Emotionale Entscheidung

Hansi Flick verkündet seinen Abschied in der Bayern-Kabine - plötzlich applaudiert auch Brazzo

Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic (l.) nach dem Spiel gegen Leverkusen.
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Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic (l.) nach dem Spiel gegen Leverkusen.

Hansi Flick hat seinen Abschied vom FC Bayern in der Kabine verkündet. Die Spieler beklatschten seine Entscheidung - auch Hasan Salihamidzic applaudierte.

München - Hansi Flick* hat den Wunsch, den FC Bayern* am Saisonende zu verlassen. Die Bosse kämpften bis zuletzt um ihren Trainer und wollten ihn zum Bleiben bewegen. Vergebens: Die Risse zwischen Flick und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic* waren zu tief.

Bayern-Bosse wollten Flick zum Bleiben überreden - Hoeneß außer sich

Flicks Entscheidung nach der Saison einen Schlussstrich zu ziehen, war in der Nacht von Mittwoch (14. April) auf Donnerstag (15. April) gefallen, nachdem er sich mit seinem engsten Vertrauten- und Bekanntenkreis ausgetauscht habe, berichtet die Sport Bild. Am Donnerstag habe es dann ein Treffen mit Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn gegeben. Die beiden Vorstände kämpften bis zuletzt um ihren Trainer. Rummenigge wollte ihn nicht ziehen lassen, auch Kahn ging in die Offensive.

Der designierte Nachfolger von Rummenigge soll dem Coach bei dem Gespräch aufgezeigt haben, wie man auch in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten könne: Man wolle im Streit mit Salihamidzic vermitteln, der Austausch solle besser laufen. Doch das reichte nicht, denn Kahn stellte auch klar, dass der Klub weiter zu Brazzo stehe. Also verständigte sich die Dreier-Runde, Flicks Entscheidung bis nach dem Spiel in Mainz am 24. April geheim zu halten.

Bei dem Gespräch am Donnerstag war Uli Hoeneß nicht dabei. Doch der Bayern-Ehrenpräsident war zum Wochenende hin zufällig an der Säbener Straße. Flick informierte den Bayern-Patron bei einer Begegnung über seinen Abschied. Das anfangs herzliche Verhältnis zwischen den beiden war in den vergangenen Wochen deutlich angeknackst. Der Aufsichtsrat hatte sich in Transferfragen hinter Salihamidzic gestellt. Hoeneß soll dem Bericht zufolge intern über Flicks Entscheidung gewütet haben und stellte sogar eine Freigabe zur Nationalmannschaft in Frage.

FC Bayern: Flick bekommt Applaus der Spieler - auch Brazzo klatscht

Der Rest ist bekannt: Es kam anders und Flick verkündete schon letzten Samstag nach der Partie gegen Wolfsburg seinen Abschied. Die Bosse wurden eiskalt erwischt. Nach Abpfiff ging Flick in die Kabine und erzählte der Mannschaft von seinen Plänen. Die Spieler waren verständlicherweise überrascht und brauchten einen Moment, diese Nachricht zu verarbeiten - beklatschten dann aber die konsequente Entscheidung ihres Trainers. Mit dabei war auch Salihamidzic, der wohl als Hauptgrund für Flicks Rücktritt gilt. Seine Reaktion verblüfft: Er schaute sich kurz in der Kabine um und begann dann ebenfalls zu applaudieren.

Eine Zusammenarbeit mit Salihamidzic kam für Flick nicht mehr in Frage. Es gab immer wieder Streitereien um Transfers und Vertragsverlängerungen. Spätestens als Flick Mitte März von Gerüchten um Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann Wind bekam, war das Tischtuch wohl zerschnitten. Salihamidzic habe im Zuge des Upamecano-Transfers heimlich mit den Nagelsmann-Beratern verhandelt, schreibt die Sport Bild. Das Vertrauensverhältnis war seitdem irreparabel beschädigt.

Doch auch Salihamidzic und Hoeneß fühlten sich von Flick hintergangen. Ihnen missfiel die Außendarstellung des Trainers, der sich in der Öffentlichkeit immer als der Gute dargestellt habe, der die Mannschaft am Laufen halte, obwohl man ihm von oben Steine in den Weg legen würde. Die späten und teilweise unglücklichen Transfers seien vor allem aufgrund des Drucks von Flick getätigt worden. Er habe die Mannschaft damit angestachelt, Verstärkungen zu fordern. Zudem missfiel den Bossen, dass Flick mit Spielern wie Benjamin Henrichs, Mario Götze und Timo Werner persönlich Kontakt gesucht habe, um ihre Haltung zu einem Bayern-Wechsel zu erfragen. Noch vier Spiele, dann ist die Ära Flick beim FC Bayern beendet, zuletzt gab es überraschend gute Laune auf der Trainerbank.* (ck) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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