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Ukraine-Konflikt: Explosionen, Flucht und Krieg um Kiew - Was bis Freitag passiert ist

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Von: Christina Denk

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Seit Donnerstag herrscht Krieg in der Ukraine. Am Freitagmorgen kam es zu Explosionen in Kiew. Alle Entwicklungen und Reaktionen bis Freitagnachmittag.

Kiew - Explosionen, Gefechte und Kampfaufforderungen: Seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag greift Präsident Putin die Ukraine* an. Die ersten Angriffe galten unter anderem den Raketenstützpunkten im Land. In der Nacht kam in der Ukraine-Krise* die Meldung von Explosionen in Kiew. Seitdem scheint der Krieg auch in der Hauptstadt angekommen zu sein. Was ist in den letzten Stunden alles passiert? Der Überblick zum aktuellen Stand am Freitag (25.2).

Ukraine-Konflikt: Explosionen in Kiew - Hauptstadt unter Beschuss

In der Nacht zu Freitag haben mehrere Explosionen die Hauptstadt Kiew erschüttert. Das meldete die Agentur Unian. „Schreckliche russische Raketenangriffe auf Kiew“, twitterte auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba in der Nacht. Augenzeugen berichteten über heftige Explosionen in Kiew. Diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Sicher ist jedoch: In der Hauptstadt wurde unter anderem ein mehrstöckiges Wohnhaus auf dem Ostufer des Flusses Dnipro getroffen, in dem Feuer ausbrach. Dort seien Trümmer einer Rakete eingeschlagen, teilte die Stadtverwaltung auf Telegram mit. Drei Menschen seien verletzt worden. Es sei ukrainischen Kräften gelungen, einen russischen Flugapparat abzuschießen, schrieb ein Berater des ukrainischen Innenministers. Bürgermeister Vitali Klitschko veröffentliche im sozialen Netzwerk Telegram ein Video, das Brände in mehreren Etagen des Gebäudes zeigten. Feuerwehrleute waren vor Ort. Einer der Verletzen sei in einem kritischen Zustand, schrieb er.

Ukraine-Konflikt: In Kiew wurde bei einem Raketenangriff in der Nacht ein Wohnhaus zerstört.
Ukraine-Konflikt: In Kiew wurde bei einem Raketenangriff in der Nacht ein Wohnhaus zerstört. © Emilio Morenatti/AP/dpa

Die ukrainische Armee kämpft nach eigenen Angaben gegen vordringende russische Truppen nördlich der Hauptstadt Kiew. Wie die ukrainischen Streitkräfte am Freitag bei Facebook mitteilten, kam es zu Gefechten in den Orten Dymer, sowie Iwankiw, die nördlich der Hauptstadt liegen. Dort sei „eine große Anzahl von Panzern des Feindes eingetroffen“. Auch auf dem strategisch wichtigen Flugplatz Hostomel nordwestlich von Kiew werde gekämpft, teilte der Generalstab mit. Ukrainische Truppen hielten auch dort Stand. Die Bewohner der Hauptstadt waren dazu aufgerufen, sich angesichts des Ukraine-Kriegs möglichst in Sicherheit zu bringen. Die U-Bahn-Stationen der Stadt mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern dienten als Schutzräume.

Ukraine-Konflikt: Russland rückt in die Hauptstadt vor - erste Schüsse nahe Regierungsviertel

Die ersten russischen Einheiten sollen nun bereits nach Kiew eingedrungen sein. Gegen 10 Uhr wurde in einem nördlichen Bezirk der ukrainischen Hauptstadt am Freitag von Gefechten berichtet. Ebenso habe es Schüsse in der Nähe des Regierungsviertels gegeben. Das Ministerium rief die Bevölkerung dazu auf, sogenannte Molotow-Cocktails zum Kampf vorzubereiten und Sichtungen über russische Militärtechnik zu melden. „Kommt mit ukrainischen Flaggen auf die Straßen, filmt die russischen Besatzer. Zeigt ihnen, dass sie hier nicht erwünscht sind, dass ihnen jeder Widerstand leisten wird“, hieß es in einem emotionalen Appell des ukrainischen Verteidigungsministeriums.

Die Angriffe um Kiew im Ukraine-Krieg:

Der russische Außenminister Lawrow erklärte indes erneut die „Entmilitarisierung und Entnazifizierung“ der Ukraine als Ziel. Nach der Wiederherstellung der „demokratischen Ordnung“ werde die Lage wieder Verhandlungen erlauben. Verhandlungen könne es zudem unter einer harten Bedingung geben*.

Ukraine-Konflikt: Kämpfe und Angriffe an weiteren Orten - Lage in Separatistengebieten weiter angespannt

Auch aus anderen Orten wie der Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine nahe der russischen Grenze wurden Kämpfe und Angriffe im Ukraine-Krieg gemeldet. Im Süden des Landes am Asowschen Meer sprach der Grenzschutz gegen fünf Uhr morgens von Todesopfern und Verletzten durch Raketenbeschuss auf einen seiner Posten. Der Ort Primorskyj Posad liegt an der Küste zwischen der von Russland annektierten Halbinsel Krim und dem ostukrainischen Separatistengebiet. Das ukrainische Militär geht davon aus, dass die russische Armee im Ukraine-Konflikt einen Korridor zwischen beiden Gebieten erobern will.

Auch die Lage in der Ostukraine ist weiter angespannt, so die Meldungen am späten Donnerstagabend. Das Einsatzgebiet Donezk werde aber von der Armee kontrolliert, hieß es in einem Bericht der ukrainischen Armee am Donnerstagabend. Der Beschuss durch Russland* dauere an. Eine Karte zeigt, welche Gebiete bereits unter russischer Kontrolle sind.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte angesichts der Entwicklungen schärfere Sanktionen: „Stoppt Putin. Isoliert Russland. Trennt alle Verbindungen. Schmeißt Russland aus allem raus“, schreibt er auf Twitter.

Ukraine-Konflikt: EU beschließt weitere Sanktionen gegen Russland

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten haben bei einem Krisengipfel am Freitagabend einem umfangreichen Sanktionspaket gegen Russland zugestimmt. Die Strafmaßnahmen betreffen unter anderem die Bereiche Energie, Finanzen und Transport. Zudem soll es Exportkontrollen für bestimmte Produkte sowie Einschränkungen bei der Visavergabe geben. Auch andere Länder haben angesichts der Ukraine-Krise bereits Sanktionen verhängt*.

Die Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Konflikt:

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beschwor in der Nacht zu Freitag nach den rund sechstündigen Beratungen, zu denen auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj* zugeschaltet wurde, die Einheit der EU. „Unsere Einigkeit ist unsere Stärke“, sagte sie. Der russische Präsident Wladimir Putin* versuche, die Landkarte Europas neu zu zeichnen. „Er muss und er wird scheitern.“

Uneinig waren sich die EU-Staaten den Berichten zufolge zu einem möglichen Swift-Ausschluss. Er hätte zur Folge, dass russische Finanzinstitute quasi vom globalen Finanzsystem ausgeschlossen würden. Zu den Ländern, die dieses Sanktionsinstrument zum derzeitigen Zeitpunkt ablehnen, gehört auch Deutschland im Ukraine-Konflikt. Scholz begründete diese Haltung in Brüssel mit strategischen Erwägungen. Man solle zunächst bei dem über die vergangenen Wochen vorbereiteten Sanktionspaket bleiben, sagte er. In EU-Kreisen wurde es am Donnerstag für möglich gehalten, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch zu einem Ausschluss Russlands aus Swift kommt.

Konflikt in der Ukraine: Selenskyj ordnet allgemeine Mobilmachung in Ukraine an

Angesichts des Ukraine-Krieges hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am späten Donnerstagabend eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Die Anordnung gilt der Agentur Unian zufolge 90 Tage und sieht die Einberufung von Wehrpflichtigen und Reservisten vor. Wie viele Männer betroffen sein werden, sagte der 44-Jährige nicht.

Nach ukrainischen Behördenangaben dürfen zudem männliche Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Man werde sie nicht über die Landesgrenze lassen, teilte der Leiter der ukrainischen Zollbehörde in Lemberg, Danil Menschikow, am Donnerstagabend mit. Er bat die Menschen, keine Panik zu verbreiten und nicht zu versuchen, eigenständig die Landesgrenze zu überqueren.

Ukraine-Konflikt: 100.000 Menschen auf der Flucht - 137 Soldaten bereits gestorben

Die Lage im Ukraine-Krieg spitzt sich immer weiter zu. Insgesamt sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR rund 100.000 Menschen in der Ukraine auf der Flucht. Mehrere tausend Menschen seien zudem bereits aus dem Land geflüchtet, sagte UNHCR-Sprecherin Shabia Mantoo am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Am Donnerstag, dem ersten Tag der russischen Invasion sind Angaben von Selenskyj zufolge 137 Soldaten gestorben. 316 Soldaten seien verletzt worden, so der Präsident in der Nacht zu Freitag in einer Videobotschaft. Alle aktuellen Entwicklungen am Freitag um die Ukraine lesen Sie im News-Ticker. (chd/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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