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Ex-Löwe Seelmann erinnert sich an Olympia 1972: „Der Uli Hoeneß hat auch nicht so stark gespielt“

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Von: Claudius Mayer

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Spielte auch für 1860: Hans-Dieter Seelmann.
Spielte auch für 1860: Hans-Dieter Seelmann. © Imago Images /Horstmüller

Hans-Dieter Seelmann war der einzige Löwe und Münchner, der es 1972 in den Kader der Olympia-Auswahl geschafft hat. Der 69-Jährige erinnert sich.

München – Die Erinnerungen an sein „Olympia dahoam“ befinden sich in einer alten Schuhschachtel in seiner Wohnung in Laim. Ein paar Fotos vom gesamten Kader des DFB-Teams und eine Broschüre mit den Porträtbildern aller Spieler. „Natürlich alle signiert“, sagt Hans-Dieter Seelmann, der damals als einziger gebürtiger Münchner im bundesdeutschen Aufgebot der Olympia-Fußballer 1972 stand.

Und auch als einziger Spieler des TSV 1860 München. 19 Jahre war der „Datschi“ – bis heute seine Spitzname – damals alt und hatte gerade eine Saison in der zweitklassigen Regionalliga hinter sich. „Die Berufung durch Trainer Jupp Derwall hat mich natürlich narrisch gefreut“, sagt Seelmann, „aber das war’s dann auch. Ich bin in keinem unserer sechs Spiele zum Einsatz gekommen.“

„Der Uli hat dann bei Olympia auch nicht so stark gespielt.“

Hans-Dieter Seelmann über Uli Hoeneß.

Er hat’s ohne Groll hingenommen. „Die anderen Abwehrspieler waren einfach erfahrener und besser“, gibt er zu. Aber eben auch nicht gut genug, damit es zu einer Medaille reichte. Seelmann: „Wir hatten uns zwar nicht viel ausgerechnet, aber die Enttäuschung war dann trotzdem groß, als wir nach Niederlagen gegen Ungarn und die DDR in der Zwischenrunde ausgeschieden sind.“ Andererseits galten die Teams aus dem Ostblock als sogenannte „Staatsamateure“, die deshalb mit ihren A-Nationalmannschaften antreten durften, also in Bestbesetzung.

Der DFB erfand den Status des „Olympia-Amateurs“ für ausgewählte Talente, die allerdings noch nicht das Niveau besaßen, um für das Elite-Team von Helmut Schön in Frage zu kommen. Mit einer Ausnahme: Uli Hoeneß. Der war ein paar Monate vor den Olympischen Spielen mit der A-Nationalmannschaft Europameister geworden. „Aber der Uli hat dann bei Olympia auch nicht so stark gespielt“, sagt Seelmann, „so wie eigentlich die gesamte Mannschaft. Irgendwie haben wir halt doch versagt.“

Olympia 1972: Hans-Dieter Seelmann zieht mit Ottmar Hitzfeld in München um die Häuser

Obwohl die Unterstützung enorm war. Schon zu den Vorrundenspielen gegen Malaysia und die USA befanden sich jeweils über 60.000 Zuschauer im Olympiastadion. Aber ganz so ernst schien man im deutschen Team das Turnier auch nicht zu nehmen. Zwei Tage vor dem vorentscheidenden Spiel gegen Ungarn ging Seelmann mit Ottmar Hitzfeld (damals Torjäger beim FC Basel) auf Tour. „Ich sollte ihm mal München bei Nacht zeigen“, erinnert er sich, „und da war er bei mir natürlich an der richtigen Adresse.“

Dann der große Schock. Als sich die beiden Ausreißer in den frühen Morgenstunden wieder ins Olympische Dorf schleichen wollten, durften sie erst mal nicht rein. Seelmann: „Alles war durch Polizei abgeriegelt. Wir wussten zunächst gar nicht, was los war. Erst nach zwei Stunden haben wir erfahren, dass auf die israelische Mannschaft ein Attentat verübt worden war.“

Trotz Ehrenmitgliedschaft: Die Löwen kennen Hans-Dieter Seelmann nicht

Eine natürlich deutlich schrecklichere Nachricht, als die, die Seelmann ein paar Tage zuvor erhalten hatte. Die ihm aber auch weh tat: Der TSV 1860 hatte Trainer Hans Tilkowski, der sechs Jahre zuvor im WM-Finale gegen England in Wembley im Tor stand, entlassen. Seelmann: „Mir tat das sehr leid, denn der Til war ein Trainer, der mich sehr gefördert hat.“ Versagt blieb Seelmann zudem, dass er in fünf Anläufen mit dem TSV 1860 die Rückkehr in die Bundesliga schaffte. 1976 wechselte er zu Wormatia Worms, und ausgerechnet in dieser Saison schafften die Löwen den Aufstieg. Seelmann: „Ich hatte danach Tränen in den Augen. Zum einen, weil ich mich freute, dass Sechzig es endlich gepackt hatte, zum anderen, weil ich traurig war, dass ich nicht mehr als Spieler dabei war.“

Übrigens: Nachdem die OlSpiele 1972 vorüber waren, erhielt Seelmann vom damaligen Löwen-Präsidenten Franz Sackmann die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit verliehen. Als er allerdings vor einiger Zeit mal beim Verein anfragte, ob er eine Karte für ein Heimspiel erhalten könne, bekam er zur Antwort, dass man ihn nicht kenne. Kleiner Tipp an die Vereins-Oberen: Am 18. September feiert Seelmann 70. Geburtstag. Das Geschenk sollte klar sein. (CLAUDIUS MAYER)

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