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Kunstschütze Neudecker nach spätem 1:1: „Am Ende haben wir zu wenig gemacht...“

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Von: Uli Kellner

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Richard Neudecker erzielt mit einem gefühlvollen Heber das 0:1 beim SV Meppen.
Geniestreich: Mit seinem Lupfer aus 24 Metern bewarb sich Richard Neudecker für das „Tor des Monats“ Februar. © Imago

Ärgerlicher Löwen-Trend: Wie schon gegen Braunschweig reicht eine starke erste Halbzeit inklusive Führung nicht zum Sieg. Und am Mittwoch geht es zu Türkgücü.

Meppen - In der 90. Minute segelte ein letzter langer Ball in den Strafraum vor Meppens „VIP-Tower“. Michael Köllner hatte bereits vier erschöpfte 1860-Profis ausgewechselt, und dann kam es, wie es der Legende nach häufig kommt, wenn sich der unbändige Wille der Heimelf mit schwindenden Kräften des Gästeteams paart. Nacheinander scheiterten Lang und Moll beim Versuch, den weiten Schlag von Tankulic aus der Gefahrenzone zu köpfen – Mike Feigenspan, erst am letzten Tag der Transferperiode aus Hessen Kassel gekommen, staubte ab zum gerechten 1:1-Endstand. Die Hänsch-Arena brodelte, sämtliche Löwen ließen die Köpfe hängen. „Das ist Meppen“, sagte eine Einheimische.

Und was ist typisch 1860? Derzeit ein gewisser Trend zur Kurzarbeit. Zum zweiten Mal binnen sechs Tagen hatte sich die Köllner-Elf um den Lohn eines anfangs souveränen Auftritts gebracht. Bedenkliche Parallele zum 2:2 (2:0) gegen Braunschweig: 1860 schaffte es erneut nicht, einen verdienten Vorsprung über die Zeit zu bringen. Spielerisch kam nach der Pause nur noch wenig, konditionell auch. „Für uns ist es einerseits schade, wenn dir gefühlt in der letzten Sekunde noch zwei Punkte weggerissen werden“, sagte der Löwen-Coach tapfer. Andererseits, merkte er an: „Für uns war es Schwerstarbeit, weil wir am Ende auch einen Größennachteil auf der letzten Linie hatten. Unter dem Strich haben wir einen Punkt mitgenommen. Der ist in Meppen immer viel wert.“

Unter dem Strich haben wir einen Punkt mitgenommen. Der ist in Meppen immer viel wert.

1860-Trainer Michael Köllner

Besonders viel ist er wert, wenn man bedenkt, dass die Löwen die inoffizielle Aluminiumwertung mit 1:3 verloren hatten. Meppen hatte vor der Pause ans rechte Gestänge geholzt (Al-Hazaimeh, 27.) und später noch zweimal die Latte getroffen (Fedl, Fassbender). 1860 benötigte ein Schienbein der Hausherren, um wenigstens einen Pfostentreffer zu verbuchen (Fast-Eigentor von Fedl, 48.), musste sich aber vorhalten lassen, den Sieg bei zwei „Riesen-Konterchancen“ (Köllner) nicht eingetütet zu haben. Ein Flugkopfball von Lex wurde auf der Linie geklärt (79.), und nachdem Biankadi einen beherzten Goden-Vorstoß nicht veredeln konnte, nahm das Schicksal seinen Lauf: Tankulic, Feigenspan – selbst der zuvor überragende Marco Hiller war bei Meppens Last-Minute-Ausgleich machtlos.

„Am Ende haben wir wie gegen Braunschweig zu wenig gemacht, haben es nicht konsequent verteidigt – das war der Knackpunkt“, kommentierte Realist Richard Neudecker, der die Löwen per Traumtor zur Führung gelupft hatte (24.): „Am Ende ist das 1:1 leider verdient, muss man schon sagen. Wir hatten heute auch echt viel Glück.“

Köllner sieht kein Frische-Problem

Festzuhalten bleibt, dass die Löwen ab sofort weniger Geschenke verteilen sollten, wenn das noch was werden soll mit einer ernsthaften Verwicklung in den Aufstiegskampf. Dem Stadtduell bei Türkgücü am Mittwoch (19 Uhr, MagentaSport) kommt nun erhöhte Bedeutung zu, was Köllner allerdings nicht in dieser Endgültigkeit stehen lassen wollte. „Ich glaube schon, dass wir für die Englische Woche gerüstet sind“, sagte er zum Thema mentale und körperliche Frische: „Meppen ist jedes Mal ein gewaltiger Ritt, aber die 20 Minuten Fahrt ins Olympiastadion werden wir hinkriegen. Und warum sollten die Spieler nicht in der Lage sein, alle vier Tage 90 Minuten Fußball zu spielen?“

An was sich Köllner beim Solo-Heimflug wegen seines Rückens klammern durfte: 1860 bleibt ungeschlagen (zum sechsten Mal), auswärts eine Macht (zuletzt 13 von 15 Punkten) – und bei der Wahl zum „Tor des Monats“ dürfte nach langer Zeit mal wieder ein Löwe vertreten sein: Zauberfuß Neudecker. „Das ist einfach überragende Qualität – die hat Richie im Moment“, schwärmte der Coach: „Schon deshalb bin ich froh, dass ich heute dabei war.“

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