Vor Veröffentlichung

Neuer Betrugsfall: „SZ Magazin“ entlarvt preisgekrönten Autor - Figuren frei erfunden

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Das „SZ MAgazin“ hat einen Betrugsfall verhindert.

Das „SZ Magazin“ hat aufgedeckt, dass ein freier Autor Teile einer Geschichte frei erfunden hatte. Der Fall erinnert an den Betrugsfall des „Spiegel“-Reporters Claas Relotius.

Update vom 20. Februar 2019, 20.50 Uhr:

Nur knapp zwei Monate nachdem der Betrugsfall um einen Spiegel-Reporter aufgedeckt worden ist, gibt es nun einen neuen, ähnlichen Fall. Nach einem Bericht des Mediendienstes Meedia hat ein freier Autor des SZ Magazins in einem Fall eine Haupt-Protagonistin seiner Geschichte frei erfunden. 

Dem SZ Magazin kamen demnach schon vor der Veröffentlichung Zweifel an dem Artikel. Auf Rückfrage habe der Autor zugegeben, dass diese berechtigt seien: „Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat eine für den Druck vorgesehene Geschichte eines freien Journalisten nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation des Magazins feststellen mussten, dass eine die Geschichte tragende Person nicht existiert“, wird eine SZ-Verlagssprecherin zitiert. Das Blatt hat sich komplett von dem Autor getrennt.

Nach Angaben von Meedia sind aber noch knapp 40 andere SZ-Artikel des Autors online abrufbar. Diese seien überprüft worden, heißt es. Und auch bei Spiegel, Spiegel Online und der Zeit Verlagsgruppe hat der freie Journalist geschrieben. Auch diese Artikel werden nun wohl überprüft.

Der Autor hatte zuvor den renomierten Henri-Nannen-Preis und den Deutschen Reporterpreis bekommen. Auch dies erinnert an den Fall Relotius.

Update vom 27. Dezember 2018, 18.30 Uhr: Betrugsfall beim „Spiegel“: Reporter äußert sich

Im Fälschungsskandal um einen ehemaligen „Spiegel“-Reporter hat der Journalist bestritten, von ihm gesammelte Spenden für sich persönlich verwendet zu haben. Die syrischen Kinder, für die Leser spendeten, existierten aber nicht. Für die Mitteilung zu den Spenden habe der Autor „die Illusion über die reale Existenz des geschilderten Geschwisterpaars aufrechterhalten“, teilte die den Journalisten Claas Relotius vertretende Anwaltskanzlei Unverzagt von Have am Donnerstag in Hamburg mit. Relotius hatte demnach nach diversen Zuschriften spendenbereiter Leser angeboten, Spendengelder über sein privates Konto zu sammeln und weiterzuleiten.

„Zu keinem Zeitpunkt hat er jedoch beabsichtigt, Spenden selbst zu vereinnahmen. Eine solche Verwendung ist auch nie erfolgt“, teilte die Anwaltskanzlei mit. Tatsächlich habe ihr Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen.

Update vom 23. Dezember 2018, 14.40 Uhr:

Der Skandal um Betrügereien und Fälschungen eines ehemaligen „Spiegel“-Reporters zieht weitere Kreise. Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, forderte eine unabhängige Untersuchung und warf dem Nachrichtenmagazin in einem Brief anti-amerikanische Berichterstattung vor. Die Chefredaktion wies den Vorwurf am Wochenende zurück. Unterdessen berichtete der „Spiegel“, dass ihr damals noch freier Mitarbeiter 2016 nicht nur eine Geschichte über angebliche syrische Waisenkinder in der Türkei in großen Teilen erfunden, sondern auch privat Spendenaufrufe an Leser verschickt habe, um angeblich den Kindern zu helfen.

Was dann aber mit dem Geld passiert sei, das auf das Privatkonto des Journalisten überwiesen wurde, sei unklar. Der „Spiegel“ kündigte an, „alle gesammelten Informationen der Staatsanwaltschaft im Rahmen einer Strafanzeige“ zur Verfügung zu stellen. Der Reporter, der im Zentrum der Affäre steht, reagierte am Wochenende nicht auf Anfragen der Deutschen Presse-Agentur.

Update vom 22. Dezember 2018, 13.47 Uhr:

Der Betrugsfall beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ beschädigt nach Ansicht des „Zeit“-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo das Genre der Reportage als Ganzes. Dies gelte insbesondere für „die Figur des Kriegsreporters, der normalerweise in Gebiete geht, in denen die Herrschenden ein besonderes Interesse daran haben, dass keine Informationen nach außen dringen“, sagte di Lorenzo in einem „Spiegel“-Interview. „Diese Reporter geraten jetzt unter Generalverdacht, weil es kaum möglich ist, ihre Recherchen vollständig nachzuvollziehen.“ Dass jetzt an der Wahrhaftigkeit von Berichten gezweifelt werde, für die Menschen ihr Leben einsetzten, das sei der eigentliche Schaden.

Der „Spiegel“ hat das Interview mit di Lorenzo in seiner neuen Ausgabe gedruckt, die seit Samstag auf dem Markt ist und den Betrugsfall im eigenen Haus zur Titelgeschichte macht. Nach Angaben des Hamburger Nachrichtenmagazins hat ein Redakteur „in großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden - er hat die Leser und seine Kollegen getäuscht“.

Di Lorenzo sagte, es müsse auch die Frage gestellt werden, ob es im Genre der Reportage zu einer Deformation gekommen sei, die alle Häuser betreffe. „Bei einigen Arbeiten, die für den Nannen-Preis eingereicht werden, frage ich mich: Ist das noch Journalismus oder schon ein Roman?“ Di Lorenzo sitzt in der Jury des Nannen-Preises, der zu den wichtigsten Auszeichnungen im deutsch­sprachigen Journalismus gehört. „Mittelmäßige und langweilige Geschichten sind und bleiben eine Zumutung! Andererseits gibt es die eine oder andere Reportage, bei der es mittlerweile so ist wie bei der Überzüchtung von Hunden oder Pferden - zu schön, um noch authentisch zu wirken“, sagte di Lorenzo.

Über den „Spiegel“-Redakteur, der im großen Stil Texte gefälscht haben soll, meinte di Lorenzo, seiner Erinnerung nach seien in den vergangenen Jahren mindestens zwei Geschichten des Journalisten in der Diskussion für die beste Reportage des Jahres gewesen. „Aber in der Jury gab es Zweifel an den Geschichten.“ Zwar sei nicht an Fälschungen gedacht worden. „Aber diese Geschichten waren von einer Glätte, Perfektion und Detailbesessenheit, dass es einige von uns nicht glauben konnten.“

Update vom 21. Dezember 2018, 20.55 Uhr:

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich wegen des Betrugsfalls beim „Spiegel“ besorgt gezeigt und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Die Enthüllungen „bereiten der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika große Sorgen“, teilte der Vertreter von US-Präsident Donald Trump in Deutschland in einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung mit. Dies sei vor allem deshalb der Fall, weil es in einigen dieser gefälschten Berichte um US-Politik und bestimmte Teile der amerikanischen Bevölkerung gegangen sei.

„US-Botschafter Richard Grenell hat diese Bedenken heute in einem Brief an die „Spiegel“-Chefredaktion dargelegt und eine unabhängige und transparente Untersuchung der Angelegenheit erbeten“, heißt es in der Mitteilung der Botschaft weiter. Ein Sprecher bestätigte auf Anfrage die Authentizität der Erklärung.

Grenell ist ein Vertrauter Trumps und gilt als wichtigster Botschafter des Präsidenten in Europa. Trump unterstellt Medien immer wieder die Verbreitung von „Fake News“. Ihm selbst wird von Kritikern aber ebenfalls vorgeworfen, es nicht so genau mit der Wahrheit zu nehmen: Nach einer Statistik der „Washington Post“ hat er in den ersten 649 Tagen seiner Amtszeit 6420 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt - im Schnitt fast zehn pro Tag.

Spiegel deckt Betrugsfall in eigenem Haus auf - Gefälschte Geschichten eines Redakteurs

Berlin - Ein Redakteur habe in „großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden“, heißt es in einem auf Spiegel Online am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Aufgedeckt worden sei der Fall nach internen Hinweisen und eigenen Recherchen. Der Redakteur hat die Vorwürfe laut „Spiegel“ eingeräumt. Er habe sein Büro am Sonntag ausgeräumt und seinen Vertrag am Montag gekündigt.

Der Journalist schrieb erst als freier Mitarbeiter für den „Spiegel“, seit anderthalb Jahren war er als Redakteur fest angestellt. Von ihm sind dem „Spiegel“ zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei Spiegel Online erschienen.

Erste Verdachtsmomente hatte es laut „Spiegel“ nach einem im November 2018 veröffentlichten Text gegeben. Der Journalist habe in mehreren Fällen eingeräumt, Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben. Seinen eigenen Angaben zufolge sind mindestens 14 Geschichten betroffen und zumindest in Teilen gefälscht.

Ein Reporterkollege, der eine Geschichte zusammen mit dem Redakteur recherchiert habe, sei misstrauisch geworden und habe Bedenken geäußert, schreibt der „Spiegel“. Ihm sei es gelungen, Material gegen den Kollegen zu sammeln.

Viele Passagen im Text erfunden 

Nach anfänglichem Leugnen, so Spiegel Online weiter, habe der Journalist eingeräumt, dass er viele Passagen nicht nur in dem einem Text, sondern auch in anderen erfunden habe. Auch sei er Protagonisten, die er in seinen Storys zitiert habe, nicht begegnet.

Vor seiner Zeit beim „Spiegel“ hatte der Journalist für mehrere andere Medien gearbeitet und auch einige Auszeichnungen erhalten.

Die Leitung des „Spiegel“ will eine Kommission aus internen und externen Experten einsetzen. Sie sollen den Hinweisen auf Fälschungen nachgehen. Die Ergebnisse sollen öffentlich dokumentiert werden, „um die Vorgänge aufzuklären und um Wiederholungsfälle zu vermeiden“, wie es auf Spiegel Online heißt. „Ausschließen lassen sie sich, auch bei bestem Willen, nicht.“

dpa 

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