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TSV 1860: Köllner wechselt die Wende ein - Reisinger stürmt nach Abpfiff zum Coach auf den Platz

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Von: Uli Kellner

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Michael Köllner und die Löwen haben nach vier Spielen ohne Sieg wieder drei Punkte eingefahren.
Michael Köllner und die Löwen haben nach vier Spielen ohne Sieg wieder drei Punkte eingefahren. © Imago Images / Jan Huebner

Der TSV 1860 München siegt beim FSV Zwickau. Nach einer emotionalen Wochen freut sich Coach Köllner, dass der Druck auf seine Spieler nachlässt.

München - Robert Reisinger hatte es eilig – und er hatte ein klares Ziel vor Augen. Als der hart erkämpfte 3:1 (0:1)-Sieg in Zwickau amtlich war, verließ der Löwen-Präsident das Funktionärsrudel auf der Tribüne (auch Ismaik-Bruder Yahya war vor Ort) und bahnte sich den Weg aufs Spielfeld, wo sich Mannschaft und Trainer gerade beim mitgereisten Anhang bedankten.

Reisinger seinerseits dankte den siegreichen Spielern, deren Charakter er unter der Woche infrage gestellt hatte – und er blieb beim Trainer stehen, dem er erneut etwas mitzuteilen hatte, diesmal allerdings „intern“, wie Michael Köllner das bei seiner emotionalen Pressekonferenz am Donnerstag empfohlen hatte.

Das Thema, das die beiden besprachen, lag auf der Hand: Entweder Köllner bedankte sich für Reisingers aufrüttelndes „Bild“-Interview nach der Halle-Niederlage (0:2) – oder aber es gab eine präsidiale Einordnung desselben. Sicher war nur: Beide waren am Samstag nachweislich im selben Stadion gesessen.

Löwen profitierten nach Wiederanpfiff von einem mehr als berechtigten Platzverweis

Über das Spiel an sich dürfte es diesmal auch keine zwei Meinungen gegeben haben. Die Löwen waren wie gegen Türkgücü und Halle in Rückstand geraten, profitierten nach Wiederanpfiff von einem mehr als berechtigten Platzverweis (Lokotsch nach Brutalofoul an Lang) – und vor allem von Köllners Einwechslungen, die dem Spiel die erhoffte Wende gaben. Merv Biankadi traf zum 1:1 und gab den Pass vom 1:3, mit dem Kevin Goden letzte Zweifel am Auswärtsdreier beseitigte. Nicht zu vergessen die schöne Vorarbeit von Erik Tallig vor dem Ausgleich – und die wertvollen Ausputzerdienste von MAN-Lehrling Leandro Morgalla (17), der den heftig am Brustbein getroffenen Lang ersetzt hatte.

„Wenn du zwei Spiele verloren hat, musst du einfach siegen“, sagte Köllner: „Das sorgt für Druck. Mich freut’s ungemein, dass sich die Mannschaft davon befreit hat. Über uns sind Dinge erzählt worden, die so nicht stimmen.“ Ein in den Fanforen geäußerter Vorwurf hatte gelautet, die Mannschaft sei nicht fit – widerlegt. Entkräftet wurde auch Reisingers Verdacht, 1860 habe zu wenige Profis „mit Mut und Courage“. Darüber hinaus haben die Köllner-Schützlinge gezeigt, dass sie mit Druck umgehen und späte Tore erzwingen können – anstatt sich wie zuletzt mit späten Gegentoren um Punkte und Selbstvertrauen zu bringen. Ach ja: Auch Köllner selbst dürfte das gedrehte Spiel als Genugtuung empfunden haben, denn es ist schon etwas länger her, dass sich der Trainer für ein glückliches Händchen bei seinen Einwechslungen feiern lassen durfte.

Foulopfer Lang „kriegt kaum Luft und hat Riesenschmerzen auf der Brust“

„Gerade in der zweiten Halbzeit haben wir bewiesen, dass wir eine Mannschaft sind, eine Einheit“, sagte Marcel Bär, der beste Chancen vergeben, aber dafür das wichtige 1:2 erzielt hatte. „Ich bin froh und dankbar, dass wir eine so tolle Leistung gebracht haben.“ Auch was seinen eigenen Auftritt anging, wirkte der Ex-FSV-Stürmer erleichtert, wie er selbstkritisch anmerkte: „Gefühlt habe ich an den letzten beiden Spieltagen nicht teilgenommen. Deswegen ist mir eine Last von den Schultern gefallen. Ich bin froh, dass ich getroffen habe. Jetzt fahren wir glücklich nach Hause.“ Alle bis auf Foulopfer Lang, den es laut Köllner „übel“ erwischt hat: „Er kriegt kaum Luft und hat Riesenschmerzen auf der Brust. Ich hoffe, dass nichts gebrochen ist.“

Eine genaue Diagnose wird am Montag erwartet. Dem Rest der Mannschaft könnte der Sieg dabei helfen, körperlich und mental schnell zu regenerieren. „Am Dienstag geht’s ja schon weiter“, blickte Köllner voraus auf das Nachholspiel gegen Lautern: „Wir müssen schauen, dass wir einigermaßen frisch auf den Platz kommen. Unter normalen Voraussetzungen haben wir keine Chance, muss man so ehrlich sagen“ Sein Rat: „Wir müssen wieder unser Herz in die Hand nehmen – und dann schauen wir, was dabei rauskommt.“ (Uli Kellner)

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