Übermäßiger Haarwuchs

Werwolf-Syndrom: Bizarre Genmutation macht 13-Jährigen zu "Wolfsjungen"

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Ein Besucher der Rosenmontagszüge in Hessen - als Werwolf verkleidet. Hypertrichose-Betroffene werden umgangssprachlich auch als Wolfsmenschen bezeichnet.

Der 13-jährige Lalit Patidar aus Indien ist anders als seine Schulkameraden: Er hat lange Haare im Gesicht! Weshalb er oft darunter leidet und welches Ziel ihn hoffen lässt.

Werwölfe mutieren bei Vollmond zu Wesen, die unschuldigen Menschen auflauern und nur mit Silber-Kugeln getötet werden können: Soviel zum Mythos über Werwölfe, die in Filmen und Büchern den Lesern das Fürchten lehren. Auch im echten Leben gibt es "Wolfsmenschen", die im Gesicht oder auch am ganzen Körper behaart sind. Betroffene haben zwar rein gar nichts mit Werwölfen gemeinsam, trotzdem spricht man bei dem Leiden vom Werwolf-Syndrom, unter dem auch der kleine Lalit Patidar aus Indien leidet.

Werwolf-Syndrom: Mit Steinen beworfen und beschimpft wegen langen Haaren im Gesicht

Eine sehr seltene Genmutation lässt lange Haare bei ihm auch dort wachsen, wo sie für Menschen untypisch sind: etwa im Gesicht. Der 13-jährige Lalit unterscheidet sich deshalb extrem von seinen Mitmenschen, was immer wieder zu Spott und Häme führt. Einmal hatte man ihn sogar mit Steinen beworfen und ihn als Affen beschimpft, wie das britische News-Portal Daily Mirror berichtete.

Das Portal zitiert den Jungen: "Manchmal wünschte ich mir, ich wäre wie andere Kinder, aber ich kann nicht viel dagegen (Anm. der Redaktion: gegen seine Gesichtsbehaarung) tun." Lalit akzeptiert seine Körperbehaarung zwar, hofft aber dennoch auf eine Operation, damit Kinder, die er neu kennenlernt, mit ihm spielen wollen und sich nicht mehr vor ihm fürchten.

"Wolfsjunge" akzeptiert sein Schicksal mit Werwolf-Syndrom

Lalit Patidar ist eines von sechs Kindern, seine fünf Schwestern mögen ihn so, wie er ist. Auch in der Schule und in seinem Heimatdorf ist seine Körperbehaarung für niemanden ein Problem. Als ihn seine Mitschüler noch nicht kannten, war das anders und er wurde misstrauisch beäugt. Doch heute behandeln ihn alle an seiner Schule wie jeden anderen. Nur wenn er sich außerhalb seiner gewohnten Umgebung aufhält, kommen Schaulustige, die ihn teilweise sogar beschimpfen. Der 13-jährige kam bereits behaart zur Welt. Seine Eltern waren bereits bei vielen Ärzten, doch keiner konnte ihnen helfen

Daher nimmt Lalit sein Schicksal tapfer an und hat große Pläne: Der Junge möchte Polizist werden: "Ich möchte mich der Polizei anschließen und alle Diebe und Verbrecher ins Gefängnis stecken, wenn ich groß bin", sagte er. Sein Ziel: Mit dem Geld später seine Eltern unterstützen, die immer hinter ihm stehen.

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Wolfsmenschen: Was ist Hypertrichose, auch Werwolf-Syndrom genannt?

Hypertrichose ist der Fachbegriff für eine übermäßige Körperbehaarung im Gesicht, an den Armen oder anderen Körperstellen. Betroffene werden umgangssprachlich auch Wolfsmenschen genannt. Eine vererbbare Genmutation führt zum abnormal starken Haarwuchs, der das Sehen und Atmen beeinträchtigen kann.

Das auch als Werwolf-Syndrom bezeichnete Leiden ist nicht heilbar, die betroffenen Stellen können allerdings mit Lasertechnik enthaart werden. Der Effekt ist aber nicht von Dauer: Die Haare wachsen nach der Prozedur wieder nach.

Mehr über seltene Krankheiten: Riesige Warzen-Finger - "Baum-Mann" aus Bangladesch wieder im Krankenhaus.

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jg

Seltene Krankheit: Mit Kollagenosen leben lernen

Wer sich ein Tattoo stechen lässt, glaubt in der Regel, es für immer behalten zu wollen. Überlegt man es sich anders, ist es nicht so einfach, die Farbe in der Haut wieder loszuwerden. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn
Wer sich ein Tattoo stechen lässt, glaubt in der Regel, es für immer behalten zu wollen. Überlegt man es sich anders, ist es nicht so einfach, die Farbe in der Haut wieder loszuwerden. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn  © Jörg Donecker
Prof. Dr. med. Christian Raulin entfernt mittels Laser ein Tattoo auf dem Fußrücken. Um eine solche Körperbemalung wieder wegzubekommen, sind in der Regel mehrere Sitzungen notwendig. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn
Prof. Dr. med. Christian Raulin entfernt mittels Laser ein Tattoo auf dem Fußrücken. Um eine solche Körperbemalung wieder wegzubekommen, sind in der Regel mehrere Sitzungen notwendig. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn  © Jörg Donecker
Mit einem Laser lassen sich Tätowierungen heute entfernen. Wie gut das gelingt, hängt auch von der Farbe des Tattoos ab. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn
Mit einem Laser lassen sich Tätowierungen heute entfernen. Wie gut das gelingt, hängt auch von der Farbe des Tattoos ab. Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn  © Jörg Donecker
Prof. Dr. med. Christian Raulin ist Facharzt für Dermatologie in Karlsruhe und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Foto: Jörg Donecker/dpa-tmn
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Christiane Manthey arbeitet bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Foto: Wolfram Scheible/Verbraucherzentrale Baden-Württemberg/dpa-tmn
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