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BMW und Mercedes mit Abo-Modell – Schneller beschleunigen mit „Season Pass“

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Von: Josh Großmann

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PKW-Fans kommen derzeit in den Genuss, mit dem Gamer schon seit Jahren kämpfen. DLC und Season Pass gibt es jetzt schon für teure Autos.

Hamburg – Mercedes macht zurzeit Schlagzeilen mit dem „Acceleration Boost“ für elektrische Fahrzeuge, der für schlappe 1.200 US-Dollar im Jahr eine „spürbare Verbesserung der Beschleunigung“ bringt. Auch andere Autohersteller wie BMW bieten Abos mit Features an, die eigentlich bereits im Auto verbaut sind. Die Videospiel-Industrie hat diesen Trend mit Games wie Call of Duty und Fortnite gefühlt erfunden. Jetzt kommen DLCs und Season Passes fürs Auto.

DLC fürs Auto: Leistung und Sitzheizung hinter Paywall – Mercedes und BMW imitieren Videospiele

Was ist passiert? In einer Ankündigung von Mercedes präsentiert der Luxus-Autohersteller ein neues Feature, das zukünftig in Fahrzeugen der EQ-Reihe verbaut werden soll. Mit dem „Acceleration Boost“ soll man 0,8 bis 1 Sekunde schneller von 0 auf 100 kommen. Damit man auf alles zurückgreifen kann, was der im Auto eingebaute Motor zu bieten hat, soll man jedoch 1.200 USD (1.150 Euro) im Jahr bezahlen – das erinnert unweigerlich an einen Season Pass oder DLC in einem Videospiel.

Was sind Season Pass und DLC?

„DLC“ steht für „Downloadable Content“ und wird bei Videospielen für Inhalte verwendet, die erst nach Release verfügbar werden und oft kostenpflichtig dazu gekauft werden müssen, obwohl die Daten für die Inhalte schon im Spiel sind. Online-Games wie Fortnite bieten einen „Season Pass“ an, mit dem man in regelmäßigen Abständen je nach Spiel zwischen 5 und 15 Euro zahlen kann, um zusätzliche Premium-Inhalte, wie etwa kosmetische Waffenskins freizuschalten. Als Beispiel zeigen wir den Battle Pass in Warzone 2.

Bisher scheint das Feature von Mercedes noch nicht in Deutschland geplant zu sein. Jedoch gibt es auch hierzulande bereits Hersteller, die sich den DLC-Trend auf die Fahne schreiben. BMW bietet die Sitzheizung im Abo an und verlangt 17 Euro monatlich für eine Funktion, die eigentlich kein Service sein müsste. Zwar kann man die Sitzheizung auch permanent freischalten, jedoch kostet das 400 Euro – für den gleichen Preis kann man eine Sitzheizung in so ziemlich jeder Werkstatt bei jedem Fahrzeug nachrüsten lassen.

PKWs mit Season Pass und DLC – Perfide Videospiel-Masche in der Auto-Industrie

Für Gamer nichts Neues: Dieses Vorgehen wird schon seit Jahren von Gamern auf der ganzen Welt beklagt. Immer mehr Spiele unterschiedlicher Entwickler kommen im unfertigen Zustand auf den Markt. Dafür lachen einen in spieleigenen Stores monatliche Preise für einen Season Pass zusätzliche Kosten in Form von DLCs an. Dieses Geschäftsmodell ist so lukrativ, dass es eine überraschende Abwechslung ist, in einem heutigen Spiel keine Mikrotansaktionen zu finden. Jan Böhmermann kritisierte Streamer wie MontanaBlack, die auf Twitch Werbung für solche Angebote machen sollen.

2 Mercedes-PKW aus der EQ Modelle. Dazu rote Pfeile mit Preisen
Sitzheizung im Abo: BMW und Mercedes kopieren verruchtes Gaming-Geschäftsmodell © Mercedes (Montage)

In der Auto-Industrie könnte das sogar noch weitaus lukrativer sein. 100 Euro im Monat für etwas Grundlegendes, wie die volle Leistung des eingebauten Motors, werden den Herstellern ordentlich Geld einbringen. Videospiele haben anscheinend bewiesen, dass die Leute wirklich alles kaufen und im nächsten Schritt versucht die Auto-Industrie herauszufinden, wie viel sie bereit sind zu zahlen.

Schlimmer geht immer: Monatliche Bezahl-Modelle sind schon lange ein Standard geworden, der auf die Nachlässigkeit und Leidenschaft der Kunden aus ist. Immerhin können wir uns freuen, dass Autohersteller noch kein Äquivalent zu Lootboxen gefunden haben. Wobei es gar nicht so verkehrt wäre, ein paar neue Skins á la Need For Speed für das eigene Auto freizuschalten. Mit der voranschreitenden Technik werden sich aber Hacker sicherlich schon an einen Jailbreak für Mercedes, BMW und Co. setzen – was verbaut ist, kann auch genutzt werden.

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