranfall. Am 10. Juli kam es zu einem dritten Anfall.
  • Nach den ersten Zitteranfällen wurde vielfach die Sorge um ihre Gesundheit geäußert. 
  • Auch Merkel äußerte sich schon selbst zu ihrem Zittern.
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    Angela Merkel: Mehrheit der Deutschen sieht Zitteranfälle als Privatsache

    Update vom 13. Juli 2019: Eine Mehrheit der Deutschen findet, dass Kanzlerin Angela Merkel über ihre jüngsten Zitteranfälle keine öffentliche Auskunft zu geben braucht. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen hervor. 59 Prozent der Befragten sprachen sich demnach dagegen aus, dass die CDU-Politikerin eine detaillierte öffentliche Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben sollte und erklärten, dies sei Privatsache der Kanzlerin. Nur 34 Prozent der Befragten plädierten für eine öffentliche Auskunft. Sieben Prozent zeigten sich unentschieden.

    Was ist los mit Angela Merkel? Psychologen haben Vermutungen

    19.43 Uhr: Zwei Tage ist Angela Merkels dritter öffentlicher Zitteranfall nun her. Was ist los mit der Bundeskanzlerin? Psychologen nennen nun mögliche Gründe. Inzwischen soll auch bekannt sein, was Merkel demnächst privat im Urlaub lesen wird: ein Buch einer Autorin, die einst auch unter Zitteranfällen litt.

    12.55 Uhr: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sieht nach den Zitteranfällen von Kanzlerin Angela Merkel leichte Anzeichen körperlicher Überlastung. Im ZDF-„Heute Journal“ warnte der frühere Diagnose-Mediziner am Donnerstagabend aber vor einer öffentlichen Diskussion über ihren Gesundheitszustand. Er wies auf die enormen körperlichen Belastungen des Amtes hin und sagte: „Wenn ein solcher Job über viele Jahre ausgeübt wird, dann gehört dazu eine sehr, sehr gesunde Grundnatur. Und solche leichten Anzeichen von körperlicher Überlastung sollte man eher mit Nachsicht und vielleicht auch mit ein bisschen mehr Pausenzeiten beantworten und nicht mit einer öffentlichen Diskussion, was denn nun wirklich die Ursache wohl sein sollte.“

    Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hält es auch nicht für nötig, dass sich Merkel näher dazu einlässt. „Auch Personen des öffentlichen Lebens haben Anspruch auf Privatsphäre“, sagte er der Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Kanzlerin hat sich bereits zu ihrem Gesundheitszustand geäußert. Mehr können und sollten wir von ihr nicht verlangen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie nicht selbst einschätzen kann, ob sie leistungsfähig ist.“ Er fügte hinzu: „Ich warne davor, eine Fitness-Diskussion über Politiker zum Ersatz für Politik zu machen.“

    Dagegen hält der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter Merkels Informationen für unzureichend. „Das reicht nicht mehr aus. Die Kanzlerin muss die Öffentlichkeit informieren. Es entsteht sonst der Verdacht, dass etwas Schlimmeres dahinterstecken könnte“, sagte er dem „Mannheimer Morgen“ (Freitag).

    Auch Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat nun Vermutungen geäußert, welche Gründe hinter den Zitteranfällen stecken könnten. 

    Sophia Thomalla unterstützt Merkel nach Zitteranfällen: „Mutti macht ihr nicht kaputt“

    Update vom 12. Juli 2019, 9.41 Uhr: TV-Moderatorin Sophia Thomalla (29) hat Spekulationen über den Gesundheitszustand von Bundeskanzlerin Angela Merkel (64) kritisiert. „Wenn sie sagt, dass wir uns keine Sorgen machen brauchen, dass es ihr gut gehe und sie das im Griff hat, dann ist das für mich vollkommen ausreichend“, schrieb sie am Donnerstag auf Instagram. Auch eine Kanzlerin habe ein Recht auf Privatsphäre. „Nicht jeder Hans Wurst hat das Recht zu wissen, was dahinter steckt.“

    Nach mehreren Zitteranfällen bei öffentlichen Empfängen machen sich viele Menschen Sorgen um Merkels Gesundheit. CDU-Mitglied Thomalla erklärte, Merkel sei in den 14 Jahren ihrer Kanzlerschaft nur selten krank gewesen. Ihre Robustheit bei Verhandlungen sei legendär. „Fand ich schon immer geil - Mutti macht ihr nicht kaputt.“

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    14 Jahre ist Angela Merkel nun unsere Kanzlerin. Und nur selten musste sie in dieser Zeit wegen Krankheit kurz pausieren- wenn ich ehrlich bin kann ich mich an kein einziges Mal wirklich erinnern… Sie war immer da. Helft mir auf die Sprünge, wenn ich falsch liegen sollte. Jezt diese Zitterattacken. Und jeder fragt sich erstmal : geht es ihr gut?
Bei den Verhandlungspartnern ist ihre Robustheit in durchverhandelten Nächten legendär und gefürchtet. Fand ich schon immer geil - Mutti macht ihr nicht kaputt. Ruhig, besonnen und cool, egal wer da laut wurde. Jemand, der nicht ständig mit der Kette rasselt. Wenn sie sagt, dass wir uns keine Sorgen machen brauchen, dass es ihr gut gehe und sie das im Griff hat, dann ist das für mich vollkommen ausreichend. Auch eine Kanzlerin hat ein Recht auf Privatsphäre. Nicht jeder Hans Wurst hat das Recht zu wissen, was dahinter steckt. Wer bitte kommuniziert denn seine Krankenakte in der Öffentlichkeit? Eigentlich nur Leute, die über Mitleid sich Sympathiepunkte erhoffen. Aber die fand ich ja schon immer zum kotzen. Ab nächste Woche hat sie ja Urlaub … #notyourbusiness

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    Erstmeldung: Dritter Zitteranfall von Angela Merkel: Reaktionen auch im Ausland

    Mittlerweile sind Merkels Zitteranfälle Top-Thema in den Nachrichten. In einem Kommentar für den Münchner Merkur schreibt Chefredakteur Georg Anastasiadis bei merkur.de*: „Und doch ist es mit Beschwichtigungen, es gehe ihr gut und man solle sich keine Sorgen um sie machen, spätestens jetzt nicht mehr getan.“ Aber auch bei anderen Medien ist die Gesundheit der Kanzlerin das Thema - eine Übersicht:

    Internationale Presse reagiert auf Zitteranfälle von Angela Merkel

    Die New York Times schreibt darüber, wie das Thema die deutsche Medienlandschaft dominiert hat: „Die Deutschen schätzen ihre Privatsphäre – und die Gesundheit der Kanzlerin ist in der Regel keine Sache des öffentlichen Interesses. Aber das Zittern am Mittwoch schoss schnell an die Spitze der Online-Nachrichtenseiten und wurde auf 24-Stunden-Nachrichtensendern diskutiert.“

    Die TIME berichtet, dass Angela Merkel normalerweise ein gutes Durchhaltevermögen nachgesagt wird: „Die Gesundheit von Personen des öffentlichen Lebens wird in Deutschland im Allgemeinen als Privatsache angesehen – und die Datenschutzgesetze des Landes sind für diese Art von Informationen sehr streng. Es ist nicht öffentlich bekannt, ob Merkel gesundheitliche Probleme hat. Die Kanzlerin hat den Ruf, jahrelang bei nationalen und europäischen Verhandlungsmarathons bis spät in die Nacht durchzuhalten. Sie musste selten ihren Arbeitszeitplan erheblich kürzen.“

    Debatte um Angela Merkel: Gesundheit der Kanzlerin Privatsache?

    Die Sächsische Zeitung schreibt: „Gesundheit ist grundsätzlich Privatsache - auch bei einer Kanzlerin. Das Private hört bei Regierungschefs allerdings dort auf, wo Krankheit dauerhaft oder jedenfalls längerfristig die Ausübung von Amtsgeschäften maßgeblich einschränkt. Doch Merkels Unpässlichkeiten passierten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern vor den Augen der ganzen Welt. Irgendwann braucht es eine plausible Erklärung, ob Kräfte und Fähigkeiten ausreichen, das Amt auszufüllen. Oder noch besser: Merkel würde erklären, sie sei wieder gesund."

    Diagnose zu Zitteranfällen: „Sie ist ein Mensch“

    Die Südwest Presse weist darauf hin, dass Merkel Fragen nach ihrer Gesundheit bereits beantwortet habe: „Angela Merkel zittert, und die Welt hält den Atem an. Oder geht das alles niemanden etwas an? Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin, auf die im Ernstfall kein Verlass wäre - das darf nicht sein. Daher sind die Fragen an Merkel statthaft, und sie ist der Öffentlichkeit eine Antwort schuldig. Nur: Merkel hat diese Antwort bereits mehrfach gegeben, redet offen und gelassen über das Thema, liefert eine psychologische Erklärung. So lange keine neuen Fakten vorliegen, ist also wohl die naheliegendste Diagnose: Sie ist ein Mensch.“

    Psychologe gibt mögliche Erklärung für Angela Merkels Zitteranfälle

    Doch gibt es diese psychologische Erklärung wirklich? In der Bildzeitung (Bezahlschranke) äußerte sich der Psychologe Professor Willi Butollo von der Ludwig-Maximilians-Universität München und bestätigte, dass es so ein psychosomatisches Phänomen tatsächlich gibt: „Es ist kein Trauma, sondern eine Art Sensibilisierung. Ein Beispiel: Sie hatten eine schwere Grippe. Ihr Immunsystem ist nicht ganz fit und an der Bushaltestelle erleiden Sie einen Schwächeanfall, kippen um. Tage später, Sie sind genesen, stehen wieder an dieser Haltestelle und denken an das erste Mal. Und plötzlich werden Sie wieder ganz schwach. Einfach, weil Sie unter Spannung stehen und erwarten, dass es wieder passiert.“ Die Befürchtung, dass es erneut passieren könnte, kann den Betroffenen demnach destabilisieren.

    Psychologe äußert sich zur Dauer von Merkels Zitteranfällen

    Butollo erklärt, dass es nach zwei oder drei Vorfällen eigentlich wieder weggehen sollte, aber: „Je stärker sich der Betroffene dagegen sperrt, desto länger kann es dauern. Oder anders gesagt: Solange man versucht es zu vermeiden, kann es bestehen bleiben“, so Butollo gegenüber der Bild.

    Beim Treffen mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen saß Merkel diesmal auf einem Stuhl. Der dritte Zitteranfall innerhalb weniger Wochen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbar zum Handeln gezwungen. Angela Merkel selbst betonte, dass es ihr gut gehe: „Man muss sich keine Sorgen machen.“

    Video: Zitteranfälle der Kanzlerin: Sophia Thomalla äußert sich dazu

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