Ohne hohe Bankgebühren

Es geht auch gratis - Was ein Girokonto kosten darf

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Wer sein Geld noch auf einem Gratiskonto verwahren kann, hat gut lachen - die meisten Banken verlangen inzwischen Gebühren von ihren Kunden. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Nichts ist umsonst. Nicht einmal das Geld. Denn Banken verlangen für Konten Gebühren. Doch wie viel Geldinstitute verlangen, ist durchaus unterschiedlich. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt: Es gibt noch Gratiskonten.

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Bargeld abheben, Rechnungen bezahlen oder für das eigene Gehalt - ohne ein Girokonto kommt man kaum aus. Der Haken: Ein Konto kostet oft Geld.

Wie viel, ist äußerst unterschiedlich: Während einige Institute kostenlose Konten anbieten, sind manche beim Erfinden von Gebühren durchaus kreativ. Dabei sind Girokonten nicht nur für Kunden wichtig, sondern auch für die Geldinstitute.

"Das Girokonto ist der Dreh- und Angelpunkt für die Kundenbeziehung", sagt Martin Schmidberger von der ING-DiBa in Frankfurt am Main. Denn wer ein Girokonto hat, lässt sich eventuell auch für andere Produkte gewinnen. "Cross-Selling" wird diese Strategie im Fachjargon genannt, zu Deutsch: über Kreuz verkaufen.

Der Vorteil der Banken dabei: Sie kennen ihre Kunden in der Regel gut. "Bei der Immobilienfinanzierung ist ja oft der erste Rat: 'Gehen Sie zu Ihrer Hausbank'", sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatungin Frankfurt am Main. Schließlich hat diese einen Überblick über die finanzielle Lage.

Ein wichtiger Punkt bei dieser Strategie ist allerdings die Transparenz. "Der Kunde muss selbst entscheiden, wann er welche Dienstleistung in Anspruch nehmen will, und wissen, was ihn das kostet", sagt Schmidberger. Denn hat der Kunde einmal das Vertrauen verloren, ist er schnell bei einem anderen Anbieter.

"Gebühren für ein Konto sind durchaus in Ordnung", findet Verbraucherschützer Thomas Mai. Schließlich haben Banken ja auch Kosten. "Es muss aber Klarheit und Wahrheit herrschen", sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Hier hapert es in der Praxis mitunter aber, wie eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest für die Zeitschrift "Finanztest" (Heft 9/2017) zeigt.

Bei Preiserhöhungen sind Banken durchaus erfinderisch: Eine verband die Bargeldversorgung am Geldautomaten mit den Öffnungszeiten der Filialen. Wollten Kunden sich außerhalb der Öffnungszeiten an den Automaten bedienen, mussten sie 35 Cent pro Abhebung zahlen. Ein anderes Geldinstitut stellt den Kunden bei bestimmten Kontomodellen 50 Cent für jede Abhebung in Rechnung.

Mitunter werben Geldinstitute zwar mit einem kostenlosen Girokonto, verlangen dann aber für die Girocard eine Gebühr von 10 Euro pro Jahr. Das ist irreführend, befand die Wettbewerbszentrale und klagte vor dem Landgericht Düsseldorf. Mit Erfolg: Diese Form der Werbung erschwere für Kunden den Vergleich von Girokonten (Az.: 38 O 68/16). Die Werbung für das Kontomodell musste geändert werden.

Der Test der Stiftung Warentest zeigt aber auch: Es gibt noch kostenlose Girokonten. Von den 231 untersuchten Kontomodellen von 104 Banken und Sparkassen waren immerhin 23 Konten "ohne Wenn und Aber" gratis. Die Tester fanden nicht nur Direktbanken, sondern auch Filialbanken, die Kunden keine Gebühren für ein Konto in Rechnung stellen. Allerdings waren diese Institute regionale Anbieter.

Doch was darf ein Konto kosten? Einen festen Betrag gibt es nicht, aber eine Richtung: "Alles unter 100 Euro pro Jahr ist in Ordnung", sagt Verbraucherschützer Mai. Die Stiftung Warentest setzt die Grenze noch etwas niedriger an: "Wer mehr als 60 Euro im Jahr - die Kosten für die Kreditkarte nicht eingerechnet - für sein Girokonto ausgibt, sollte sich ein neues Konto suchen", heißt es in der "Finanztest".

"Es kommt immer darauf an, was Sie wollen", erklärt Max Herbst. Wer ohne Filiale auskommt und seine Geldgeschäfte online erledigt, könne problemlos zu einer günstigen Direktbank wechseln. "Wenn Sie aber Ihren persönlichen Berater schätzen, dann ist eine Filialbank sicher die bessere Wahl." In ländlichen Gebieten werde die persönliche Kundenbeziehung von einigen Geldinstituten auch aktiv gepflegt, weiß Herbst aus Erfahrung. "Ein solcher Service darf auch was kosten."

Wer die Kosten für sein Girokonto senken will, muss nicht immer gleich das Geldinstitut wechseln. Man kann sich auch bei der eigenen Bank erkundigen, ob es nicht günstigere Kontenmodelle gibt, raten die Experten der Stiftung Warentest. Manchmal reicht es aber schon, sein Verhalten zu ändern, um Geld zu sparen. Online-Kunden etwa zahlen oft für jede Überweisung auf Papier Gebühren. Wer den Zahlungsauftrag am Computer eingibt, kann diese Kosten vermeiden.

Auch bei der Bargeldversorgung lassen sich mitunter Gebühren sparen, erklärt Thomas Mai. Das gilt sogar, wenn kein Geldautomat der eigenen Bankengruppe in der Nähe ist. "Bargeld bekommen Sie inzwischen auch oft an der Supermarktkasse."

Checkliste der Verbraucherzentrale Bremen zum Kontowechsel

Infos zum Girokontowechsel von FMH

Test der Stiftung Warentest (z.T. kostenpflichtig)

Banken verlangen teils absurde Gebühren

Banken und Sparkassen verlangen von ihren Kunden nach Einschätzung der Stiftung Warentest teils "absurde" Gebühren für die Kontoführung. Weil sich Strafzinsen bei Privatkunden schwer durchsetzen ließen, werde mit viel Kreativität dort kassiert, wo es leicht gehe: beim Girokonto.

Die Verbraucherschützer nahmen zum Stichtag 3. Juli 231 Kontomodelle von bundesweit 104 Instituten unter die Lupe. Nur in 23 Fällen seien die Konten kostenlos "ohne Wenn und Aber", heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest (Heft 9/2017).

Häufig wird derjenige zur Kasse gebeten, der am Schalter eine Überweisung einreicht anstatt diese selbst online zu tätigen. Und auch die Girocard, die für das bargeldlose Bezahlen im Einzelhandel ebenso notwendig ist wie für das Geldabheben am Bankautomaten, lassen sich etliche Institute mit bis zu 15 Euro im Jahr teuer bezahlen.

Die Stiftung Warentest untersuchte in ihrem Kontotest alle bundesweit tätigen Institute und Direktbanken, drei Kirchenbanken, alle Sparda- und PSD-Banken sowie pro Bundesland die jeweils größten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken.

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