Trainingsauftakt beim TSV 1860

Köllner: „Es ist Zeit, jungen Spielern aus dem NLZ eine Chance zu geben“

1860-Coach Michael Köllner bat gestern zum ersten Mal auf den Trainingsplatz.
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1860-Coach Michael Köllner bat gestern zum ersten Mal auf den Trainingsplatz.

Im strömenden Regen hat der TSV 1860 München seine erste Trainingseinheit absolviert. Trainer Michael Köllner erwartet sich auch von den jungen Spielern viel.

  • Der TSV 1860 München hat seine erste Trainingseinheit der neuen Saison absolviert.
  • Trainer Michael Köllner spricht von einem „herausfordernden Projekt“.
  • Von den jungen Spielern im Kader erwartet er einiges.

München– Das Löwenstüberl – menschenleer. Auf der Terrasse davor: 10, 15 Fans, die auf Verdacht an die Grünwalder Straße 114 gefahren sind. Sie tragen Mundschutz und Schirm, was erklären könnte, dass der Einmarsch der Spieler regungslos wie noch nie hingenommen wird. Keiner klatscht, als Sascha Mölders um 15 Uhr den Trainingsplatz betritt (geht ja schlecht mit Hand am Schirm). Keiner ruft: „Auf die Löwen!“. Dauerregen, Coronakrise und eine zwangsverjüngte Drittligamannschaft – es hat wahrlich schon mehr nach Spaß ausgesehen, wenn der TSV 1860 in eine neue Saison gestartet ist.

Köllner: Nach vier Wochen hat man ein realistisches Bild, wo die Reise hingeht

Einer immerhin gab sich Mühe, Frohsinn zu verbreiten. Coach Michael Köllner, fünf Minuten vor dem Team auf den Platz gejoggt, scheint sich bestens erholt zu haben; etwaige Zweifel vor einer Zukunft mit so vielen Fragezeichen sind ihm nicht anzumerken. Gegenüber tsv1860.de sagte er: „Das wird ein herausforderndes Projekt, aber ich habe einen guten Eindruck. Es ist die Zeit, jungen Spielern aus dem NLZ eine Chance zu geben. Ich erwarte mir große Schritte. Nach vier Wochen kann man sich ein realistisches Bild machen, wohin die Reise geht.“ Sein Ziel sei eine „brutal starke Löwen-Mannschaft“.

Was Köllner zudem freute an diesem tristen Tag: „Alle haben kurze Hosen an!“ Keine Weicheier im neuen Löwen-Team. Auch das macht Mut vor einer Saison, die schwierig werden könnte.

TSV 1860 München: Fans wegen jungem Kader skeptisch

Wie schwierig, das skizzieren Sepp Burger und sein gleichnamiger Sohn. Die Löwenmitglieder auf Lebenszeit sind aus Helfenbrunn angereist, ohne zu wissen, wann offizieller Trainingsbeginn ist (die Uhrzeit wurde vom Verein bewusst nicht angegeben). Nun sitzen sie über einer großen Spezi und räsonieren mit einiger Skepsis im Blick. „Mit so viel Jungen – das kann auch in die Hosen gehen“, sagt Papa Sepp, 51. „Und dass man die Jungen nur präsentiert, um sie mal zu verkaufen, das macht eigentlich auch keinen Sinn.“ Filius Sepp, 15, wirft ein, was er den neuen Löwen zutraut: „Klassenerhalt, mehr nicht.“ Warum, präzisiert der Senior: „Speziell im Sturm schaut’s schlecht aus.“ Und das, obwohl Kapitän Mölders, 35, schon lange nicht mehr so schlank aus der Sommerpause gekommen ist.

Trotzdem: Bange machen gilt nicht. „Für uns hat’s nie was anderes gegeben als die Löwen“, sagen beide. Papa Sepp war in Leeds dabei (Champions-League-Quali vor 20 Jahren), Sepp jr. immerhin in Saarbrücken (Relegation 2018). Beide müssen daher auch nicht lange überlegen, mit welcher Dauerkarte sie ihren Verein künftig unterstützen. „Mir der Löwenherz-Variante, ganz klar. Man tut, was man kann.“ Seit gestern steht ja fest: Die Spiele bis Oktober finden mitreduziertem Publikum statt, bei der Löwenkopf-Karte gäbe es Geld zurück. Aber auch das ist typisch 1860: Und sind die Bedingungen noch so widrig – auf Regen folgt Sonnenschein. Daher sagt Papa Sepp: „Wer weiß, vielleicht geht ja sogar ein bisserl mehr als der Klassenerhalt.“ (ULI KELLNER)

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