Nach Shitstorm

Grünen-Sprecherin Sarah-Lee Heinrich: „Dann hätte der Shitstorm ja sein Ziel erreicht“

Sarah-Lee Heinrich
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Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin der Grünen Jugend, will sich nach dem Shitstorm nicht einschüchtern lassen. (Archivfoto)

Die Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, hat nach eigenen Angaben schon Morddrohungen erhalten. Zurückziehen will sie sich nicht. 

Update von Donnerstag, 14.10.2021, 21.15 Uhr: Die neugewählte Bundessprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, will sich nach einer Kontroverse um frühere Äußerungen von ihr und Drohungen nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen. „Dann hätte der Shitstorm ja sein Ziel erreicht“, sagte sie in einem Interview, das Zeit Online am Donnerstagabend veröffentlichte. „Ich freue mich darauf, die Grüne Jugend als Bundessprecherin zu vertreten. Gerade in Zeiten einer neuen Regierungsbildung ändert sich die Rolle der Grünen Jugend und auch unsere Verantwortung.“ 

Nachdem Heinrich am Samstag beim Bundeskongress der Grünen Jugend zur Co-Sprecherin der Nachwuchsorganisation gewählt worden war, lösten teils mehrere Jahre alte Äußerungen von ihr eine heftige Online-Kontroverse aus. 

Elke Heidenreich bei Markus Lanz: Sarah-Lee Heinrich „kann gar nicht sprechen“

Update vom Mittwoch, 13.10.2021, 7.30 Uhr: Im Polittalk von Markus Lanz* (ZDF*) wird auch die Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, thematisiert. Die 20-Jährige hatte sich zurückgezogen, weil sie mit Morddrohungen konfrontiert wurde.

Literaturkritikerin Elke Heidenreich äußert sich zur Causa und wirft Heinrich zunächst vor, „nicht sprechen zu können“. „Sie hat überhaupt keine Sprache, sie kann gar nicht sprechen.“ Das seien „Kinder, die nicht lesen“, das sei „diese Generation“. Unbenommen sei auch, dass sie „so über die Gesellschaft spricht“. Gemeint dürfte hier eine Aussage von Sarah-Lee Heinrich von 2019 sein. Seinerzeit hatte sie über eine „eklig weiße Mehrheitsgesellschaft“ gesprochen, bezugnehmend auf die Frage, ob „Fridays for Future“ auch so erfolgreich gewesen wäre, wenn People of Color die Bewegung angeführt hätten.

Literaturkritikerin Elke Heidenreich spricht über die Grüne-Jugend-Sprecherin Sarah-Lee Heinrich.

Weiter sagt Heidenreich bei Markus Lanz*: „Wenn einer aussieht wie sie, frage ich natürlich, wo kommst du her oder wo kommen Sie her.“ Dies geschehe nicht, um sie zu diskriminieren - „alle sind immer sofort diskriminiert und beleidigt“ -, sondern weil Heidenreich „sofort sehen“ würde: „Die kommt nicht aus Wanne-Eickel oder Wuppertal.“ Sie habe vielmehr Eltern, die „von woanders kommen“. Hier nachzufragen, gehöre dazu. Ein Tweet mit „Heil“ gehe aber gar nicht. Sie habe das Gefühl, das sei ein „Mädchen, das nicht genug nachdenkt“, sie sei Sprecherin der Grünen Jugend und könne „gar nicht sprechen“. „Hauptsache Migrationshintergrund, Hauptsache Quote“ - das sei der falsche Weg.

Shitstorm mit Morddrohungen: Grüne-Jugend-Sprecherin zieht sich zurück

+++ 15.30 Uhr: Die neu gewählte Bundessprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, wird aufgrund des Shitstorms nun für einige Tage die Öffentlichkeit meiden. „Sarah-Lee Heinrich erlebt gerade massive und viele Morddrohungen“, teilte das Büro der Grünen Jugend mit. „Bevor sie sich dazu äußert, wird sie sich zu ihrer eigenen Sicherheit für ein paar Tage zurückziehen“, erklärte das Büro laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel weiter.

Sarah-Lee Heinrich ist Shitstorm ausgesetzt

Erstmeldung vom Montag, 11.10.2021, 9.45 Uhr: Berlin – Noch am Montagvormittag (11.10.2021) trendete der Hashtag #sarahleeheinrich auf Twitter. Es handelt sich dabei um die neugewählte Bundessprecherin der Grünen*-Jugend, Sarah-Lee Heinrich, die beim Bundeskongress der Nachwuchsorganisation in Erfurt 93,84 Prozent der Stimmen erzielen konnte. Im sozialen Netzwerk ist sie jedoch aktuell einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt.

Sarah-Lee Heinrich, neue Bundessprecherin der Grünen Jugend, ist mit einem Shitstorm konfrontiert.

Dies nicht wegen ihrer politischen Position oder Inhalte, sondern wegen Tweets aus dem Jahr 2015. Damals war die Sozialwissenschafts-Studentin „13/14“ Jahre alt, wie sie selbst sagt: „Es kursieren Screenshots von alten Tweets von mir, die zum Teil vulgär oder beleidigend sind. Was bei den Screenshots von Tweets mit Absicht rausgenommen wird: Die sind von 2014/2015.
Da war ich 13/14 Jahre alt.“

Sara-Lee Heinrich: 20-jährige Grüne-Jugend-Sprecherin bereut alte Tweets

Auch wenn die Tweets der damaligen Jugendlichen schon ein paar Jahre zurückliegen, bedauerte sie am Montag (11.10.2021), diese veröffentlicht zu haben. „Ich wurde gerade auf einen Tweet aufmerksam, in dem mein Account im Jahr 2015 ‚Heil‘ unter einen Tweet mit Hakenkreuz kommentierte“, schrieb Sarah-Lee Heinrich auf Twitter. Sie könne sich nicht erinnern, jemals einen solchen Tweet abgesetzt zu haben – aber das mache es nicht besser. „Das war maximal dumm und unangebracht.“

Weiter betonte Heinrich, Teil einer antifaschistischen Jugendorganisation zu sein, weshalb der Tweet „in keiner Weise ihrer Position widerspiegele. „Es tut mir wirklich leid, einen solchen Tweet jemals abgesetzt zu haben.“ Der Tweet wurde inzwischen gelöscht.

Grüne-Jugend-Vorsitzende Heinrich will an ihren aktuellen Positionen gemessen werden

Heinrich war zusammen mit Timon Dzienus am Samstag (09.10.2021) zu den neuen Bundessprechern der Grünen Jugend* gewählt worden. Bereits vor ihrer Äußerung zu dem „Heil“-Tweet hatte Heinrich auf Twitter beklagt, dass Rechte seit ihrer Wahl versuchten, Shitstorms gegen sie hochzuziehen. „Haben wohl Bammel vor einer schwarzen, linken Frau.“

Nun forderte sie, nicht an Dingen gemessen zu werden, die über Jahre zurückliegen. „Messt mich und kritisiert mich gern an meinen Positionen und meiner politischen Arbeit. Ich werde mich jetzt nicht zu allem erklären, was ich mal so mit 14 gedacht und gesagt habe, das verlange ich auch von niemandem.“

Sarah-Lee Heinrich von der Grünen Jugend legt Schwerpunkt auf soziale Frage

In ihrer Bewerbungsrede in Erfurt hatte Sarah-Lee Heinrich den Schwerpunkt auf soziale Fragen gelegt. „Viele Menschen haben Angst, dass Klimaschutz bedeutet, dass es ihnen schlechter gehen wird. Das kann ich verstehen, denn auch sie wissen, wie löchrig unser Sozialstaat ist und dass sie, sobald sie arbeitslos werden, in dieser Gesellschaft nichts mehr wert sind.“ Sie kritisierte dabei einen Mangel an Ausbildungsplätzen, schlecht bezahlte Nebenjobs für Studenten und Benachteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt schrieb an die Adresse Heinrichs: „Wir machen alle Fehler. Du stehst dazu und entschuldigst dich. Danke dafür. Aber auch danke, dass du klar sagst, was ist, Ausgrenzung durch Armut, durch NichtWeissSein, durch Rassismus oder Gleichgültigkeit.“

Und um anschließend noch einmal Sarah-Lee Heinrich zu zitieren: „Ja, mir wäre auch lieber, wenn ich nicht so viel Zeug mit 14 im Internet geschrieben hätte. Hab sie auch vor Jahren schon mal gelöscht, aber leider ist es nicht so einfach, sie komplett aus dem Internet zu kriegen.“ (ktho/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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