Fette Kalorienbomben?

Stiftung Warentest: Sind Gemüsechips in Wahrheit ungesund?

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Sie sind lecker, bekömmlich und gelten als gesund: Doch Stiftung Warentest behauptet jetzt das Gegenteil.

Gemüsechips gelten als die gesündere Alternative zu Kartoffelchips. Doch wie gut sind die Knabber-Alternativen wirklich? Stiftung Warentest macht den Test.

Bunt, knackig und voller Vitamine: So werden Gemüsechips von Herstellern beworben. Diese bestehen meist aus Süßkartoffeln, Rote Beete, Pastinaken oder Karotten. Das Herstellerversprechen: Sie sollen viel gesünder als herkömmliche Kartoffelchips sein. Letztere sollen dagegen nur so vor Fett und zu vielen Kalorien strotzen. Und auch der Preis ist oftmals happig.

Stiftung Warentest: Sind Gemüsechips wirklich besser als Kartoffelknabbereien?

Doch sind Gemüsechips wirklich die bessere Alternative, um guten Gewissens vor dem Fernseher zu knabbern? Stiftung Warentest hat den neuen Ernährungs-Trend unter die Lupe genommen - und kommt zu einem beunruhigenden Ergebnis: Die gehypten Chips aus Rote Beete & Co. schmecken weder gut noch helfen sie beim Abnehmen.

Im Gegenteil. Die Trend-Knabbereien, die es auch in der Bio-Variante gibt, sind wahre Kalorienbomben - und sollen zudem viele Schadstoffe enthalten. Stiftung Warentest hat dazu 15 Gemüsechips-Mischungen untersucht - und hat zu meckern:

"Das Gros der Produkte ist mittel­mäßig, schmeckt und riecht fettig, ist brandig im Geschmack oder hat teils eine pappige Konsistenz. Drei sensorisch heraus­ragende Produkte haben wir dennoch gefunden, einem davon verliehen unsere Tester sogar die – im Prüf­punkt Sensorik seltene – Bestnote 1,0", so das Fazit des Verbraucherportals.

Doch zuerst die Verlierer im Test: Angeblich schneiden die Gemüsechips von Tegut, Tyrells und Svenska Lant Chips sowie die Netto-Hausmarke Clarkys nur mangelhaft ab. Diese sollen bedenkliche Mengen Acrylamid aufgewiesen haben, zudem sei ein Produkt stark mit Nitrat belastet gewesen. Ersteres soll sich in Tierversuchen als krebserregend herausgestellt haben.

Gesunder Knabberspaß sieht anders aus - doch den Verbrauchern wird genau das versprochen. So waren 40 Prozent der Umfrage-Teilnehmer davon überzeugt, sich mit Chips aus Karotte & Co. etwas Gutes zu tun. Sie gaben an, auf weniger Kalorien und Salz und als leckere Alternative zu rohen Gemüsesticks zu hoffen.

So hat Stiftung Warentest 15 Gemüsechips-Mischungen getestet

Die Gemüsechips wurden nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Aussehen
  • Geruch
  • Geschmack
  • Mundgefühl

Testsieger wurden hier allerdings nur drei der 15 untersuchten Chips: die von Seeberger, Funny Frisch und Trafo. Doch für mehr Qualität müssen die Verbraucher auch tiefer in die Taschen greifen: Diese kosten nämlich zwischen 3,20 bis zu 4,15 Euro pro 100 Gramm.

Am besten und auch teuersten ist hier das Produkt von Seeberger. Die Tester fanden die Gemüsechips der Marke so gut, dass sie sogar die Bestnote von 1,0 erhielt. "Die einzelnen Gemüsesorten der Sieger-Chips unterscheiden sich durch einen kräftigen, aromatischen Eigen­geschmack. Sie sind kaum fettig, aber dennoch knusp­rig", schließt Stiftung Warentest.

Der Grund für die bessere sensorische Qualität der Siegerprodukte soll an dem unterschiedlichen Frittierverfahren der Hersteller liegen. Diese frittierten das Gemüse im Vakuum.

Sie minimieren den Luft­druck in der Fritteuse, der Siede­punkt sinkt. So verdampft das Wasser schon bei nied­rigeren Temperaturen von maximal 130 Grad aus den Chips. Das soll Nähr­stoffe, den natürlichen Geschmack und das Aussehen des Gemüses schonen.

Acrylamid, Nitrat und viele Kalorien: Das Fazit von Stiftung Warentest

Die Frittier­temperatur beein­flusst auch, wie viel Acrylamid entsteht. Laut Bundes­verband der Süßwaren­industrie konnten die Hersteller zwar den Gehalt in den vergangenen Jahren stark senken, auf im Schnitt weniger als 500 Mikrogramm Acrylamid pro Kilo Chips.

Der EU-Richt­wert, an dem sich die Chips-Macher orientieren, liegt allerdings aktuell noch bei 1.000 Mikrogramm. Hier konnten die Testsieger punkten: Sie wiesen alles Werte von um die 400 Mikrogramm pro Kilogramm auf.

Dennoch trügt der Schein, dass Gemüsechips für Natur pur stehen. Auch wenn die Rohstoffe auf den Packungen abgebildet sind, dürfen Verbraucher nicht dem Irrtum aufsitzen, dass diese per se gesünder sind. Allein von den Kalorien stehen diese den Kartoffelchips in nichts nach - so haben die Tester herausgefunden, dass sie ebenfalls durchschnittlich 523 Kilokalorien pro 100 Gramm aufwiesen.

Der Grund dafür: Die Gemüsesorten sind von Natur aus häufig deutlich zuckerreicher als Kartoffeln. Durch das Trocknen erhöht sich die Konzentration weiter. Daher sind sie vielleicht eine leckere Knabber-Alternative - gesünder sind sie allerdings nicht.

Auch Kokosöl wird als Superfood gehypt - aber ist es wirklich so gesund? Lesen Sie hier mehr darüber.

Auch interessant: Warum Sie Chips und Avocados besser einfrieren sollten.

jp

Pastinake, Sellerie und Co: Altes Gemüse neu inszeniert

Zum Gemüsebratling passt als Beilage ein Pastinakenpürree. Foto: Mascha Brichta
Zum Gemüsebratling passt als Beilage ein Pastinakenpürree. Foto: Mascha Brichta © Mascha Brichta
Pastinaken sind vielfältig: Sie schmecken roh, gekocht, gebraten, geschmort oder püriert. Foto: Mascha Brichta
Pastinaken sind vielfältig: Sie schmecken roh, gekocht, gebraten, geschmort oder püriert. Foto: Mascha Brichta © Mascha Brichta
Das Petersilienwurzel-Müsli ist eine Spezialität in Thomas Bühners Restaurant "La Vie". Foto: La Vie/Michael Holz
Das Petersilienwurzel-Müsli ist eine Spezialität in Thomas Bühners Restaurant "La Vie". Foto: La Vie/Michael Holz © Michael Holz
Klassiker: Aus Petersilienwurzel lässt sich eine leckere Cremesuppe machen. Foto: Umschau Verlag/Angela Francisca Endress
Klassiker: Aus Petersilienwurzel lässt sich eine leckere Cremesuppe machen. Foto: Umschau Verlag/Angela Francisca Endress © Angela Francisca Endress
Schnitzelersatz: Selleriescheiben oder -sticks lassen sich hervorragend blanchieren, panieren und braten. Foto: Umschau Verlag/Angela Francisca Endress
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