Alles nur Show?

Nach CSU-Parteitag: Medien kritisieren Veranstaltung als „scheinheilig“

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CSU-Chef Horst Seehofer und Spitzenkandidat Markus Söder zeigten sich auf dem CSU-Parteitag in trauter Einigkeit. 

Auf dem Parteitag der CSU in Nürnberg bemühten sich Horst Seehofer und Markus Söder Geschlossenheit und Einigkeit zu demonstrieren. Für die Medien ein rein inszeniertes Bild. 

Nürnberg - Auf dem CSU-Parteitag standen sie einträchtig beieinander und posierten für die Kameras. Alles sah danach aus, als seien die internen Streitigkeiten der vergangenen Monate längst beigelegt. Doch einige Medienvertreter sehen die Probleme zwischen den beiden CSU-Politikern noch nicht beseitigt.

Auslöser für die internen Konflikte war vor allem die Bundestagswahl im September, bei der die CSU in Bayern auf 38,8 Prozent abgerutscht war. Für die erfolgsverwöhnten Christsozialen ein echter Tiefschlag, vor allem weil in Bayern im kommenden Jahr die Landtagswahl stattfindet. CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer geriet in den vergangenen Monaten immer mehr in die Kritik, verkündete schließlich den Ministerpräsidentenposten für seinen Parteikollegen Markus Söder frei zu machen. 

Söder und Seehofer bemühten sich um Geschlossenheit 

Auf dem Parteitag am Freitag und Samstag, wurde diese neue Konstellation nun von der Parteibasis bestätigt: Horst Seehofer wurde mit 83,7 Prozent erneut zum Vorsitzenden seiner Partei gewählt, während Söder fast einstimmig zum neuen Spitzenkandidaten der Partei ernannt wurde. Eigentlich wäre das eine gute Lösung, wären da nicht die Sticheleien und Gehässigkeiten, die sich die beiden Kontrahenten in der Vergangenheit gegeneinander geleistet hatten.

Auf dem Parteitag in Nürnberg waren Seehofer und Söder nun in jeglicher Hinsicht bemüht, Geschlossenheit zu demonstrieren - nicht nur mit symbolischen Bildern, sondern auch mit Worten. „Er kann sich auf meine Unterstützung total verlassen", versicherte etwa Seehofer mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf. Söder seinerseits lobte die „ganz hervorragende Arbeit" Seehofers für die CSU und Bayern. Er schlug ihn dann auch persönlich für die Wiederwahl zum Parteivorsitzenden vor.

„Große Harmonie-Show“, „Professionelle Scheinheiligkeit“

Was nach außen hin geschlossen wirkte, kritisieren viele Kommentatoren nun als „professionelle Scheinheiligkeit“. So kommentierte ein Autor des „SWR“: „Was für ein Schauspiel“. Die CSU habe den Personal-Wechsel als „große Harmonie-Show“ inszeniert, dass es fast schon unheimlich gewirkt habe. 

Auch die „Süddeutsche Zeitung kommt zu diesem Schluss und nannte den Parteitag „professionelle Scheinheilig“. Die Begründung des Autors für seine scharfen Worte: „Schließlich hat Seehofer den Weg für Söder ja nicht frei gemacht, weil er auf einmal von dessen politischer und vor allem charakterlicher Einzigartigkeit überzeugt wäre.“ Der CSU-Chef habe lediglich aufgegeben, weil er sonst seinen Rückhalt in der Partei völlig verloren hätte. Außerdem spreche Söder nur wohlmeinend über Seehofer, weil er dessen Zirkel für die Landtagswahl noch brauche.

Spiegel Online kommentiert die Veranstaltung ebenfalls eher skeptisch: „Fürs Erste ist wenigstens der heftige Streit der vergangenen Wochen und Monate beigelegt. Jedenfalls an der Oberfläche.”

Medien über Söder: „Putscht sich und Zuhörer“

Einig sind sich die Kommentatoren auch noch bei einem anderen Punkt: Ihrer Meinung nach, hatte die CSU einen Personalwechsel sehr nötig. „Welt.de“ hält Söder dafür auch für den passenden Kandidaten: „Er putscht sich selbst und die über 900 Zuhörer auf. Was für ein Unterschied zum 68 Jahre alten Seehofer”. 

Auch der Bayrische Rundfunk spricht sich für den neuen Mann an der CSU-Spitze aus: Söder hat als einziger beim Parteitag so etwas wie Begeisterung entfacht”, kommentiert der „Bayerische Rundfunk (BR). „Dafür gab es Standing Ovations. Vor dem Start ins Wahljahr ist das keine schlechte Voraussetzung.”

Medien: Alles hängt von der Landtagswahl 2018 ab

Für die Kommentatoren ist außerdem klar: Wie es in der CSU weiter geht, das hängt vom Ergebnis bei der Landtagswahl im kommenden Jahr ab. Der SWR kommentiert: „Bis dahin wird der Burgfrieden halten“, doch sollte Söder über 40 Prozent kommen, „werden die Karten im bayrischen Machtkampf neu gemischt“. Die Süddeutsche Zeitung sieht das ähnlich: „Die Zeit des selbstzerstörerischen Politik-Spektakels in der CSU ist vorbei - zumindest bis zum Abend der Landtagswahl.“

Der Kommentator von „Bild“ schlägt sogar noch schärfere Töne an: „Geht die Landtagswahl krachend verloren, ist das der Anfang vom Ende der CSU. Söder und Seehofer wären die Totengräber.“

afp/ak

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