Mord an Stadträtin

Brasilien: Was hat Bolsonaro mit Mord an Politikerin zu tun? Verdächtiges Foto aufgetaucht

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Jair Bolsonaro.

Nur knapp eine Woche nachdem der brasilianische Präsident Bolsonaro mit einem Video vom Straßenkarneval entsetzte, sorgt er erneut für Schlagzeilen: Es sollen Verbindungen zwischen Bolsonaro und dem Mord an einer Politikerin bestehen.

Update vom 13. März, 18:46 Uhr: Ein Jahr nach dem Mord an der linken Stadträtin und Aktivistin Marielle Franco in Rio de Janeiro haben Ermittlungen mögliche Verbindungen zwischen den beiden mutmaßlichen Tätern und dem rechtsradikalen Staatschef Jair Bolsonaro ergeben. Einer der beiden Verdächtigen postete auf seiner Facebookseite ein Foto von sich und Bolsonaro, das in den Online-Netzwerken geteilt wurde.

Es handelt sich um den ehemaligen Militärpolizisten Élcio Vieira de Queiroz, der am 14. März 2018 das Tatfahrzeug gefahren haben soll. Der zweite Tatverdächtige, Ronie Lessa, wurde am Dienstag in dem Wohngebäude festgenommen, in dem auch Bolsonaro ein Appartement hat. Lessa soll die tödlichen Schüsse auf Franco und ihren Fahrer Anderson Gomes abgegeben. In dem Gebäude im Stadtteil Barra da Tijuca mit Blick aufs Meer hatte Bolsonaro im vergangenen Oktober seine Wahl zum Staatschef vor tausenden von Anhängern gefeiert.

Polizeikommissar Giniton Lages sagte während einer Pressekonferenz, dass Lessa in dem Gebäude wohne, in dem auch Bolsonaro bei seinen Aufenthalten in Rio absteige, habe im Zusammenhang mit Francos Ermordung "nicht viel" zu bedeuten. "Es gibt keine direkte Beziehung zur Bolsonaro-Familie, wir haben nichts entdeckt", fügte er hinzu.

Das mittlerweile von Vieira de Queiroz' Facebookprofil gelöschte Foto von ihm und Bolsonaro soll aus dem Jahr 2011 stammen. Zu sehen ist allerdings nur die untere Gesichtshälfte des künftigen Präsidenten. Bolsonaro antwortete unterdessen auf Fragen von Journalisten in Brasília, er lasse sich in ganz Brasilien mit "tausenden Militärs" ablichten.

Kommissar Lages schien unterdessen eine Liebesbeziehung zwischen der Tochter des mutmaßlichen Todesschützen und einem von Bolsonaros Söhnen zu bestätigen. Von einem Reporter danach befragt, sagte er: "So ist es (...), aber das ist für uns zur Zeit nicht wichtig."

Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde die Ermordung der schwarzen Kommunalpolitikerin drei Monate lang genau geplant. Die 38-jährige Franco, alleinerziehende Mutter und Lesbe, saß für die linke Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) im Stadtrat, setzte sich für die Rechte der Schwarzen in Brasilien ein und übte scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei in den Armenvierteln der Stadt. Ihre Ermordung schockierte die Brasilianer und löste eine Protestwelle gegen zunehmende Gewalt in Rio aus.

Schockierend: Brasiliens Präsident Bolsonaro stellt obszönes Karnevalsvideo ins Netz - und legt nach

Update vom 7. März: Nach heftiger Kritik um ein obszönes Video vom Straßenkarneval im Twitter-Konto von Brasiliens rechtspopulistischem Präsidenten Jair Bolsonaro hat dieser sich um Klarstellung bemüht. Mit der Aufnahme habe er nicht den Karneval an sich kritisieren wollen, sondern lediglich eine Verzerrung des für dieses Fest typischen Geistes, zitierte das Nachrichtenportal Uol aus einer Mitteilung seiner Pressestelle vom Mittwochabend (Ortszeit).

Später setzte Bolsonaro noch einen Tweet mit der Frage ab, was "Golden Shower" bedeute. Dieser Begriff tauchte in einem der Hashtags auf, die aus Kritik an dem Video entstanden waren. Damit gemeint ist eine sexuelle Praktik, bei der jemand auf einen anderen uriniert. Die Gruppe, die diesen Auftritt gezeigt hatte, gab zunächst keinen Kommentar dazu ab. Bolsonaro ist unter anderem wegen rassistischer und schwulenfeindlicher Kommentare umstritten.

Obszönes Szenen beim Karneval: Brasiliens Präsident stellt obszönes Karnevalsvideo ins Netz

São Paulo - Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat ein Video mit obszönen Szenen vom Straßenkarneval im Internet veröffentlicht - und damit eine Kritik am Zustand der Gesellschaft verbunden. „Ich fühle mich nicht wohl, dies zu zeigen. Doch wir müssen der Bevölkerung die Wahrheit zeigen, damit sie Bescheid weiß und immer ihre Prioritäten setzen kann“, schrieb der seit Januar regierende rechtspopulistische Staats- und Regierungschef dazu am späten Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter.

Obszönes Szenen beim Karneval: „Kommentieren Sie und ziehen Sie Ihre Schlüsse

Auf der Aufnahme, die als sensibler Inhalt gekennzeichnet ist, ist ein Mann zu sehen, der auf einer Bühne in São Paulo dem Publikum sein Gesäß entgegenstreckt und sich mit der Hand an den After fasst. Anschließend bückt er sich, während ein anderer Mann ihm auf die Haare uriniert. „Kommentieren Sie und ziehen Sie Ihre Schlüsse“, endet Bolsonaro seinen Tweet.

Der Regierungschef und seine Frau Michelle waren während der Karnevalsumzüge in verschiedenen Städten des Landes Zielscheibe von Kritik und Spott. Der Grund dafür sind unter anderem Kommentare des Ex-Militärs gegen Homosexuelle und Politiker aus dem linken Spektrum, aber auch seine offene Sympathie für einige Diktatoren. Auch die große Präsenz von Militärs in seiner Regierung und Verwaltung sorgt für Unmut.

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dpa

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