Stiftung Warentest

Erkältung: Arzneien im Test - nur ein Medikament hilft wirklich

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Eine Erkältung hat Sie im Griff? In der Apotheke sollten Sie dann von folgenden Mitteln absehen.

Tee trinken oder doch besser zu Medikamenten greifen - jeder hat sein eigenes Rezept gegen Erkältung. Stiftung Warentest prüfte diverse Mittel - mit erstaunlichem Ergebnis. 

Die Apotheke ist voll davon: Mittel, die gegen Erkältung eingesetzt werden. Ob Nasen- oder Halsspray, medizinischen Bonbons oder pflanzlichen Tropfen - Wer Husten, Schnupfen und Fieber hat, könnte viel Geld für die Behandlung ausgeben. Doch welchen Nutzen haben Erkältungsmittel aus der Apotheke wirklich?

Stiftung Warentest kürt bestes Erkältungsmittel

Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat sich mit dieser Frage beschäftigt und eine Liste mit den günstigsten 50 rezeptfreien Medikamenten veröffentlicht. Besonders auffällig: Fast jedes Medikament wurde als "mit Einschränkung geeignet" oder sogar "wenig geeignet" deklariert.

Das einzige Präparat, das von Stiftung Warentest als geeignet für die Behandlung von Erkältungen eingestuft wurde, war das Grippostad Heißgetränk. Die Stellungnahme dazu: "Geeignet bei Erkältungen als schmerzlinderndes und fiebersenkendes Mittel."

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Video: Darf man mit einer Erkältung Sport treiben?

Die meisten Erkältungspräparate sind nur eingeschränkt zu empfehlen

Die meisten der getesteten Produkte bekamen das Urteil "nur mit Einschränkungen geeignet". Wie etwa der Bad Heilbrunner Erkältungstee. Hier heißt es: "Mit Einschränkung geeignet zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen. Der Tee trägt zur ausreichenden Flüssigkeitszufuhr bei."

Video: Aus diesem Grund warnt TÜV Süd warnt vor mancher Arznei  

Als nur eingeschränkt empfehlenswert bei Erkältungen werden von Stiftung Warentest unter anderem diese Arzneien geführt:

  • Echinacea STADA Classic (Lösung), Echinacin Saft und Esberitox mono Tropfen: "Mit Einschränkung geeignet zur unterstützenden Behandlung bei häufig wiederkehrenden Atemwegsinfekten. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen."
  • Kneipp Erkältungsbad Spezial, Pinimenthol Erkältungsbad, Transpulmin Erkältungsbalsamund Pinimenthol Erkältungsbalsam mild: "Mit Einschränkung geeignet zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen."
  • Symbioflor 1 (Suspension): "Mit Einschränkung geeignet, um die Häufigkeit von ständig wiederkehrenden Atemwegsinfekten zu verringern. Die bisher vorliegenden Studien reichen noch nicht aus, um den therapeutischen Stellenwert abschließend zu bestimmen."

Die nächste Erkältungswelle rollt an? Hausmittel & Medikamente, die Sie schnell wieder fit machen.

"Wenig geeignet zur unterstützenden Behandlung von Atemwegsinfekten"

Ein Präparat, das als unnütz für die Behandlung von Erkältungssymptomen befunden wurde, war Esberitox Compact. Hier heißt es in der Veröffentlichung von Stiftung Warentest: "Wenig geeignet zur unterstützenden Behandlung von Atemwegsinfekten, weil die therapeutische Wirksamkeit der Einzelwirkstoffe und der Kombination nicht ausreichend nachgewiesen ist." 

Als wenig wirkungsvoll bei Erkältungen stuft die Stiftung Warentest unter anderem folgende Präparate ein:

  • WICK VapoRub (Salbe): "Wenig geeignet bei Erkältungen. Nicht sinnvolle Kombination von vier verschiedenen ätherischen Ölen."
  • WICK MediNait Erkältungssirup mit Honig- und Kamillenaroma (Sirup) und WICK MediNait Erkältungssirup für die Nacht (Saft): "Wenig geeignet bei Erkältungen und grippalen Infekten, weil das Mittel nicht sinnvoll zusammengesetzt ist. Die einzelnen Erkältungssymptome sollten jeweils für sich behandelt werden."

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  • Pulmotin (Salbe): "Wenig geeignet bei Atemwegserkrankungen und grippalen Infekten. Nicht sinnvolle Kombination von sechs verschiedenen ätherischen Ölen. "
  • Angocin Anti-Infekt (Filmtabletten): "Wenig geeignet bei akuten Atemwegserkrankungen und grippalen Infekten, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist."

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Warum Kombipräparate wenig Sinn bei Erkältungen ergeben

Von Kombipräparaten rät die Stiftung Warentest ebenfalls ab. Wichtig bei der Behandlung sei generell, dass jedes Symptom einzeln bekämpft werden muss. Wer also Husten und Halsweh hat, sollte sich für ein gutes Husten- und ein gutes Halsschmerzmittel entscheiden.

Kombipräparate wie Grippostad C, Aspirin Complex oder Wick MediNait versprechen Stiftung Warentest zufolge zwar die Linderung mehrerer Beschwerden gleichzeitig, seien aber bei Erkältung weniger geeignet. Der Grund: Symptome wie Halsweh und Fieber treten oft hintereinander und in verschiedener Intensität auf, weshalb das Gießkannenprinzip der Kombipräparate nicht nötig ist - und sogar das Risiko für Nebenwirkungen steigert.

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jg

Globuli: Was hinter homöopathischen Arzneien steckt

In den meisten homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff mehr nachweisbar. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
In den meisten homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff mehr nachweisbar.  © Franziska Gabbert
Für den Hausgebrauch kann man verschiedene Globuli in fertigen Sets kaufen. Die Apotheken verkaufen jährlich homöopathische Mittel im Wert von mehr als 500 Millionen Euro. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Für den Hausgebrauch kann man verschiedene Globuli in fertigen Sets kaufen. Die Apotheken verkaufen jährlich homöopathische Mittel im Wert von mehr als 500 Millionen Euro.   © Franziska Gabbert
Mehr als jeder zweite Deutsche hat schon mal homöopathische Arzneien wie diese Kügelchen genommen. Viele berichten, dass sie ihnen zumindest manchmal helfen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Mehr als jeder zweite Deutsche hat schon mal homöopathische Arzneien wie diese Kügelchen genommen. Viele berichten, dass sie ihnen zumindest manchmal helfen.   © Franziska Gabbert
Sich selbst bei leichten Beschwerden mit Globuli wie diesen zu behandeln, halten Experten in Deutschland für unbedenklich. Die Arzneien werden strengen Kontrollen unterzogen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Sich selbst bei leichten Beschwerden mit Globuli wie diesen zu behandeln, halten Experten in Deutschland für unbedenklich. Die Arzneien werden strengen Kontrollen unterzogen  © Franziska Gabbert
Natalie Grams hat selbst jahrelang Menschen homöopathisch behandelt. Heute kritisiert sie ihre ehemaligen Kollegen. Etwas Gutes hat die Homöopathie für sie aber nach wie vor. Foto: Gudrun-Holde Ortner/dpa-tmn
Natalie Grams hat selbst jahrelang Menschen homöopathisch behandelt. Heute kritisiert sie ihre ehemaligen Kollegen. Etwas Gutes hat die Homöopathie für sie aber nach wie vor.   © Gudrun-Holde Ortner
Manfred Schedlowski ist Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Placeboeffekt. Foto: Manfred Schedlowski/dpa-tmn
Manfred Schedlowski ist Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Placeboeffekt.  © Manfred Schedlowski

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