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"So enttäuschend": Ismaiks Brief im Wortlaut

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München - Bei der Delegiertenversammlung lancierte Hasan Ismaik einen sehr langen Brief, der an die Fans gerichtet ist und die Verantwortlichen teils sehr deutlich kritisiert: das Schreiben im Wortlaut.

Liebe Fans,

vorwegschicken möchte ich, dass ich die nachfolgenden Worte mit ausgestreckter Hand und mit offenem Herz an Euch alle richte. Ich will die Gelegenheit wahrnehmen, meine Motive und Wünsche zu äußern und bestimmte Fakten zurechtzurücken, die von einigen falsch interpretiert wurden.

Nie habe ich beabsichtigt, meine Beteiligung an dem Verein bzw. an der KG zu veräußern, obwohl die Kooperation nicht gut genug war, was die Arbeit und die Ziele betraf. Ich liebe diesen Verein wirklich und betrachte 1860 als einen Teil meines Lebens und meiner Passion für Sport. Schließlich bin ich aus mehreren Gründen daran interessiert mit 1860 Geschäfte zu machen.

Ich schätze deutsche Traditionen, Werte und Fußball, aber ich möchte gerne dabei erfolgreich sein und auch professionell. Aus diesem Grund war ich enttäuscht. Gerüchte und falsche Fakten wurden den Fans präsentiert. Aber keiner von den Offiziellen des Vereins fühlte sich gemäßigt, Anschuldigungen zu dementieren. Deshalb, möchte ich mit diesem Brief einige Dinge richtigstellen.

Ich war nicht die einzige Person, die die Absicht hatte, den sportlichen Direktor zu ersetzen und seine Rolle neu zu überdenken. Auch die Vereinsführung wollte ganz offiziell ihn durch jemand anderen ersetzen. Und das ist ein Fakt. Heute möchte ich einige der ignorierten Fakten näher beleuchten.

Ich bin in der Tat sehr tief besorgt, was 1860 München und meine persönlichen Ziele betrifft, die stets zum Ziel hatten, dass 1860 München eines Tages in die 1. Bundesliga aufsteigt. Die Fans haben diesen Verein stark gemacht. Jetzt müssen sie sich vereinigen und zusammenhalten.

Es ist so enttäuschend und beschämend, wie „unsere Familie“ versprengt ist. Wir hängen von den Fans ab. Und die Fans ihrerseits haben den Anspruch auf ein starkes Management, das Erfolg liefern kann.

Wir müssen dem Leiden ein Ende bereiten, zusammenhalten und die Gerüchte aufdecken, die von jenen propagiert werden, die mein Investment und mein Image beschädigen oder gar ruinieren wollen und zwar gegenüber Fans, die ich wirklich sehr schätze. Ich möchte mich nachfolgend auf folgendes konzentrieren: Bitte stellt Euch vor, dass Ihr in meiner Situation seid. In der Situation einer Person, die jede Menge Geld als Partner bezahlt hat in der aufrichtigen Hoffnung, dass dieses dazu beiträgt den Verein in die 1. Liga zu bringen, wohin er nach Meinung aller Freunde gehört. Aber diesem Wunsch haben die Offiziellen des Vereins nicht Rechnung getragen, ohne nachvollziehbare oder realitätsnahe Gründe. Und diese Person ist nie als echter Partner behandelt worden, was schlussendlich die Interessen des Vereins berührte.

Als ich die Beteiligung erwarb, war ich überzeugt davon, dass wir als Team zusammenarbeiten. Aber dann, plötzlich, nachdem das erste Geld überwiesen worden war, änderten sich die Dinge ins genaue Gegenteil zu dem was zu Beginn der Gespräche gesagt wurde. Auf einmal war davon die Rede, dass „die Seele des Vereins gestohlen wird und die Bestimmungen der DFL“.

Irgendwelche unsichtbaren Hände haben sich gegen mich verschworen und alle möglichen Mutmaßungen gestreut. Ich weiß nicht, wer das getan hat oder was das Ziel sein soll, aber all dieses wird eines Tages wohl aufgedeckt werden. Wer will denn wirklich „die Seele des Vereins“ stehlen? Wer will wirklich den Verein ruinieren?

Ist es derjenige, der sehr viel Geld an den Verein gezahlt hat oder sind es die, die das Geld bekommen haben? Diese Menschen haben Spiele gespielt, seitdem das erste Geld zum Verein kam. Sie hatten ein Darlehen über 5 Mio. aber dieses Darlehen wurde nicht offengelegt. Dann erhielt ich zwei Optionen: Entweder zahlen oder mich zurückziehen. Ich habe mich entschieden, weiterzumachen, da ich niemals damit gerechnet hatte, dass sich die Dinge so, wie geschehen, entwickeln.

Wir alle sind jetzt Zeugen einer Komödie der Vereinsführung bzw. einiger Vereinsmitglieder. Meine Ziele und Wünsche sind hoch und sie betreffen ausschließlich die Interessen des Vereins, denn der Erfolg und das Interesse des Vereins ist auch mein Erfolg und mein Interesse. Aber es gab nicht nur jede Menge Missverständnisse, sondern auch Unterstellungen wie z. B.: Die Behauptung, mein Interesse sei ausschließlich ein finanzielles und ich sei im Begriff, die „Vereinsseele“ zu stehlen oder zu verkaufen. Das ist falsch und unredlich, da ich nur professionelle Erfahrung gefordert hatte und zwar auf allen Gebieten, wie in anderen erfolgreichen Vereinen auch.

Das bedeutet, die Wahl eines professionellen Managements und erfahrener Spieler bzw. eine entsprechende Infrastruktur im Verein. Ich denke, das sind Anforderungen für eines jeden erfolgreichen Vereins. Jeder sollte diese Ansicht mit mir teilen und Ihr solltet mich in dieser Forderung unterstützen.

Mir liegt daran, die Spannungen aufzuklären, die es zwischen Herrn Schneider und mir gab. Ich denke, dass er ein Opfer einer Verschwörung war. Mich jedenfalls hat nur sein gelegentlich nerviges Verhalten gestört. Aber ich möchte ihm ausdrücklich für seine Bemühungen danken. Ihm lag das Interesse des Vereins wirklich am Herzen. Als Otto Steiner und die Mitglieder des Aufsichtsrats nach Abu Dhabi kamen, wurde ich darüber unterrichtet, dass sie Herrn Schneider „losgeworden“ sind. Mir war damals nicht klar, dass sie ihn tatsächlich „loswerden“ wollten und dass sie die gelegentlichen Spannungen zwischen Herrn Schneider und mir als Ausrede dafür benutzt haben, ihn zu entfernen. Ich habe nie etwas von Verschwörungen gehalten, aber das war eine perfekte Verschwörung, da man offensichtlich Herr Hep Monatzeder auf den Stuhl hieven wollte und das ganze Szenario vorgeplant war.

Ich selbst hatte nur eine Forderung: Den Geschäftsführer zu ersetzen und einen Manager an Bord zu holen, der mehr Erfahrung hat, mehr Führungsstärke und die Fähigkeit, den Verein nach fürchterlichen Fehlern unter dem Manager Robert Schäfer zu retten. Schließlich steht mir auch zu, eine solche Forderung auszusprechen, da ich Mitglied des Beirats bin, der ausschließlich über die Beschäftigung des Geschäftsführers zu entscheiden hat. Mir wurde sehr vieles über ihn zugetragen, er sei arrogant, hochmütig und selbstsüchtig. Aber ich war überrascht, die Reaktion der Herren zu erfahren, nämlich die, dass sie den Sportdirektor ersetzen wollten. Sie repräsentierten sehr schnell den Vorschlag für eine bestimmte Person und bestanden darauf, ihn zu nominieren, da es ihr Plan war, Herrn Hinterberger zu ersetzen, da Herr Hinterberger ein Freund von Herrn Schneider sei, der ihn aus seiner früheren Stellung geholt habe. Ich lehnte dieses ab und schlug stattdessen vor, dass, wenn schon ein neuer Sportdirektor engagiert wird, wir mindestens vier Vorschläge haben sollten, um die Qualifikationen und Erfahrungen vergleichen zu können. Ich sagte dieses in der Gegenwart aller Teilnehmer des Meetings und der neuen Stellvertreter von Herrn Monatzeder. Dann trafen wir uns in München und sie bestanden, ja insistierten darauf, die vorgeschlagene Person zu beschäftigen, als die bestmögliche Option. Es stimmt, ich habe einer solch unprofessionellen Vorgehensweise nicht zugestimmt, einer Vorgehensweise, bei der Erfahrung und Effektivität im Interesse des Clubs nicht genügend berücksichtigt werden.

Im Interesse des Vereins habe ich in der Pressekonferenz dann auch tatsächlich mitgeteilt, dass wir den Sportdirektor austauschen sollten. Und wie zuvor wurde diese Mitteilung als faule Ausrede benutzt, um mich in den Medien zu attackieren. Ich machte deutlich, dass ich immer noch die Vision habe, Freude mit und an dem Verein zu haben und daran, die Fans glücklich zu machen. Ich habe auch zum Ausdruck gebracht, dass wir im Interesse des Vereins das Bestmögliche tun sollten. Deshalb habe ich auch vorgeschlagen eine Personalagentur zu engagieren, die einen starken Geschäftsführer für 1860 München sucht, einen Geschäftsführer mit 5-10 Jahren Erfahrung und zwar als Team-Manager in der ersten oder zweiten Liga. Daraufhin wurden mir vier Vorschläge unterbreitet. Ich bat darum, mir diese Vorschläge näher anzuschauen und die Kandidaten zu befragten, mit ihnen zusammen über die Zukunft des Vereins zu diskutieren. Diesen Vorschlag haben sie mit der Begründung abgelehnt, dass das Gesetz so etwas nicht erlaube. Ehrlich gesagt, ich habe viele Mails von Fans bekommen, die mich um Hilfe gebeten haben.

Ich möchte wirklich helfen, aber die Vereinsführung möchte dieses offensichtlich nicht. Jedenfalls scheint es so, dass sie mir die Möglichkeit nicht geben. Sie ignorieren mich vollständig und das führt wohl dazu, dass der Verein extrem beschädigt wird. Und genau dieses regt mich auf und macht mich wirklich wütend. Das ist ein schlimmes Ärgernis. Ich bin nicht bereit, wegzutreten und nur zuzuschauen. Ich bin ein Partner und als solcher muss ich meine Meinung sagen dürfen. Aber alle konzentrierten sich nur darauf, dass ich bezahle und wie man den Sportdirektor loswird anstatt darauf, wie man ein neues Management baut und restrukturiert, um den Verein vor weiteren Verlusten zu bewahren. Regelmäßig wiederholten sie, dass die Gesetze dieses nicht erlauben und dass so etwas die Fans irritiert. Aber mal ehrlich: Wäret Ihr wirklich wütend, wenn der Verein erfolgreich wird? Ich habe in allen Meetings meinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass wir alle Freude daran haben sollten, den Verein zu reorganisieren und dahin zu führen, wo er eigentlich hingehört, nämlich in die erste Bundesliga. Ich habe mir das Spiel gegen Frankfurt angeschaut. Es war wirklich ein Desaster. Kein Einsatz, keine Passion, kein Durchsetzungswille und nur 10.000 Zuschauer. Das war ein gewaltiger Rückschritt für uns. Der Verein hat die besten Spieler verkauft und dadurch die Vereinsinteressen verletzt. Sie greifen nicht auf die jungen Spieler zurück, die dann möglicherweise später den Verein verlassen und in einem anderen Verein spielen, alles ein Resultat von ungenügendem Management des Vereins.

In Zukunft sind meine Ziele ziemlich deutlich, da alle Fans von 1860 es verdienen auf den Verein, auf die Spieler und auf deren Leistung stolz zu sein. Wir, unsere Freunde und Kinder müssen wie richtige Löwen kämpfen und müssen stolz sein, überall sagen zu können, dass wir Fans von 1860 sind und dass wir diesen Traditionsverein lieben. Das ist mein Ziel, meine Ambition. Ich kämpfe für Erfolg und für das Erreichen der ersten Bundesliga. Ich sehne mich danach, das Stadium voll zu sehen mit Fans in einer emotionalen Atmosphäre. 1860 braucht starke Führung mit professioneller, angemessener Disziplin. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, Euch für Eure Unterstützung zu danken, denn Ihr, nur Ihr, sorgt dafür, dass meine Interessen berücksichtigt bleiben. Mein Rat und mein Wunsch ist es, dass die Mitglieder mithelfen, die notwendigen Änderungen bei 1860 herbeizuführen, einen Plan zu erarbeiten, wie diese Fehler behoben können aufgeräumt werden kann und dafür zu arbeiten, dass der Verein und das Team rehabilitiert werden. Bitte denkt stets daran, dass Ihr dem Druck einer Gruppe ausgesetzt seid, die nur das Interesse hat, den Verein zu kontrollieren, motiviert durch persönliche Interessen, was wohl mittlerweile ein jeder von Euch bemerkt haben dürfte.

Übrigens, ich habe gehört, dass einige von den Fans Nachrichten über Hamada zu mir schicken wollten. Aber ich habe solche Nachrichten nie bekommen, seit ich die Anteile im Verein erworben habe. Ich habe schon öfters danach gefragt, mit Euch zu kommunizieren, da ich Euch als Rückgrat des Vereins betrachte. Ihr seid es, denen die Interessen des Vereins am Herzen liegen und Eure Empfehlungen werden sich hoffentlich positiv auf den Verein auswirken. Wir müssen danach streben, alle Schranken zu beseitigen, auch die zwischen den Fans und der Vereinsführung.

Ich erhalte viele Briefe auf Facebook in deutscher Sprache. Aber da ich die Sprache nicht spreche und zeitlich sehr beschränkt bin, kann ich nicht alles lesen. Ich suche nunmehr eine Person, die mir hilft, Eure Anfragen, Vorschläge und Bemerkungen zu beantworten. Ich verspreche Euch, dass ich ein aufrichtiger und verlässlicher Partner bin. Lasst uns neu starten, da wir unbedingt eine Veränderung brauchen. Zum Schluss würde ich gerne meinen besonderen Dank an diejenigen richten, die in ihren Berichten ein wahres und korrektes Bild von mir gezeichnet haben, ohne Diskriminierung oder Vorurteil.

Einmal Löwe immer Löwe

Besten Dank.

Hassan Ismaik

Der Ticker von der Delegiertenversammlung

Fotos von der 1860-Delegiertenversammlung

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