Bypass oder Amboss

Test: Kaum Leistungsunterschiede bei Astscheren

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Astscheren fügen dem Holz kleinere Verletzungen zu als eine Säge. Doch es gibt große Unterschiede. Foto: selbst ist der Mann/dpa

Bäume mit Kernobst wie Apfel oder Birne brauchen im Winter einen Schnitt. Astscheren fügen dem Holz kleinere Verletzungen zu als eine Säge. Die Zeitschrift "Selbst ist der Mann" und die Versuchs- und Prüfanstalt haben 22 Modelle getestet - mit durchwachsenem Ergebnis.

Köln (dpa/tmn) - Zwischen Herbst und Frühjahr lassen sich viele Obstgehölze schneiden. Deshalb haben die Zeitschrift "Selbst ist der Mann" (Ausgabe Oktober 2017) und die Versuchs- und Prüfanstalt (VPA) Astscheren genauer unter die Lupe genommen.

Die Test-Ergebnisse zeigen keinen grundsätzlichen Leistungsunterschied bei den beiden möglichen Klingensystemen Bypass oder Amboss. Ausgezeichnete Ergebnisse erzielten Modelle beider Kategorien im Test, aber auch die Noten vier und fünf wurden jeweils vergeben.

"Leider kann man einer Astschere nicht direkt ansehen, ob sie gut schneidet", erläutert der zuständige Test-Redakteur Peter Baruschke. Es gebe aber Anhaltspunkte für eine solide Qualität: "So sollte das Gelenk der Schere verschraubt sein, damit es später bei Bedarf nachgestellt werden kann", erklärt der Experte. "Wackeln Sie ruhig einmal an der halbgeöffneten Schere: Ein Wackeln oder Klappern in den Gelenken ist kein gutes Zeichen - nur bei Scheren mit teleskopierbaren Schenkeln ist ein gewisses Spiel unvermeidlich."

Baruschke rät Kaufinteressenten außerdem: "Probieren Sie auch einmal aus, wie weit Sie die Schere öffnen müssen: Gerade Werkzeuge mit Getriebe oder Übersetzung bieten zwar eine gute Kraftübertragung - doch wird dies mit einem größeren Betätigungsweg erkauft." Das könne gerade für kleinere Hobbygärtner schon mal unangenehm beim Schneiden werden.

Auch wenn bei beiden Schneidarten gute wie auch schlechte Modelle zu finden waren, haben grundsätzlich die beiden Klingensysteme unterschiedliche Vorteile: Scheren mit Amboss mit einer beweglichen, schneidenden Klinge, die auf eine feststehende Metalloberfläche trifft, gelten grundsätzlich als robuster. Die Variante mit zwei beweglichen Klingen, die Bypass-Schere, hat ein Plus bei vielem Arbeiten im Grünholz. Sie verletzt hier das Holz weniger stark.

Baruschke rät, speziell bei Bypass-Scheren darauf zu achten, dass die Schneiden beim Schließen gleichmäßig aneinander vorbeigleiten. Die Betätigung sollte leichtgängig sein. "Ein gummierter Puffer sollte ein unangenehmes Prallen am Ende des Schließvorgangs verhindern." Er ergänzt: "Bei Amboss-Scheren können Sie bei geschlossener Astschere gegen das Licht beobachten, ob die Schere gut schließt: Es sollte kein Licht zwischen Schneide und Amboss hindurchscheinen - das wäre ein Zeichen für ungenaue Fertigung."

Getestet wurden 13 Scheren mit Bypass und 9 Scheren mit Amboss. 2 Astscheren schafften die Note eins, 14 Modelle erhielten die Note zwei. Für 2 Scheren reichte es zur Note drei, jeweils zwei Modelle bekamen die Noten vier und fünf.

Wann muss ich welchen Baum schneiden?

Bäume mit Steinobst wie Süßkirschen werden bereits direkt nach ihrer Ernte geschnitten - also ab Spätsommer. Kernobst wie Apfel und Birne ist hingegen erst während des Winters dran, und zwar in frostfreien Zeiten, erklärt Gärtner Stefan Wegner von der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Berlin. Eine Ausnahme ist der Nussbaum: Er darf nur im November geschnitten werden, da seine Schnittwunden außerhalb seiner Wachstumspause sonst zu stark bluten würde.

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