Ex-Löwen-Stürmer und sein Plan B

Cappek nach Karriereende: "Wir waren die größte Partytruppe"

Karriereende mit 27: Ex-Löwe Christian Cappek (r.). F: dpa

Im Nachwuchs des TSV 1860 galt Christian Cappek einst als hoffnungsvolles Talent. Nun hat der 27-jährige Angreifer nach anhaltenden Verletzungsproblemen seine Karriere beendet.

Wacker Burghausen, Erzgebirge Aue, FC Augsburg II, Kickers Offenbach, Chemnitzer FC und den SV Wehen Wiesbaden - Christian Cappek hat nach seinem Abgang bei den Löwen einige namhafte Arbeitgeber angesammelt. Immerhin fünf Partien in der 2. Bundesliga und 86 Spiele (16 Treffer) finden sich in den Leistungsdaten. Oftmals stand der bullige Angreifer kurz vor dem endgültigen Durchbruch, doch auch die Schattenseiten des Geschäfts hat er kennenlernen müssen. "Es ist nicht immer diese heile rosarote Fußballwelt", blickt der 27-Jährige im Gespräch mit der

Süddeutschen Zeitung

auf eine Karriere voller Höhen und Tiefen zurück. 

Zuletzt hat Cappek das Haifischbecken Profifußball ohnehin kaum mehr auf dem Platz erlebt. Bis zum endgültigen Karrieerende im März hatte er bereits endlose 14 Monate lang kein Pflichtspiel mehr absolviert. Für seinen letzten Arbeitgeber, den SV Wehen Wiesbaden, konnte er das Trikot gerade einmal 41 Minuten überstreifen. Zuletzt war es die Patellasehne, die den bulligen Angreifer stoppte. Doch nicht nur das Knie machte Probleme. Cappeks Krankenakte füllt mehrere Seiten und dürfte Sportmedizinern hellste Freude bereiten. Bitteres Fazit nach einer zu kurzen Karriere: Der Körper hat einfach nicht mitgespielt.

Den Spaß am Sport hat er trotz alledem nie verloren. Ganz besonders amüsiert hat sich Cappek beim Chemie-Klub in Burghausen, bei dem er zwischen den Jahren 2008 und 2011 unter Vertrag stand. Mit einem Augenzwinkern denkt der 27-Jährige zurück: "Wir waren, glaube ich, die größte Partytruppe, die es je in der dritten Liga gegeben hat." Auch einige Gastronomen aus dem Münchner Nachtleben sollen seinerzeit merklich von der lebensfrohen Wacker-Truppe profitiert haben. Doch auch auf dem Platz sorgte Cappek in Burghausen für Furore. Mehrere Bundesligisten klopften an, ein Wechsel zu Borussia Dortmund scheiterte lediglich an einem Schlüsselbeinbruch des transferwilligen Spielers. "Damals hätte ich den Sprung in die Bundesliga schaffen können, aber ich stand mir selbst im Weg", klingt der gebürtige Augsburger in der Rückschau nachdenklich. Die Bundesliga hatten sie ihm damals beim TSV 1860 nicht zugetraut. Als Jugendlicher stieg Cappek jeden Morgen um 6 Uhr im heimischen Mering in den Zug, um nach München zu pendeln. "Um 21.42 Uhr kam mein Zug wieder an", berichtet der 27-Jährige von entbehrungsreichen Jahren. Bis zur B-Jugend kämpfte der Augsburger an der Grünwalder Straße für seinen Traum, dann wurde er rigoros aussortiert.  Der SV Wacker nahm sich seiner schließlich dankend an.

Die wechselhaften Jahre haben Cappek nachdenklich gemacht. Heute wirft er einen anderen Blick auf das Haifischbecken Profifußball. "Du hast in der dritten Liga mehr Druck als in der Bundesliga. Wenn du in der dritten Liga nicht spielst, oder absteigst, kann alles vorbei sein. Da geht es um dein Leben", findet der Ex-Löwe klare Worte. Anders als viele seiner Kollegen, die mit Ende Zwanzig vor den Scherben ihrer Existenz stehen, hat Cappek sich einen Plan B zurechtgelegt. Im September beginnt der 27-Jährige eine auf drei Jahre ausgelegte Ausbildung zum Industriekaufmann; eine Vertragslaufzeit, die er aus dem schnelllebigen Profi-Geschäft nicht kennt. Völlig abgeschlossen hat er mit dem runden Leder indes nicht. Seinen Heimatverein SV Mering wird Cappek künftig als Teammanager und Assistenztrainer unterstützen. Über den Zugfahrplan muss er sich dann keine Gedanken mehr machen.

Quelle: fussball-vorort.de

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