Ausleihe im Gespräch

Tomasov-Wechsel: Es hängt an einem Anruf

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Marin Tomasov (l.) hofft auf einen Anruf von Rijeka-Trainer Matjaz Kek.

München - In Sachen Marin Tomasov könnte sich am letzten Tag der Transfer-Periode ein Blitz-Wechsel ergeben. Es hängt an einem einzigen Anruf.

Was wird aus Marin Tomasov (26)? Bei den Löwen kann der Kroate in der Rückrunde höchstens auf Teilzeit-Einsätze als Joker hoffen. Trainer Friedhelm Funkel hält eher kleine Stücke auf den hochveranlagten Offensivmann, bemängelt sein Phlegma und seine Defensivarbeit. Trotzdem hat Tomasov noch Chancen auf die WM - und will sie nutzen! Dafür muss er spielen. Das geht bei den Löwen aber nicht. Ausweg HNK Rijeka?

Der kroatische Erstligist ist nach Informationen unserer Onlineredaktion der einzige Klub, der aktuell an Tomasov interessiert ist. Ein Engagement bei den Blackburn Rovers - inzwischen in der 2. englischen Liga - hat sich zerschlagen.

Ob es mit Rijeka klappt, entscheidet sich im Laufe des Freitags, dem letzten Tag der Wechsel-Periode in den meisten Ländern. Denn: Der Tabellenzweite der kroatischen ersten Liga hat eine funktionierende Mannschaft. Tomasov fürchtet, auch bei Rijeka nicht zum Zug zu kommen und dann auch keine WM-Chancen zu haben.

Es hängt an einem Anruf: Sollte Trainer Matjaz Kek zum Hörer greifen und Tomasov klarmachen, dass er ihn möchte und auf ihn setzt, dann macht der Löwen-Profi umgehend den Abflug. Im Gespräch ist aber kein Verkauf, sondern ein Leih-Deal bis Saisonende. Sollte der 26-Jährige sich in Rijeka durchsetzen, zur WM fahren und dann nach München zurückkehren, hätten alle Beteiligten etwas davon. Nur braucht es dafür eben das Vertrauen des neuen Trainers ...

Update 15 Uhr: Der Wechsel hat sich offenbar zerschlagen. Tomasov stand nicht auf der Transferliste. Denkbar scheint allerdings, dass er noch in ein Land wechselt, in dem das Wechselfenster noch länger geöffnet hat.

Armin Linder

Die Löwen-Wintertransfers im Check

Wintertransfers sind eine heikle Sache – nicht nur beim TSV 1860. Heuer setzen die Löwen auf Yuya Osako (23) und Markus Steinhöfer (27, r.). „Dieses Mal liegen wir nicht falsch“, hofft Sportchef Florian Hinterberger (l.). Der tz-Check der Winterzugänge im vergangenen Jahrzehnt. © sampics
2003/04: Gerhard Poschner (Foto), Fernando Santos: Die Löwen überwintern mit sechs Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone. Trainer Falko Götz freut sich über Null-Euro-Zugang Poschner (damals 34) und den Abwehr-Brasilianer Fernando Santos (23, für 1,2 Mio. von Flamengo Rio). Poschner macht vier Spiele, verletzt sich und kommt nicht mehr zum Einsatz. Fernando erleidet gleich im ersten Spiel gegen Lautern eine Fußverletzung, macht insgesamt zehn Spiele. Nach dem Abstieg geht er ablösefrei zu Austria Wien. Heute spielt er in Brasiliens 3. Liga. © sampics
2004/05: Nemanja Vucicevic: Reiner Maurer hat den Trainerposten von Rudi Bommer übernommen und bekommt für das aussichtslose Unternehmen Wiederaufstieg den vereinslosen serbischen Dribbler Vucicevic spendiert. Unvergessen: Maurers Anweisung im Trainingslager: „Nema, when the flank comes, you must be at the Fünfmeter!“ Ebenso unvergessen: Nemas positiver Dopingtest auf das Haarwuchsmittel Finasterid. Zuletzt kickte der heute 34-jährige Vucicevic beim FC Tokio, aktuell ist er auf Vereinssuche. © sampics
2005/06: Steffen Hofmann: Die Arena-Kosten bringen Präsident Karl Auer ins Schwitzen. Zur Winterpause liegen die Löwen fünf Punkte hinter Rang drei. Steffen Hofmann, der für 700 000 Euro von Rapid Wien wechselt, soll der Offensive den Ideen-Kick verpassen. Allerdings wird der Techniker von Beginn an von seinen (jungen) Mittelfeld-Kollegen geschnitten. Nach dem Trainerwechsel zu Walter Schachner wird’s bitter. Milchraums Tor gegen Saarbrücken bedeutet erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt. Hofmann geht im Sommer für 550 000 Euro zurück zu Rapid (Vertrag bis 2016). © sampics
2006/07: Josh Wolff: Die Löwen (vier Punkte hinter Platz drei) finden keine erschwinglichen Verstärkungen. So bekommt der schmächtige US-Probestürmer Wolff einen Vertrag, kann seine Schnelligkeit und Technik allerdings nur selten gewinnbringend für 1860 einsetzen. Im Sommer 2008 geht Wolff zurück nach Kansas. Inzwischen arbeitet er dort als Co-Trainer. © sampics
2007/08: Chhunly Pagenburg: Drei Punkte liegen die Löwen hinter Platz drei, Sportchef Stefan Reuter holt Sturmtalent Pagenburg als Perspektivspieler für 150 000 Euro aus Nürnberg. Bei den Profis darf sich der Halb-Kambodschaner siebenmal versuchen, danach geht’s zu den Amateuren – und im Sommer zurück zum Club. Nach zwei Regionalligajahren bei Trier versucht sich Pagenburg beim FSV Frankfurt. © sampics
2008/09: Sascha Rösler, Marvin Pourie, Stefan Aigner, Antonio Rukavina (l.), Nikola Gulan (r.): Der Aufstiegszug ist abgefahren, Sportchef Stefan Reuter verkauft Timo Gebhart für 3,2 Mio. an den VfB, um ein Finanzloch zu stopfen. Als „Ersatz“ kommt der unfitte Rösler für 200 000 Euro aus Gladbach, dazu Sturmtalent Pourie auf Leihbasis von Schalke (heute kickt Pourie beim FC Kopenhagen). Nach Reuters Rauswurf darf der neue Sportchef Miki Stevic (Mitte) noch die Serben Rukavina (inzwischen Valladoilid) und Gulan (Partizan Belgrad) mitbringen. Als beste Personalie des Winters entpuppt sich Stefan Aigner, der aus Bielefeld zurück gekommen ist – und im Sommer 2013 ablösefrei nach Frankfurt geht. © sampics
2009/10: Djordje Rakic, Eke Uzoma: Als selbsternannter Aufstiegsanwärter liegen die Löwen mit Trainer Lienen zum Winter acht Punkte hinter Rang drei, balancieren am Rande der Insolvenz. Stürmer Rakic und Mittelfeldmann Uzoma bringen mehr oder weniger nichts. Der Nigerianer (zuletzt in Ungarn), ist aktuell auf Vereinssuche, der Serbe erholt sich bei Roter Stern Belgrad von einem Kreuzbandriss. © sampics
2010/11: Niemand: Praktisch pleite und mit zwei Punkten Abzug bestraft können die Löwen froh sein, dass sie den nach Hoffenheim notverkauften Kevin Volland (Foto) ausleihen dürfen. Trotz aller Finanzstürme hält Trainer Maurer das Schiff auf Kurs, 1860 wird am Ende mit 50 Punkten Neunter. Durch den Verkauf des Klubs an Investor Hasan Ismaik soll alles besser werden. © sampics
2011/12: Guillermo Vallori (r., mit Reiner Maurer), Max Nicu: Ismaik hat nach Dauerstreit mit Präsident Schneider erstmals den Geldhahn zugedreht. Mit Innenverteidiger Vallori von Grasshopper Zürich gelingt den Löwen ein ablösefreier Treffer, Nicu erweist sich als Fehlgriff. Trotzdem kommen die Löwen dem Relegationsplatz so nahe wie seit 2005 nicht mehr. © sampics
2012/13: Rob Friend, Malik Fathi, Ola Kamara (r., mit Florian Hinterberger): Ismaik fühlt sich von Schneider hintergangen („Car­dealer“, „not honest!“), will Sven-Göran Eriksson als neuen Trainer und dreht erneut den Geldhahn zu. Ablösefrei kommen drei Spieler, die Erwartungen kann nur Defensivmann Fathi einigermaßen erfüllen. Kamara spielt keine Rolle, auch Friend wird bei 1860 nicht glücklich. © sampics
Fazit: Mit Vallori und Aigner lagen die Löwen richtig, auch der teure Rukavina hatte seine Qualitäten – ebenso Vucicevic. Vom Rest der Wintertransfers spricht heute niemand mehr, auch die Rufe nach Rakic sind verstummt (sorry, Roman!). Yuya Osako (Foto) und Markus Steinhöfer müssen – im positiven Sinne – keinen Vergleich fürchten. © Ruiz

Wir sind am Samstag vor Ort im Grünwalder Stadion und berichten vom Löwen-Härtetest gegen den SV Grödig (Anpfiff 13 Uhr) im Live-Ticker.

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