Der TSV 1860 und die 50+1-Regel

Merkur-Kommentar: DFL auf Tauchstation

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Heinrich Lemer

50+1-Regel? Die DFL verhält sich zu den aktuellen Ereignissen beim TSV 1860 ruhig. Dabei wäre sie am Zug, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Ein Kommentar von Ressortleiter Heinrich Lemer.

Man kann die grundsätzliche Frage ja durchaus stellen: Ob diese sogenannte 50+1-Regel tatsächlich zeitgemäß ist. Aber noch gilt, dass im deutschen Fußball der Verein an seinem Profibetrieb mindestens einen Anteil mehr halten muss als der Investor. Und deshalb kann die Deutsche Fußball Liga (DFL) nicht so verfahren wie im Moment. Nämlich nichts zu unternehmen, obwohl auch von Frankfurt aus augenscheinlich sein muss, dass beim TSV 1860 in München 50+1 längst seine Gültigkeit verloren hat. Weil Finanzier Hasan Ismaik schaltet und waltet, wie er will, und gewählte wie bestimmte Funktionäre neben sich wie Marionetten aussehen lässt.

Dass bei

Alleinherrscher? Löwen-Investor Hasan Ismaik.

seinen Entscheidungen immer der Nebensatz, die Gremien hätten dem zugestimmt, als Freifahrtschein herhalten muss: Geschenkt. In jedem vertraulichen Gespräch erfährt man das Gegenteil. Nämlich, dass Ismaik seine Entscheidungen alleine trifft, allenfalls noch nach Rücksprache mit Beratern in London, aber ohne Rücksicht auf Meinungen im Verein oder in der eigentlich geschäfteführenden Profigesellschaft.

Aus Sicht des Jordaniers mag das sinnvoll sein. Seit er seine Millionen in das „Bermudadreieck Münchner Löwen“ steckt, hat das Unternehmen auch noch nicht einmal ansatzweise Rendite abgeworfen. Schon gar nicht in finanzieller Hinsicht, aber auch nicht einmal insoweit, als ein Funke Hoffnung sichtbar geworden wäre. Etwa dergestalt, dass sich sein Investment wenigstens Richtung Erste Bundesliga bewegt hätte. Von größeren, hochfliegenden Erwartungen ganz zu schweigen. Dass Ismaik angesichts dieser Tristesse auf die baldige Außerkraftsetzung von 50+1 setzt, ist aus seiner Sicht nur zu verständlich. Zumal ihm die „Blockade“ des Investors bei seinem Einstieg nicht einmal bekannt war.

Für die DFL freilich stellt sich der Fall 1860 gänzlich anders dar. Sie hat zusammen mit ihren Klubs die 50+1-Regel eingeführt, um Fremdbestimmung der Vereine, wie etwa im englischen Fußball, zu verhindern. Mit der Taktik, das heiße Eisen nicht anzufassen, verliert sie deshalb ihre Glaubwürdigkeit.

Was ein Eingreifen der DFL in München auslösen würde, ist dann eine ganz andere Frage. Für die Löwen aller Voraussicht nach keine allzu angenehme.

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