Machthaber reagiert

Corona-Sorge bei Kim Jong Un? Alarmbereitschaft wegen „gelbem Staub aus China“ - offiziell gibt es keine Infizierten

Nordkores Machthaber Kim Jong Un auf dem Tokyo‘s Shibuya district.
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist sich sicher. In seinem Land gibt es keinen einzigen Corona-Fall.

In Nordkorea geht die Angst um. Kim Jong Un sorgt sich vor „gelbem Staub aus China“ - und das, obwohl im Land doch „keine einzige Person“ infiziert ist.

  • Offiziell gibt es in Nordkorea keinen einzigen Corona-Fall*.
  • Über das Staatsfernsehen wurde nun aber indirekt vor Covid-19* gewarnt.
  • Diese Alarmbereitschaft ist aber eigentlich völlig unbegründet

Pjöngjang - Anfang Oktober feierte Nordkorea mit einer riesigen Militärparade den 75. Geburtstag der regierenden Arbeiterpartei. Niemand der anwesenden Personen trug dabei Schutzmasken. Wozu auch, möchte man meinen, denn „keine einzige Person“ im Land habe sich bislang mit dem Coronavirus infiziert, sagte Machthaber Kim Jong Un damals in einer Ansprache.

Das Land in Ostasien schottet sich seit Ausbruch der Pandemie quasi ab. Nach den ersten Corona-Fällen in China hatte Nordkorea seine Grenzen zum Nachbarland geschlossen. Beobachter vermuten allerdings, dass das Virus schon vorher ins Land gelangte. Und auch die Situation in den anderen Nachbarländern lässt Zweifel aufkommen (siehe Infobox). Das Regime um den „obersten Führer“ Kim beharrt dennoch darauf, coronafrei zu sein. Aktuell geht im 25-Millionen-Einwohner-Land jedoch die Angst um. Nordkorea sorgt sich vor „gelbem Staub aus China“ - er soll Covid-19 mit sich bringen.

Die Corona-Zahlen in Nordkoreas Nachbarländer (Quelle: Johns-Hopkins-Universität, Stand: 25. Oktober)

Russland: 1.503.652 bestätigte Fälle / 25.875 Tote

China: 91.131 / 4739

Südkorea: 25.836 / 457

Corona in Nordkorea: Staatsfernsehen warnt vor „gelbem Staub“

Wie das US-amerikanische auf Nordkorea spezialisierte Medium NK News berichtet, habe die Regierung vor Ort die Bevölkerung dazu angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen. Bereits am Mittwoch (21. Oktober) hätte das nordkoreanische Staatsfernsehen demnach spezielle Wettersendungen ausgestrahlt, um vor den Staubwolken zu warnen. Auch die BBC berichtet darüber. Am nächsten Morgen gab die russische Botschaft in Pjöngjang in einem Facebook-Beitrag dann bekannt, dass das Außenministerium Nordkoreas den diplomatischen Vertretungen und anderen internationalen Organisationen mitteilte, dass es ihnen „dringend empfiehlt“, drinnen zu bleiben und das Öffnen von Fenstern den ganzen Tag über zu vermeiden.

Corona in Nordkorea: Straßen in Pjöngjang wie leer gefegt - gelber Staub nichts neues

Wie NK News weiter berichtet, seien als Folge lockdownähnliche Zustände zu beobachten gewesen. Die Straßen der Hauptstadt Pjöngjang etwa sollen menschenleer gewesen und Bauarbeiten an öffentlichen Orten verboten worden sein. Es ist sehr schwierig, sich ein Bild von der Lage in Nordkorea zu verschaffen, schottet sich der geheimnisvolle Staat doch regelrecht ab.

Das Phänomen des gelben Staubes ist im Prinzip nichts Neues. Es handelt sich um saisonale Staubwolken, die aus mongolischen und chinesischen Wüsten wie etwa der Wüste Gobi nach Süd- und Nordkorea geweht werden. Aufgrund der Beschaffenheit des Sandes haben diese Wolken einen gelblichen Farbton. Nun befürchtet Nordkorea, dass der Staub virusbelastet ist.

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un alarmiert wegen China-Staub - Sorge unbegründet

Die Sorge scheint allerdings völlig unbegründet. Coronaviren können sich unter Umständen zwar längere Zeit in der Luft halten und durch sogenannte Aerosole ist eine Infektion auch möglich - das allerdings nur zu bestimmten Umständen. „Übertragungen von Sars-CoV-2 im Freien über Distanzen von mehr als 1,5 Meter sind bisher nicht beschrieben“, heißt es dahingehend vom Robert-Koch-Institut.

Nichtsdestotrotz befindet sich Nordkorea offenbar in Alarmbereitschaft - und ist damit nicht allein. Nach Recherchen der britischen BBC hätte es auch in Turkmenistan ähnliche Befürchtungen gegeben. Aus Sorge vor virusbelastetem Staub hätte die dortige Regierung das Tragen von Schutzmasken auferlegt. Am Wochenende der Staub die koreanische Halbinsel unterdessen schon wieder verlassen haben. Am Sonntag (25. Oktober) suchte man entsprechende Wettermeldungen zumindest vergeblich. Also viel Wind um nichts. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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