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Köllners Charme-Offensive vor Pokalkracher gegen Türkgücü - Caiuby vor Debüt

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Von: Uli Kellner

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Stefan Lex (li.) und Ünal Tosun (re.) duellierten sich vergangene Saison in der 3. Liga.
Stefan Lex (li.) und Ünal Tosun (re.) duellierten sich vergangene Saison in der 3. Liga. © Ulrich Wagner/Imago images

Erklärtes Ziel war die Wachablösung: Sechzig hinter sich lassen, selber die Nummer zwei in München werden.

München – Entsprechend ernüchternd das Ergebnis für das ambitionierte Projekt Türkgücü: Insolvenz, Absturz in die Regionalliga, Rückzug des Geldgebers Hasan Kivran. Ein klassischer Fall von „zu viel gewollt“. Der überambitionierte Club aus Perlach hat die Löwen zwei Jahre geärgert, sportlich ein bisschen, verbal etwas mehr, muss sich aber im Spätsommer 2022 mit der alten Hackordnung zufriedengeben:

Feindliche Übernahme? Türkgücü möchte die Löwen in ihrem Wohnzimmer aus dem Totopokal kegeln.
Feindliche Übernahme? Türkgücü möchte die Löwen in ihrem Wohnzimmer aus dem Totopokal kegeln. Foto: Imago © Imago

1860 klopft ans Tor zur 2. Liga, die Fans rennen dem Kultclub die Bude ein. Und die Türken? Die belegen Platz 15 in der 4. Liga und fordern den (Ex-)Rivalen am Dienstagabend im Totopokal heraus. Achtelfinale, ein Flutlichtspiel in Giesing. Das letzte Cup-Duell ging an die Perlacher: 1:0 im Finale der Auflage 2020/21. Und dieses Mal? Alle Infos zum ungleichen Duell im Überblick.

Wie groß ist für 1860 die Stolpergefahr?

Türkgücüs Sportchef Roman Plesche, eine der letzten Konstanten in verantwortlicher Position, traut den Seinen durchaus eine Überraschung zu. „Wenn sie auflaufen wie in den ersten beiden Runden, könnte was drin sein“, sagte er: „Schwer wird’s, wenn sie auch Spieler einsetzen, die zum Stamm ihres Drittligateams gehören.“ Auf Nachfrage ließ sich Michael Köllner nicht in die Karten blicken. Der knappe Kommentar des Löwen-Trainers: „Am Ende steht über allem, das Spiel zu gewinnen.“ Er kündigte eine Elf an, „die das Spiel gewinnen kann“. Türkgücü hingegen plant einen Überraschungscoup: den Einsatz des früheren Erstligaprofis Caiuby (34, u.a. Augsburg), für den inzwischen eine Spielberechtigung vorliegen soll.

Bringt Köllner sein Ex-Türkgücü-Duo?

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Tim Rieder und Albion Vrenezi das in Rödelmaier (7:0) und Feuchtwangen (8:0) bewährte Team um Torjäger Meris Skenderovic verstärken. Rieder hat gerade zwei Ligapartien wegen einer Rotsperre verpasst – mit Blick auf das Topspiel in Elversberg (Samstag, 14 Uhr) könnte der Chefsechser gegen seinen Ex-Club Matchpraxis sammeln. Und Vrenezi? Der meldete grundsätzliche Spielbereitschaft an. „Ich bin da – und wenn der Trainer mich aufstellt, gebe ich Gas, dass wir gewinnen“, sagte der beim 4:1 gegen Duisburg zweimal erfolgreiche Kunstschütze.

Wie viele Emotionen sind noch im Spiel?

Unvergessen sind die Scharmützel, die die vier Drittligaduelle begleiteten. Als „Katastrophe“ hatte Köllner das Geschäftsgebaren der Türken unter Patron Kivran bezeichnet: „Wenn Verträge missachtet werden, wenn Spieler und Trainer nicht respektvoll und fair behandelt werden, dann ist das einfach ungut“, kritisierte der 1860-Coach Anfang 2021. Auch zwischen Ex-Kapitän Sascha Mölders und dem „Sportkamerad“ Max Kothny (Türkgücüs Ex-Boss) flogen Giftpfeile. Konkret ging es darum, dass es Mölders für unmöglich hält, dass 1860 jemals von Türkgücü überholt wird – „nicht mal in der Kreisliga C“. Tiefpunkt im Nichtverhältnis der beiden Clubs: die Weigerung der Löwen, sich mit den Türken zu einem Doppelinterview an einen Tisch zu setzen.

Starke Emotionen, die sich mit dem Abstieg der Perlacher verflüchtigt haben. Charmant hob Köllner die Gastfreundschaft der Türken hervor, als er beim Heimspiel gegen Nürnberg II vor Ort war. „Vor der Herzlichkeit der Leute, die sich für diesen Verein engagieren, kann ich nur den Hut ziehen“, sagte er und zeigte Reue: „Ich rühme mich nicht für Bemerkungen, die ich vor zwei Jahren zu diesem Verein abgegeben habe.“ Ach ja: Tickets gibt’s noch reichlich, nur 6000 wurden bis gestern verkauft – auch das stützt die These einer nachlassenden Rivalität. Was nicht heißt, dass Köllner Gastgeschenke verteilen will. Er wünsche dem „angeknacksten Münchner Verein“ nur das Beste – ab Mittwoch. (Uli Kellner)

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