„Hätte Nervensäge sein müssen“

Corona-Lage in Deutschland eskaliert: Für Spahn stehen die Schuldigen fest

Geschäftsführender Bundesaußenminister: Jens Spahn (CDU).
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Geschäftsführender Bundesaußenminister: Jens Spahn (CDU).

Warum ist Deutschland wieder in eine missliche Corona-Situation geschlittert? Jens Spahn kritisiert eine angeblich schlechte Umsetzung der 3G-Regel - und Ungeimpfte.

München/Berlin - Warum schlitterte Deutschland derart ungebremst in die vierte Welle der Coronavirus-Pandemie?* Vor dem Corona-Gipfel (18. November) zwischen der Ampel-Koalition im Bund und den Ministerpräsidenten der Länder* ist schwer zuordenbar, wer denn nun die Verantwortung dafür trägt.

Eben jener Verantwortung stellte sich der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* an diesem Montagabend (15. November).

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Jens Spahn sieht Verantwortung bei Bürgern und Ungeimpften

So stand Spahn im heute journal des ZDF Rede und Antwort. „Wir haben ja nun endlich eine Woche der Entscheidung. Ab heute sind die Bürgertests wieder kostenlos. Am Donnerstag wird der Bundestag über die künftigen rechtlichen Grundlagen entscheiden. Und da ist auch endlich die Ministerpräsidentenkonferenz von Bund und Ländern“, sagte der 41-jährige Münsterländer vor Millionenpublikum im öffentlich-rechtlichen Sender: „Diese Woche wird es endlich zu den notwendigen Entscheidungen kommen.“

Wir haben immer noch 16 bis 17 Millionen ungeimpfte Erwachsene.

Jens Spahn (CDU)

Maßnahmen seien indes schon im Sommer vereinbart worden, referierte Spahn. Dies seien die AHA-Regeln in Bus und Bahn und im Einzelhandel gewesen sowie 3G (gegen Corona geimpft, genesen oder getestet, d. Red.)* beim Restaurantbesuch oder bei Veranstaltungen. Spahn mahnte. „Die Wahrheit ist: 3G war zu oft 0G. Es wurde nicht wirklich kontrolliert. Und damit konnte es, und das sehen wir heute, nicht den entscheidenden Unterschied machen, um Infektionen zu erkennen und zu vermeiden“, meinte er mit Blick zum Beispiel auf die Überprüfung von Impfnachweisen in der Gastronomie. „Das Eine sind die Regeln, die man sich gibt. Das Andere ist die Kontrolle der Einhaltung. Von beidem brauchen wir offenkundig mehr“, sagte der (Noch-) Ressortchef aus Berlin. Und nahm sich selbst in die Pflicht.

Vierte Corona-Welle in Deutschland: Jens Spahn kritisiert Ungeimpfte

„Ich hätte offenkundig früher eine Nervensäge sein müssen, im positiven Sinne. Nämlich darauf hinweisen müssen, was uns im Herbst und Winter noch erwartet bei der großen Zahl an Ungeimpften. Wir haben immer noch 16 bis 17 Millionen ungeimpfte Erwachsene in Deutschland“, erklärte Spahn im ZDF weiter.

„Die Auslastung in den Intensivstationen, den großen Druck, den wir in manchen Regionen in Deutschland haben, der entsteht durch die große Zahl an Ungeimpften“, meinte der CDU*-Politiker: „Darauf haben wir immer wieder hingewiesen. Aber ich sage auch selbstkritisch: Das hätten wir noch deutlicher machen sollen.“

Im Video: Alarmierende Corona-Situation - Neue Regeln in Bayern

Spahn versuchte - trotz explodierender Corona-Infektionen in Deutschland - auch Zuversicht zu verbreiten. „Alle Länder aktivieren ihre Impfzentren wieder“, erklärte der (Noch-) Bundesgesundheitsminister. Mobile Teams seien in den Pflegeheimen unterwegs, um Booster-Impfungen anzubieten, erzählte er und verwies auf eine Studie aus Israel: „Auffrischimpfungen für alle sechs Monate nach der Zweitimpfung* helfen, diese Welle zu brechen.“ 

Damit nicht genug. Spahn stellte zudem Erwartungen an den kommenden Corona-Gipfel. „Bund und Länder müssen endlich wieder einheitliche Regeln definieren“, sagte er und forderte: „Wir brauchen aus meiner Sicht 2G bundeseinheitlich.“ (pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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