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Der emotionale Abschied der Lichtgestalt

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Franz Beckenbauer ist der FC Bayern - und umgekehrt. © AP

München - Für das Abdanken eines “Kaisers“ ging dann doch alles ein wenig schnell. Kurz vor 22.00 Uhr verließ Franz Beckenbauer die Bühne des FC Bayern München, sein Platz auf dem Podium wurde geräumt, sein Namensschild entfernt und ersetzt.

Nach 51 Jahren war der letzte große Auftritt des Rhetorikers Beckenbauer vorbei, ein halbes Jahrhundert als Stütze des deutschen Rekordmeisters vorüber. Am Freitagabend diente die Bayern-Legende 4500 Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung zuvor noch einmal als großer Entertainer: Mit viel Heiterkeit, Selbstironie und einem Sack voller Anekdoten, mit denen er die Gemüter der durch die sieglosen Wochen so gepeinigten Vereinsanhänger rasch wiedergewann.

Ja, sein Abschied hatte ihn schon bewegt. Da waren diese Bilder aus 51 Jahren, die über fünf Großbildleinwände flimmerten, unterlegt mit melancholischer Musik. Am Ende bekam Beckenbauer aus den Tiefen der riesigen Messehalle Standing Ovations und wirkte verlegen wie selten. Nach einer so langen Zeit, als Kapitän, als Spieler, bis zuletzt als Präsident. Als Lichtgestalt dieses Vereins. Er überspielte es: “Man muss nur Bilder zeigen, und die Leute sind zufrieden. Sie machen sogar Gymnastikeinlagen: sitzen, stehen auf, setzen sich wieder.“

Die besten Sprüche von der Hauptversammlung

Beckenbauer kam mit einer Brille, die er aufsetzte, wenn er in den mit über 4500 Mitgliedern gefüllten Saal blickte, und die er abnahm, wenn er von einem der Zettel auf seinem Rednerpult ablas. Oft war das nicht, denn Beckenbauer gab sich locker-lässig, entspannt und salopp. Er moderierte dieses letzte Mal so nonchalant wie in all den Jahren. “Vielleicht, wenn es möglich ist, in dieser Saison noch den einen oder anderen Pokal zu holen, das wäre schön“, bat er Trainer Louis van Gaal zu Beginn, machte zwei schräge Bemerkungen, und das Eis bei den Fans war gebrochen. Trotz sportlicher Misere, trotz der miesen Stimmung in jüngster Vergangenheit.

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Beckenbauer karikierte die eigentlich so unbefriedigende Situation und fragte, wo denn die Pokale seien, “in den letzten Jahren hatten wir doch hier immer Pokale stehen“. Die Leute lachten, die Menge applaudierte. Er erzählte Geschichten, von der Holzhütte damals an der Säbener Straße, in der er sich als Jugendlicher umziehen musste, und bekam Applaus. Von der Damenabteilung, die es damals eben noch nicht gab, was schade gewesen sei, “in der engen Holzhütte“. Etwas unbeholfen pfefferte er das Mikrofon fast vom Tisch, sagte “hoppla“ - und selbst da applaudierten die Leute.

Und jetzt? Im Alter von 64 Jahren bleibt er Repräsentant, Ehrenpräsident dieses Clubs. “Der wird eingeladen. Nein, ich weiß nicht, was der macht, ich war noch nie Ehrenpräsident. Ich lasse mich überraschen“, sagte Beckenbauer, der aber nicht nur für Erheiterung sorgte. “Franz hat mit seiner ganzen Einstellung total zur Beruhigung beigetragen“, lobte sein Nachfolger Uli Hoeneß.

Franz Beckenbauer: Seine besten Sprüche

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So gab es Solidaritätsbekundungen und keine Schmähungen, Applaus statt Pfiffe. Und zur Freude der Fans betonte Beckenbauer, “dem Verein schon verbunden“ zu bleiben. “Nach 51 Jahren kannst du ja nicht einfach sagen: Tschüss, das war's.“ Geschenke gab es auch: Von Hoeneß eine Einladung zu “allen Veranstaltungen dieses Vereins bis zum Lebensende“. Von Vorstand Karl-Heinz Rummenigge den Titel der “größten Persönlichkeit, die der Club je herausgebracht hat“. Von beiden ein Abschiedsspiel, im August 2010 gegen Real Madrid.

“32 Jahre zu spät“, meinte Beckenbauer trocken, der lange nach der aktiven Karriere nun endlich zum Ehrenspielführer ernannt wurde. Denn bei seinem Wechsel zu Cosmos New York in den 70ern ging alles ein bisschen schnell und mit Zwischengeräuschen über die Bühne. Damals habe ihn das Ganze 400 000 Mark gekostet, berichtete Beckenbauer. “Jetzt hab ich gedacht, die kriege ich heute zurück. Aber mit der Ehrenspielführernadel bin ich auch zufrieden.“

dpa

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