Vollkorn und Verdauungsschnaps: Mythen rund ums Essen

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Der Schnaps nach dem Essen ist für viele ein liebgewonnenes Ritual. Stimmt es, dass er die Verdauung ankurbelt?

Manche Ernährungsmythen halten sich über Generationen, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Welche Regeln sind längst überholt - und welche haben doch ihre Berechtigung?

Essen am Abend macht dick, Tomatenstrunk ist giftig, und nur dunkles Brot ist gesund. Mythen rund ums Essen gibt es viele - stimmen müssen sie deswegen aber noch lange nicht. "Grund für Ernährungsmythen sind oft Unsicherheiten, zum Beispiel bei der Frage, ob man Käserinde mitessen darf", meint Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Oft würden bestehende Verhaltensweise auch einfach nicht infrage gestellt und so über Generationen weitergegeben. Manche Legenden haben aber auch einen wahren Kern. Ein Überblick:

1. Ist dunkles Brot gesünder als helles Brot?

Dunkles Brot ist gesünder als helles Brot? Bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl ist die Vollkornvariante die beste Wahl für die Gesundheit, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). "Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe als Weißmehlprodukte." Aber: Nicht jedes dunkle oder körnige Brot oder Brötchen ist auch ein Vollkornprodukt. "Brötchen kann man auch mit Malzextrakt dunkel und mit Sonnenblumenkernen körnig machen", sagt Silke Restemeyer.

Nur wenn auf der Zutatenliste "Vollkorn" steht, muss auch Vollkornmehl oder -schrot enthalten sein. Und wenn das Wort "Vollkorn" sogar im Namen des Produkts vorkommt, enthält es mindestens 90 Prozent Vollkornmehl. "Brote oder Brötchen mit Bezeichnungen wie "Vollwert", oder "Mehrkorn" sind meist nicht aus Vollkorn-, sondern aus Auszugsmehl hergestellt und mit Ölsaaten wie Leinsamen oder Sonnenblumenkernen versehen", erklärt Restemeyer.

2. Spinat darf man nicht noch einmal aufwärmen?

Das stimmt so nicht. Denn diese Ernährungsregel ist sehr alt. "Sie stammt noch aus Zeiten, in denn es keinen Kühlschrank gab", sagt Monika Bischoff, Vorstandsmitglied im Berufsverband Oecotrophologie. Das Problem sei nicht das zweite Aufwärmen, sondern das langsame Abkühlen: Kühlt gekochter Spinat nur langsam ab, wandeln Bakterien im mittleren Temperaturbereich ungefährliches Nitrat in schädliches Nitrit um. Packt man Spinat dagegen sofort nach dem Kochen luftdicht verpackt in den Kühlschrank, verhindert das die Nitritbildung.

3. Pilze darf man nicht noch einmal aufwärmen?

Das ist ähnlich wie beim Spinat: Auch bei Pilzen ist das Aufwärmen an sich nicht problematisch. "Bei günstigen Bedingungen können sich in Pilzgerichten sehr leicht Keime vermehren", sagt Restemeyer. Dabei entstehen toxische Amine, die beim Menschen zu schweren Unverträglichkeitserscheinungen führen können. "Reste sollten deshalb schnell abgekühlt und nicht länger als 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden." Beim Aufwärmen sollten Pilze schnell durcherhitzt werden.

4. Tomatenstrunk ist giftig?

Die grünen Stellen an der Tomate enthalten Solanin. "Dieses Gift dient der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen", erklärt Seitz. Bei Menschen können Vergiftungserscheinungen wie Kopf- und Bauchschmerzen auftreten, wenn sie sehr viel Solanin aufnehmen. Dafür müsste ein Erwachsener aber eine sehr große Menge unreifer Tomaten oder Strünke essen. Das sei praktisch kaum der Fall, sagt der Experte.

5. Kaffee entzieht dem Körper Wasser?

"Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht", sagt Restemeyer. Denn Kaffee werde wie alle anderen Getränke in die Flüssigkeitsbilanz einbezogen. Insgesamt sollte ein körperlich wenig aktiver Erwachsener bei mitteleuropäischen Temperaturen pro Tag etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. "Dabei machen Speisen aber schon 1 Liter aus, nur die restlichen 1,5 Liter müssen zusätzlich durch Getränke aufgenommen werden", erklärt die Expertin.

6. In der Schale von Obst und Gemüse sind die meisten Vitamine?

Das stimmt. Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sitzen bei Obst und Gemüse direkt in oder unter der Schale, erklärt Restemeyer. "Deshalb ist es wichtig, Obst und Gemüse mit Schale zu genießen." Der Vorteil überwiege die gesundheitlichen Gefährdung durch mögliche Pestizide in der Schale. "Wer ganz sichergehen will, kauft Bioprodukte, vor allem dann, wenn man die Schale von Früchten wie Orangen oder Zitronen verwenden möchte."

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7. Superfood macht fit und beugt Krankheiten vor?

Stimmt nur teilweise. "Sogenanntes Superfood sind Lebensmittel mit besonders vielen Nährstoffen", erklärt Monika Bischoff. Eine offizielle Definition des Begriffs gebe es aber nicht. Ob ein Lebensmittel wirklich fit macht und Krankheiten vorbeugen kann, hänge vom jeweiligen Produkt ab. "Heimisches Superfood wie zum Beispiel Kohl ist gesund und macht fit", sagt sie. Von exotischen Lebensmitteln wie Chiasamen oder Acaipulver rät sie dagegen ab: "Diese Produkte sind oft stark verarbeitet und können sogar mit Schimmel belastet sein."

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Himbeeren, Brombeeren oder Heidelbeeren: Alle sind sie lecker, erfrischen und gelten als krebshemmend. Zudem enthalten sie viel Antoxidantien, die die Haut geschmeidig halten.
Himbeeren, Brombeeren oder Heidelbeeren: Alle sind sie lecker, erfrischen und gelten als krebshemmend. Zudem enthalten sie viel Antoxidantien, die die Haut geschmeidig halten. © pixabay
Auch der gesunde Brokkoli wirkt antioxidativ und soll das Wachstum von Krebszellen hemmen. Spanische Forscher haben allerdings jetzt gezeigt, dass 85 Prozent der Antioxidantien in der Mikrowelle verloren gehen. Daher besser im Wasserdampf garen.
Auch der gesunde Brokkoli wirkt antioxidativ und soll das Wachstum von Krebszellen hemmen. Spanische Forscher haben allerdings jetzt gezeigt, dass 85 Prozent der Antioxidantien in der Mikrowelle verloren gehen. Daher besser im Wasserdampf garen. © pixabay
Laut Tuck ist Ingwer nicht nur optimal, um Grippebeschwerden zu lindern, sondern soll dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften auch dem Alterungsprozess entgegenwirken.
Laut Tuck ist Ingwer nicht nur optimal, um Grippebeschwerden zu lindern, sondern soll dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften auch dem Alterungsprozess entgegenwirken. © pixabay
Fetter Seefisch wie Lachs ist dank seiner vielen Omega-3-Fettsäuren nicht nur gut für die Linie, sondern auch optimales Nervenfutter fürs Gehirn.
Seefisch wie Lachs ist dank seiner vielen Omega-3-Fettsäuren nicht nur gut für die Linie, sondern auch optimales Nervenfutter fürs Gehirn. © pixabay
Leinsamenöl wird als fleischlose Variante von Veganern schon lange gepriesen: Schließlich ist das Power-Food ebenfalls voll gepackt mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren.
Leinsamenöl wird als fleischlose Variante von Veganern schon lange gepriesen: Schließlich ist das Power-Food ebenfalls voll gepackt mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren. © pixabay
Traubenkernextrakt gibt es auf dem Markt in Pillen- und sogar Pulverform zu kaufen. Kein Wunder - schließlich stecken in dem unscheinbaren Anti-aging-Wundermittel Oligomere Proanthocyanidine, auch OPC genannt. Diese pflanzlichen Stoffe gehören zur Gruppe der Flavonoide und sollen schön und vital machen.
Traubenkernextrakt gibt es auf dem Markt in Pillen- und sogar Pulverform zu kaufen. Kein Wunder - schließlich stecken in dem unscheinbaren Anti-aging-Wundermittel Oligomere Proanthocyanidine, auch OPC genannt. Diese pflanzlichen Stoffe gehören zur Gruppe der Flavonoide und sollen schön und vital machen. © pixabay
Zwiebeln und Knoblauch kommen in fast jedem Gericht vor - doch die wenigsten wissen, warum sie so gesund sind. Doch sie enthalten schwefel- und sulfidhaltige Substanzen, die vor (Magen-)Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Außerdem haben sie einen hohen Gehalt des Flavonoids Quercetin. Dieses wirkt antioxidantiv - und hilft dem Körper bei der Abwehr freier Radikale.
Zwiebeln und Knoblauch kommen in fast jedem Gericht vor - doch die wenigsten wissen, warum sie so gesund sind. Doch sie enthalten schwefel- und sulfidhaltige Substanzen, die vor (Magen-)Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Außerdem haben sie einen hohen Gehalt des Flavonoids Quercetin. Dieses wirkt antioxidantiv - und hilft dem Körper bei der Abwehr freier Radikale. © pixabay

8. Gefrorenes Essen verdirbt nicht?

Stimmt so nicht. "Einfrieren ist eine empfehlenswerte Methode, um Lebensmittel mittel- bis langfristig aufzubewahren", sagt Silke Restemeyer. Durch das Lagern bei Temperaturen von minus 18 Grad blieben Nährstoffe, Geschmack und das Aussehen weitestgehend erhalten. Mit der Zeit fänden aber trotzdem Abbauprozesse statt. Sie sorgen dafür, dass die Lebensmittel irgendwann nicht mehr gut schmecken.

"Fett wird beispielsweise durch Sauerstoff oxidiert und mit der Zeit ranzig", erklärt Restemeyer. Die maximale Lagerzeit im Tiefkühlfach betrage für Fleisch je nach Art drei bis zwölf Monate, für Gemüse sechs bis zwölf und für Obst acht bis zwölf Monate. Fertige Speisen seien bis zu drei Monate haltbar. Silke Restemeyer rät: "Wer die Verpackung direkt mit Einfrierdatum, Menge und Inhalt beschriftet, behält einen besseren Überblick über seinen Vorrat."

9. Käserinde darf man nicht mitessen?

Kommt drauf an. Entscheidend ist, wie die Rinde entstanden ist. "Natürlich gereifte sowie unbehandelte Käserinden sind essbar und geben wie etwa bei Edelschimmelkäse ein besonderes Aroma", erklärt Seitz. Künstliche Käserinden aus Wachs oder Kunststoff seien dagegen nicht zum Verzehr geeignet. "In diesem Fall muss sich ein Hinweis auf der Verpackung stehen." Auch wenn der Käse laut Packung mit Natamycin, einem Zusatzstoff zur Schimmelverhütung, behandelt wurde, sollte man die Rinde nicht essen.

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10. Abends essen macht dick?

"Wer zu viele Kalorien zu sich nimmt, nimmt zu. Wer zu wenig Kalorien zu sich nimmt, nimmt ab", sagt Monika Bischoff. Für Gesunde in einer normalen Gewichtsgruppe sei es irrelevant, wann sie das Essen einnehmen. "Wer abnehmen möchte, kann aber trotzdem ausprobieren, abends auf das Essen zu verzichten", sagt die Ökotrophologin. Vielen Menschen falle es leichter, am Abend auf eine Mahlzeit zu verzichten als zum Beispiel auf das Frühstück.

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11. Ein Schnaps nach dem Essen hilft der Verdauung?

Das stimmt nicht, sagt Restemeyer. Alkohol rege zwar die Magensäureproduktion an, könne möglicherweise ein Enzym zur Eiweißverdauung im Magen stimulieren und habe eine betäubende Wirkung auf die Magennerven. "Er hilft aber nicht bei der Fettverdauung." Vielmehr spalte der Verdauungstrakt vor dem Fett erst einmal den Alkohol auf, weil er auf diese Weise einfacher Energie gewinnt. "Durchsetzt mit Schnaps wird fettreiche Kost also eher langsamer verdaut."

Die erhöhte Magensäureproduktion trägt allerdings dazu bei, dass eiweißreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Fleisch und Eier besser verdaut werden. "Die Nahrung wird schneller zerkleinert und weich gemacht, sodass dadurch einem Völlegefühl besser entgegengewirkt werden kann, auch wenn die Nahrung länger im Magen verweilt." Die narkotische Wirkung des Alkohols schwächt ein unangenehmes Völlegefühl zusätzlich ab.

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dpa

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Kresse als gesundes Würzmittel: Wer Kräuter und Gewürze verwendet, kann Gerichte ganz ohne Kochsalz verfeinern. Auch Basilikum, Koriander, Curry, Ingwer, Thymian usw. gehören zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Besonders Kurkuma soll Cholesterin senken und so die Entwicklung von Herz-Kreislaufkrankheiten verhindern. © dpa/Patrick Pleul
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Es wird diskutiert, ob ein niedriger Vitamin-C-Spiegel im Blut Herzkrankheiten fördert. Zitrusfrüchte wie Zitronen, Orangen aber auch anderes Obst wie Papaya enthalten besonders viel Vitamin C. Dieses soll die Blutgefäße stärken, vor oxidativem Stress schützen und die Aufnahme von Cholesterin hemmen. © Susann Prautsch/dpa
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Blattgemüse wie Spinat enthält Antioxidantien, Ballaststoffe und gesunde Fette und schützt so die Arterien. Brokkoli ist auch ein wahrer Gesundmacher mit Vitamin C, E, Kalium, Kalzium und Ballaststoffen - alles wichtig für ein gesundes Herz. © Jens Kalaene/dpa
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In dunkler Schokolade (mindestens 70 Prozent Kakao-Anteil sollten es sein) stecken Flavonoide und andere pflanzliche Verbindungen, die einen positiven Effekt auf den Cholesterinspiegel haben. Einen Haken gibt es: In Schokolade ist viel Zucker und ungesundes Fett enthalten, weshalb man sie nicht in rauen Mengen essen sollte. Rohkakao ist eine gesunde Alternative. © Oliver Berg/dpa
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Omega-3-Fettsäuren sollen gutes Cholesterin erhöhen, Entzündungen im Körper hemmen und das Risiko für Herzerkrankungen senken. Vor allem in Seefisch wie Forelle, Makrele, Lachs und Sardine ist viel enthalten. Gute Omega-3-Lieferanten sind außerdem Samen wie etwa Chia und Sesam. © Daniel Bockwoldt/dpa
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Wer häufig Ballaststoffe isst, reduziert das Risiko Herz-Kreislaufkrankheiten zu bekommen. Vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen liefern viele Ballaststoffe, aber auch Vollkornprodukte, Getreide wie Amaranth und Dinkel, Obst und Gemüse. © Andreas Gebert/dpa
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