Elf Wochen später

Unzensiertes Video zum Tod von George Floyd: Schockierende Aufnahmen bringen jetzt neue Erkenntnisse

Das Filmmaterial der Bodycams von zwei der Polizisten, die am Tod von George Floyd beteiligt waren, wurde jetzt veröffentlicht. Die schockierenden Aufnahmen ermöglichen neue Einsichten.

  • Der gewaltsame Tod von George Floyd löste in den USA Massenproteste aus.
  • Elf Wochen nach seinem Tod wurde nun neues Videomaterial veröffentlicht.
  • Die schockierenden Aufnahmen bingen neue Erkenntnisse in seinem Fall.

Minneapolis - Etwa elf Wochen nach dem gewaltvollen Tod von George Floyd hat ein Gericht in Hennepin County bei Minneapolis verfügt, bisher ungesehenes Filmmaterial zu veröffentlichen, das die letzten Minuten seines Lebens zeigt. Der Afroamerikaner war Ende Mai bei einer gewaltsamen Festnahme durch die Polizei getötet worden. Die Aufnahmen wurden von den Bodycams von zwei der Polizisten gemacht, die direkt an dem Vorfall beteiligt waren.

Das erschütternde Videomaterial schließt einige Lücken in der öffentlichen Darstellung des Falles, wirft aber gleichzeitig auch neue Fragen auf. Dank der Videos kann nun noch besser nachvollzogen werden, wie George Floyds* Begegnung mit der Polizei tödlich enden konnte.

George Floyd: Unzensiertes Video - Schockierende Aufnahmen bringen neue Erkenntnisse

Bei der Analyse der Videos durch die New York Times, wird schnell klar, dass die Polizisten von Beginn an kein deeskalierendes Verhalten an den Tag legten. So schrie einer der Beamten Floyd, der zu dem Zeitpunkt noch im Auto saß, immer wieder an, dass er seine Hände zeigen müsse. Sein Ton war aggressiv, wiederholt schlug er mit einer Taschenlampe gegen das Autofenster. Nur sechs Sekunden, nachdem sich die Autotür dann öffnete, zog der Polizist seine Waffe und richtet sie auf Floyd. Ohne zu erklären, warum er angehalten worden war, zog er George aus dem Auto. Bereits zuvor zeigten Video-Aufnahmen andere Momente dieses Vorfalls.

Außerdem erklären die Aufnahmen möglicherweise, warum Floyd so große Angst vor den Beamten zeigte. Sowohl er selbst als auch seine Beifahrerin erklärten mehrmals, dass er bereits in der Vergangenheit in einer ähnlichen Situation von der Polizei angeschossen wurde. Belege dafür konnte aber auch die New York Times nicht finden.

Neun Minuten, dreißig Sekunden: So lange kniete der Polizist auf George Floyds Hals

Die Polizisten hielten George Floyd auf der Straße brutal am Boden. Ein weißer Beamter namens Derek Chauvin drückte ihm sein Knie in den Hals, bis Floyd keine Luft mehr bekam. Auch in diesem Punkt enthüllen die Aufnahmen laut New York Times jedoch neue Fakten. Denn sie beweisen ganz klar, dass Derek Chauvin* ganze neun Minuten und 30 Sekunden auf dem Hals des Afroamerikaners kniete. Bisher war die Öffentlichkeit von acht Minuten und 46 Sekunden ausgegangen, die Staatsanwaltschaft zog von dieser Zeit sogar noch eine Minute ab.

Floyds qualvoller Tofd stimmte auch Ex-Präsident Barack Obama tieftraurig.

George Floyd: Medizinische Hilfe kam für ihn zu spät

Was auf den Videos der Bodycams ersichtlich wird, ist auch, dass es zu Verzögerungen bei der medizinischen Versorgung von George Floyd kam, so die New York Times. „Das ist eine ganz Kette, bei der alles schiefläuft“, sagt Rohini J. Haar, ein medizinischer Experte bei Physicians for Human Rights, gegenüber der New York Times. Erst sechs Minuten nachdem die vier Beamten Floyds mit dem Gesicht nach unten zu Boden drückten und nur auf massive Zurufe von Umstehenden, kontrollierten sie seinen Puls - und spürten ihn nicht. Dennoch hielten sie ihn weiterhin in einer Position, in der er kaum Luft bekam.

Wenige Minuten später trafen die Rettungssanitäter ein und überprüften ebenfalls den Puls, aber nicht die Atmung. Anstatt Floyd anders hinzulegen, um ihn an Ort und Stelle zu versorgen, verluden sie ihn zunächst in den Krankenwagen. Es vergingen drei Minuten nach der Ankunft der Sanitäter bis George Floyd eine Herzdruckmassage bekam. Zehn Minuten nachdem man seinen Puls verloren hatte, wurde er erstmals von einem Arzt beatmet. „Sie verbrachten unvorstellbar viele Minuten damit, ihm das Hemd auszuziehen, bevor sie überhaupt seine Atmung überprüften“, schließt Dr. Haar.

George Floyds Tod führte zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus,* die nach anfänglichen Ausschreitungen größtenteils friedlich abliefen. Die neuen Aufnahmen dürften aber erneut für eine Welle der Empörung sorgen.

Im Video: Die Reaktion der Polizei auf die Proteste nach Floyds Tod beunruhigt Amnesty International

(mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Miguel Juarez Lugo/ZUMA Wire/dpa

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