„Der Weihnachtsmann lebt in Finnland“

FC Bayern: Torfrau Tinja-Riika Korpela im Weihnachts-Interview

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Tinja-Riika Korpela, finnische Torfrau des FC Bayern München.

München - Tinja-Riika Korpela, finnische Torfrau des FC Bayern München, spricht im Weihnachts-Interview über Unterschiede zur deutschen Kultur, Saunagänge und Ziele für 2017.

Tinja-Riika Korpela blickt auf ein gelungenes 2016 zurück. Die Torfrau feierte mit dem FC Bayern München die zweite Meisterschaft in Serie, und auch für 2017 ist die Erfüllung aller Wünsche möglich. Weihnachten ist die Zeit für Wünsche, und was Weihnachten betrifft, ist die Finnin ein echter Insider, wie sie in unserem Interview verrät.

Frau Korpela, Weihnachten steht vor der Tür – für Finnen ein ganz besonderes Ereignis, denn der Weihnachtsmann lebt in Finnland . . .

Tinja-Riika Korpela: Es ist schön, dass Sie das wissen. Die meisten Leute denken nämlich, er lebt am Nordpol. Aber das stimmt nicht! Er lebt in Finnland!

Erzählen Sie doch mal: Wo genau lebt er?

Korpela: Also: Er lebt in dem Berg Korvatunturi nahe der Stadt Savukoski in Lappland. Dort gibt es viele Rentiere, was für ihn praktisch ist. Dort leben auch seine Elfen, die ihm helfen, an Weihnachten die Geschenke unter die Menschen zu bringen. Man kann ihn dort besuchen, auch Touristen, es ist ein echtes Dorf. In Finnland sind die Leute sehr stolz, dass er bei uns wohnt.

Haben Sie ihn selber auch schon besucht?

Korpela: Ja, als kleines Mädchen. Es war wundervoll. Du sitzt auf seinem Schoß, erzählst ihm deine Wünsche. Ich kann das jedem nur empfehlen.

In Bayern kommt traditionell jemand anderes als der Weihnachtsmann.

Korpela: Ja, ich weiß. Ihr habt hier das . . . wie sagt man richtig? Christkindl! Ich wusste das nicht, bevor ich hierherkam. Ich finde das auch eine sehr schöne Geschichte und verstehe, dass die Leute hier auf diese Tradition stolz sind.

Seit wann lebt der Weihnachtsmann denn bereits in Finnland?

Korpela: Oh, das weiß ich nicht. Ich glaube, seit vielen hundert Jahren schon. Man kann das googeln, er hat eine eigene Webseite, wie jeder heutzutage (grinst). Er ist auf jeden Fall schon seeeehr lange da.

Torfrau des FC Bayern München: Kinder in Finnland schreiben Wunschzettel

Und die Kinder in Finnland schreiben wie hierzulande auch Wunschzettel?

Korpela: Natürlich! Und wir sind sogar im Vorteil – wir wissen ja die genaue Adresse (grinst). Natürlich lesen die Eltern die Liste vorher noch kurz durch, ehe sie sie abschicken. Ganz genau weiß ich ja auch nicht, wie es läuft – aber meine Liste muss immer angekommen sein, ich habe jedenfalls fast immer alles bekommen, was ich draufgeschrieben hatte.

Wann standen denn das erste Mal Torwarthandschuhe auf Ihrem Wunschzettel?

Korpela: Ehrlich gesagt nie. Ich hatte immer schon welche von meinem Vater. Das Tollste war mal, ich glaube, ich war damals acht Jahre alt, ein Bob.

In FC-Bayern-Rot?

Korpela: Haha, das wäre jetzt perfekt, nicht wahr? Leider nein. Er war schwarz. Sehr, sehr cool.

Wie wird Weihnachten in Finnland gefeiert?

Korpela: Wie wohl überall auf der Welt ist es ein Familienfest. Wir feiern am Abend des 24. Dezember. Tagsüber gehen viele in die Kirche, schmücken die Gräber am Friedhof. Auch ein Saunagang gehört dazu . . .

. . . kein Klischee?

Korpela: Nein. Die meisten bei uns haben eine Sauna im Haus. An Weihnachten ist es populär, sich dabei mit Birkenzweigen sanft zu peitschen, die man im Sommer gesammelt hat und zwischendurch eingefroren hatte. Früher hatte das die Bedeutung, dass man damit böse Geister vertreibt. Heute machen wir es aber nur noch, weil es dem Körper guttut.

Torfrau des FC Bayern München: So wird Weihnachten in Finnland gefeiert

Wie läuft der Abend?

Korpela: Der Weihnachtsmann kommt persönlich vorbei, nur sollte er mal keine Zeit haben, schlüpft ein Nachbar, Freund oder Verwandter in sein Kostüm. Ich war auch schon mal der Weihnachtsmann für meine Nichten und Neffen. Es ist immer eine große Sache für die Kinder, sie schauen tagsüber immer wieder mal aus dem Fenster, um zu schauen: Kommt er, wo ist er? Ich hab’ das so gemacht, jetzt machen es meine Nichten und Neffen genauso. Es wird ihnen auch in den Tagen zuvor gesagt, sie sollen brav sein. Sonst kommt er nicht. Die Elfen, sagen die Eltern, sehen alles und erzählen es dem Weihnachtsmann.

Essen ist an Weihnachten immer wichtig. Was ist typisch in Ihrer Heimat?

Korpela: Weihnachtsschinken ist ein Muss. Manche essen auch Truthahn. Mit Porkkanalaatikko, einem Gemüsemix mit Karotten und Sirup aus dem Ofen. Wir haben auch eine Art Glühwein, heißt Glögi, ist aber in der Regel ohne Alkohol, auch wenn manche Wodka hinzugeben. Und natürlich gehören Nachspeisen dazu.

Wie Pulla, ein Hefegebäck mit Pflaumenmus?

Korpela: Das wird eher in der Adventszeit gemacht. Tatsächlich habe ich vor zwei Wochen hier welche für die Mädels gemacht. Sie waren begeistert und haben gesagt: „Das hast wirklich du gemacht?“

Was heißt „Frohe Weihnachten“ auf Finnisch?

Korpela: Hyvää joulua! Das wünsche ich allen Bayern-Fans, Ihren Lesern und überhaupt allen Menschen! Mein Lieblings-Weihnachtslied ist „Jouluyö, Juhlayö“. Stille Nacht. Vielleicht möchte jemand ja mal die finnische Version googeln – ist sicher lustig (lacht).

Von Fußballtorhütern heißt es immer, sie seien ein bisschen verrückt. Sind Sie ein bisschen verrückt?

Korpela: Ja, ich denke schon. Sehen Sie: Es war schon alleine verrückt, als Mädchen in Finnland damals zu beschließen, mich voll auf Fußball zu fokussieren. Da war ich ziemlich allein mit dem Vorhaben. Und als Torwart brauchst du einen speziellen Charakter, denke ich. Wobei: Mir fällt gerade ein, dass Eunice Beckmann hier mal zu mir gesagt hat: „Für einen Torwart bist du ziemlich normal.“ Ich sagte ihr: „Danke, das ist das netteste Kompliment, das ich je bekommen habe!“ (lacht). Vielleicht liegt das aber auch am Alter. Ich wurde ruhiger.

Wenn wir über verrückte Dinge sprechen – spielen Sie Luftgitarre?

Korpela: Nein, bisher nicht. Aber ich weiß, warum Sie fragen!

In Ihrem Heimatort Oulu findet jedes Jahr die Luftgitarren-WM statt.

Korpela: Ja, leider war ich da noch nie, weil wir da immer Spiele haben. Schade. Aber ich werde es mir mal ansehen. Es klingt verrückt, soll aber cool sein.

Torfrau des FC Bayern München: wenn wir Meister werden oder die CL gewinnen, dann...

Machen wir eine Wette? Wenn Sie wieder Meister werden oder die Champions League holen, spielen Sie Luftgitarre!

Korpela: (lacht) Gute Idee. Okay!

Was sind Ihre Ziele im neuen Jahr?

Korpela: Da wir mit Finnland die Europameisterschaft verpassen, liegt mein Fokus auf dem FC Bayern. Wir können in diesem Jahr alles gewinnen. Das ist das Ziel.

Sie sind nun 30, Ihr Vertrag läuft bis 2018 – würden Sie Ihre Karriere gerne hier beenden?

Korpela: Früher hatte ich die USA mal im Hinterkopf, aber jetzt denke ich Jahr für Jahr. Wenn ich fit bleibe, gibt es keine Gründe gegen eine Vertragsverlängerung. Wir werden sehen.

Wie populär ist der FC Bayern in Finnland?

Korpela: Sehr populär. Ein Fanklub hat mich auch schon kontaktiert, sie sind sehr happy, dass mal ein finnischer Spieler bei Bayern ist – das gab es ja hier noch nie. Frauen-Fußball ist bei uns generell nicht so verbreitet wie in Deutschland, und ich hoffe, ich kann ein Vorbild für junge Mädchen in Finnland sein. Ich fühle mich da schon in der Verantwortung, es gibt ja nicht viele Finnen, die im Ausland bei großen Klubs spielen dürfen.

Sie kamen mit sechs Jahren zum Fußball – standen Sie immer im Tor?

Korpela: Ganz zu Beginn, im Jungs-Team, war ich Verteidiger. Im reinen Mädchen-Team ging ich ins Tor – ich wollte das so. Andere haben gesagt: „Warum nur? Wenn du einen Fehler machst, ist es ein Tor!“ Ich sehe das ganz anders. Ich finde Torwart-Sein cool. Ich denke mir immer: „Ich kann mein Team retten! Ich bin ein Held!“ Mit der Einstellung gehe ich in jedes Spiel. Schon von klein auf war das so. Kurioserweise wäre ich dennoch fast im Basketball gelandet, mit 15, 16 hatte ich mich eigentlich für diesen Sport entschieden, weil ich da schon früher in der Nationalmannschaft spielte. Es gab jedoch dann kein adäquates Frauen-Team, also wurde es doch Fußball. Im Nachhinein bereue ich aber nichts (lacht).

Ist es eine Hilfe für einen Torwart, auch gut im Basketball zu sein?

Korpela: Ja, sehr. Die Koordination zwischen Augen und Händen ist geschult, auch Sprungkraft und Explosivität profitieren vom Basketballtraining.

Was war Ihr persönliches Highlight 2016?

Korpela: Die Meisterschaft zu gewinnen, ist immer das Schönste. Aber die Champions League-Siege im Herbst waren ein Balsam, weil wir sehr verärgert waren, dass wir 2015 sofort ausgeschieden sind.

Die Bayern-Frauen stehen erstmals im Viertelfinale – Sie standen mit Tyresö 2014 sogar schon im Endspiel. Ist so ein Coup mit diesem Team möglich?

Korpela: Absolut!. Wir haben die Qualität, und es sind nicht mehr viele Spiele, die wir noch für diesen Traum gewinnen müssen.

Der Gegner heißt aber im März Paris St. Germain – schwerer geht kaum . . .

Korpela: Ja, sie waren 2015 im Finale und sind seit Jahren eine Spitzenmannschaft. Aber wir haben sie schon geschlagen, in Testspielen – wir wissen also, dass es möglich ist. Natürlich sind das nun neue Spiele, aber sowas zu wissen, ist mental gesehen wichtig.

Uli Hoeneß will dafür sorgen, dass zu diesem Duell 15 000 Fans ins Grünwalder Stadion kommen.

Korpela: Das wäre ein Traum. Wir haben die besten Fans. Obwohl sie so eine überschaubare Gruppe sind, sind sie immer laut und geben uns Energie.

Zu Weihnachten darf man sich etwas wünschen – 10 000 Besucher gegen Paris, wäre das was?

Korpela: Ja, lassen Sie uns das doch einfach mal so an den Weihnachtsmann weitergeben! Das ist mein Wunsch.

Interview: Andreas Werner

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