Nach sieben Spielen erst zwei Siege

Daniel Bierofka bei Wacker Innsbruck: Abstiegs- statt Aufstiegskampf?

Daniel Bierofka steht mit Wacker Innsbruck in der zweiten österreichischen Liga bereits gehörig unter Zugzwang. 
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Daniel Bierofka steht mit Wacker Innsbruck in der zweiten österreichischen Liga bereits gehörig unter Zugzwang. 

Daniel Bierofka soll Wacker Innsbruck zurück in die Bundesliga führen. Doch derzeit läuft der Ex-Trainer des TSV 1860 München den Ansprüchen weit hinterher.

  • Daniel Bierofka soll Wacker Innsbruck zurück in die österreichische Bundesliga führen.
  • Nach sieben Spielen haben die Tiroler aber erst zwei Siege und stehen auf Platz neun.
  • Auf im ÖFB-Cup tut sich der Zweitligist schwer und trifft als Nächstes auf Bundesligist SK Sturm Graz.
  • München - Vor fast genau einem Jahr hat Daniel Bierofka aus persönlichen Gründen den TSV 1860 München als Trainer verlassen. Berichten zufolge fehlte es dem ehemaligen Löwenprofi damals bereits seit längerer Zeit an Rückhalt aus der Vereinsführung. Als letztes Mittel zog er die Reißleine und erklärte seinen Rücktritt

    Trotz offenbar mehrerer Angebote aus der 2. Bundesliga ließ sich Bierofka lange Zeit mit einer neuen Aufgabe und entschied sich rund sechs Monate später erstmals in seiner langen Fußballkarriere für den Schritt ins Ausland. Am 15. Mai verkündete der österreichische Zweitligist Wacker Innsbruck die Verpflichtung. Seit dem 01. August ist er offiziell im Amt. Dort scheint er endlich wieder das Vertrauen gespürt zu haben, das ihm zum Ende seiner Amtszeit in München gefehlt hatte. Aktuell läuft seine neue Mannschaft und damit auch Bierofka den Erwartungen der Führungsriege weit hinterher.

    Wacker Innsbruck kündigt mit Bierofka auch den Erfolg an

    Seit dem Bundesliga-Abstieg in der Saison 2018/2019 ist der Wiederaufstieg das formulierte Ziel der Tiroler. Dieses wurde in der vergangenen Saison allerdings klar verpasst. Stand Wacker zum Zeitpunkt der Bierofka-Verpflichtung noch auf dem dritten Tabellenplatz, ging es am Ende der letzten Spielzeit bis auf Rang sechs hinab. 20 Punkte betrug der Rückstand auf Meister SV Ried. Unter Bierofka sollte alles besser werden. 

    „Er ist ein emotionaler und bodenständiger Typ, der Spieler und Fans mitreißen kann, hat aber auch eine klare Spielphilosphie, die ideal zu unserer Wacker-Identität passt. Wir sind davon überzeugt, dass er unserer jungen, talentierten Mannschaft zum nächsten Schritt verhelfen wird“, kündigte Sport-Vorstand Alfred Hörtnagl bei der Präsentation des ehemaligen Löwen-Dompteurs an

    Daniel Bierofka: Bisher zwei Siege in sieben Spielen mit dem FC Wacker Innsbruck

    Beim Wiederaufstieg helfen soll an Bierofkas Seite auch eine Hamburger Kaufmannsfamilie, die den Tiroler Verein seit Anfang 2020 finanziell unterstützt. Mit deren Hilfe verpflichtete Wacker unter anderem Marco Knaller vom FC Ingolstadt und Fabio Viteritti vom FSV Zwickau. Königstransfer war jedoch Ronivaldo, der in der vergangenen Saison in 28 Spielen 29 Scorerpunkte (24 Tore, 5 Assists) für Ligakonkurrent Austria Lustenau sammelte. Von diesem Glanz ist für die Ansprüche der Tiroler in der laufenden bisher noch zu wenig zu sehen. In sechs Spielen erzielte der Brasilianer erst ein Tor und bereitete zwei Tore vor. 

    Das liegt auch daran, dass Bierofkas Spielidee bei Wacker offensichtlich noch gar nicht greift. Seine Mannschaft hinkt auch in dieser Spielzeit bisher den Ansprüchen meilenweit hinterher. Nach sieben Spielen steht Innsbruck nur auf Platz neun. Sieben Punkte beträgt bereits der Rückstand auf Tabellenführer FC Liefering

    Red Bull Salzburgs Talentschmiede FC Liefering zeigt Daniel Bierofka und Wacker Innsbruck die Grenzen auf

    Die Talentschmiede des österreichischen Serienmeisters RB Salzburg ist allerdings nicht aufstiegsberechtigt. Zum Tabellenzweiten fehlen vier Zähler, doch Bierofkas Blick geht wohl auch (noch) nach unten. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsränge, vor dem Erfolg am Montagnachmittag gegen Dornbirn war es sogar nur einer. Nach einem Sieg zum Saisonstart blieb die Bierofka-Elf zwischenzeitlich fünf Spiele in Folge sieglos

    Besonders vom FC Liefering, der Mannschaft der letzten Monate und mit zahlreichen Toptalenten gespickt, bekam die Mannschaft des 41-Jährigen ihre Grenzen aufgezeigt. 0:2 verloren die Innsbrucker das Topspiel am dritten Spieltag und waren relativ chancenlos. Zuvor hatte Wacker noch angekündigt, mit Männerfußball den Lauf der Salzburger zu brechen. Den Tiefpunkt der bisherigen Saison setzte es am vergangenen Freitag als die Innsbrucker ausgerechnet gegen Aufstiegskonkurrent Blau-Weiss Linz im Heimspiel mit 0:4 baden gingen. 

    Glanzlose Vorstellungen im ÖFB-Cup 

    Auch im ÖFB-Cup, dem Lieblingswettbewerb der vergangenen Spielzeit, läuft es noch nicht ganz so rund. In den ersten beiden Pokalrunden quälten sich die Grün-Schwarzen zu knappen Erfolgen gegen unterklassige Mannschaften. Gegen den eine Liga unter den Innsbruckern beheimateten SV Stripfing brachte ein Elfmeter kurz vor Schluss erst den Siegtreffer. Im vergangenen Jahr war erst im Halbfinale Schluss. Diesen Erfolg droht Wacker Innsbruck aber zu verpassen, denn in der nächsten Runde wartet mit dem SK Sturm Graz ein seit Jahren fester Bestandteil der Bundesliga. Ein frühes Aus droht damit. Dieses Spiel könnte Bierofka allerdings dazu nutzen, seine ersten Wochen bei den Tirolern versöhnlicher zu gestalten. 

    Vor der Saison hatte Ex-HSV- und St.Pauli-Profi und jetziger Aufsichtsrats-Chef der Innsbrucker Jens Duve angekündigt, die Kombination mit Bierofka und einem Mäzen aus Hamburg wird eine „Erfolgsgeschichte“. Doch nur knapp zweieinhalb Monaten nach Amtsantritt scheint dieses Kapitel durch den schwachen Saisonstart bereist erste Falten zu bekommen. Dass Bierofka mit solchen Krisen und Druck umgehen kann, hat er allerdings bereits beim TSV 1860 mehrfach unter Beweis gestellt.

    (Alexander Nikel)

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